Die meisten Spielzeuge mit Schadstoffen belastet

Heilpraxisnet

80 Prozent der Kinderspielzeuge sind mit Schadstoffen belastet. Das ergab eine Untersuchung der Stiftung Warentest.
Ein Großteil der Kinderspielzeuge für Kinder im Alter unter drei Jahren ist mit Schadstoffen belastet oder besteht aus gefährlichen Kleinteilen, die von den Zöglingen verschluckt werden könnten. Die Stiftung Warentest hat zahlreiche Babypuppen, Plüschtiere und andere Kinderspielzeuge getestet, mit dem besorgniserregenden Ergebnis, dass rund 80 Prozent aller Produkte mit Schadstoffen belastet sind. Bei 10 Prozent lösten sich Kleinteile, die von den Kindern verschluckt werden können.

50 Holz-und Plastik-Spielzeuge getestet
Die Fachleute der Stiftung Warentest hatten in einer umfassenden Studie zehn Babypuppen, fünfzehn Plüschtiere, fünfzehn Spielzeuge aus Holz und zehn Spielzeuge aus Kunststoff für Kinder im Alter unter drei Jahren jeweils 70 Einzelprüfungen unterzogen. Dabei waren die Experten nicht nur auf der Suche nach möglichen mechanischen Sicherheitsmängeln sondern haben ebenfalls die Schadstoffbelastung der Kinderspielzeuge getestet. Das erschreckende Ergebnis: fünf von 50 Spielzeugen wiesen mechanische Mängel auf, durch die sich Kleinteile der Spielzeuge lösen, welche für Kleinkinder aufgrund der Verschluckungsgefahr eine ernsthafte gesundheitliche Bedrohung darstellen.

80 Prozent der Produkte enthalten Giftstoffe
Noch besorgniserregender ist allerdings die Schadstoffbelastung der meisten Spielzeuge. Rund 80 Prozent aller getesteten Spielwaren war mit Giftstoffen belastet, wobei zwei Drittel sogar eine „starke“ bis „sehr starke“ Belastung aufwiesen. Laut Stiftung Warentest enthielten die Kinderspielzeuge unter anderem, die zum Beispiel als Weichmacher in Kunststoffen verwendeten Phthalate, welche nachgewiesener Maßen den Hormonhaushalt von männlichen Föten und Kindern stören und im Verdacht stehen bei Erwachsenen beispielsweise Unfruchtbarkeit, Übergewicht und Diabetes auszulösen. Zudem fanden die Experten der Stiftung Warentest in verschiedenen Spielgegenstände Formaldehyd, das bei unsachgemäßer Anwendung Allergien, Haut-, Atemwegs- oder Augenreizungen verursachen kann und 2004 von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO als „krebserregend für den Menschen“ (CMR-Gefahrstoff) eingestuft wurde.

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Auch aromatischen Kohlenwasserstoffen, Nonylphenol, Schwermetallen und zinnorganische Verbindungen, wurden in den Spielwaren für Kleinkinder gefunden, alles Stoffe mit ähnlich ungünstigen Auswirkung auf die Gesundheit wie Weichmacher und Formaldehyd. Ein getesteter Plüschbär enthielt sogar Azofarbstoffe, welchen in der EU bereits seit 2002 verboten sind. Dieser Teddy-Bär und ein Plüsch-Hase der mit Phthalaten und Blei belastet war, wurden bereits vom Markt genommen.

Holzspielzeug am stärksten belastet
Auffällig und zugleich überraschend war nach Ansicht der Tester, dass Holzspielzeuge besonders stark belastet waren. So haben alle fünfzehn getesteten Produkte eine Vielzahl von Schadstoffen enthalten. Allein in der Holz-Eisenbahn von „Brio“ fanden die Experten der Stiftung Warentest Flammschutzmittel, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Nickel. In zwei Holz-Puzzlen von „kik“ und „Selecta“ entdeckten sie eine hohe Konzentration Formaldehyd, welches zum Beispiel aus dem Sperrholzkleber ausdünsten kann. Demgegenüber schnitten die zehn getesteten Plastikspielzeuge weit besser ab. Sechs von zehn untersuchten Plastikspielwaren wiesen keine Belastung auf. Von nur acht Spielwaren die im gesamten Test als unproblematisch bewertet wurden, sind demnach 75 Prozent aus Plastik. „Die Illusion vieler Eltern ist damit geplatzt", erklärte Hubert Primus von der Stiftung Warentest, denn bisher war ein Großteil von ihnen der Annahme, dass Holzspielzeuge generell unproblematischer seien.

Prüfsiegel haben ot keine ausreichende Aussagekraft
Auch wenn über die Hälfte der Produkte im Test aus China kam, habe das Herkunftsland bei der Qualität keine Rolle gespielt, betonte der Experte. Auch Markenprodukte deutscher Hersteller konnten die Kriterien der Stiftung Warentest haben den Schadstofftest nicht bestanden. Problematisch ist nach Ansicht des Experten zudem, dass Verbraucher sich beim Kauf der Spielwaren auch nicht an den Gütesiegeln orientieren können, da diese generell Schadstoffe enthalten dürfen, solange der gesetzliche Höchstwerte nicht überschritten wird. So hatten alle getesteten Produkte das CE-Zeichen, welches bei der Einhaltung der EU-Richtlinien vergeben wird. Eine exakte Prüfung der Spielwaren in Bezug auf die tatsächlichen Inhaltsstoffe erfolgt jedoch zu selten, so dass in Frage gestellt werden muss, ob die Angaben des Herstellers tatsächlich stimmen, betonte Holger Brackmann, Leiter der Stiftung Warentest-Untersuchung. Da auch Spielzeuge, die mit einem GS- oder TÜV-Siegel gekennzeichneten sind, Schadstoffe enthalten dürfen, solange keine gesetzlichen Bestimmungen verletzt werden, haben alle Siegel nur eine geringe Aussagekraft über die Qualität der Kinderspielzeug.

Bisherige Regelungen unzureichend
Nach Ansicht der Stiftung Warentest sind die bisherigen Regelungen bei der Zulassung von Kinderspielzeugen längst nicht ausreichend. Die Grenzwerte seien zu hoch angesetzt und nicht entsprechend des Alters differenziert. Doch gerade der Organismus von Kleinkinder reagieren besonders anfällig auf Schadstoffe. So haben die Tester im Rahmen ihrer Untersuchung der Spielzeuge für Kinder im Alter unter drei Jahren andere Richtwerte angesetzt als der Gesetzgeber für die generelle Spielzeug-Herstellung. Hier gehen die gesetzgeberischen Pläne sogar in eine andere Richtung, denn die Spielzeugrichtlinie soll ab 2013 bis zu 1.000 Milligramm PAK pro Kilogramm Spielzeug zulassen und 100 Milligramm des krebserregenden Benzopyren. Die Experten der Stiftung Warentest warnen eindringlich vor der Einführung dieser viel zu hoch angesetzten Grenzwerten und fordern den Gesetzgeber zu Nachbesserungen auf.

Beim Kauf von Spielsachen auf bestimmte Merkmale achten

Nach Ansicht von Hubert Primus, müssen die Eltern beunruhigt sein, weil ein Großteil des Spielzeugs die gängige Sicherheitstests nicht bestanden hat. Die Ergebnisse seien für ihn „eine böse Überraschung" gewesen, nicht nur aufgrund der generell hohen Belastungen sondern auch weil selbst Markenhersteller wie Brio, Eichhorn, Fisher Price, Sigikid oder Steiff bei dem Test durchfielen. Doch was können Eltern tun, um ihr Kleinen nicht unnötig zu gefährden? Die Experten der Stiftung Warentest empfehlen beim Kauf auf auffällige Gerüche zu achten, nach leicht ablösbare Teilchen zu gucken, auf lackierte (Holz-) Spielsachen gänzlich zu verzichten und nur aus Stoff gefertigte Puppen für Kleinkinder zu verwenden. Aus Sicht der Naturheilkunde sind Spielwaren, die ein Bio Siegel tragen empfehlenswert, doch meist sind diese auch sehr teuer. So empfiehlt sich als Alternative hin und wieder der Gang in die Natur. Zum Beispiel aus Eicheln, Stöcken, Blättern und Kastanien lassen sich gerade für Kleinkinder gut geeignete Spielzeuge selber kreieren und herstellen. (fp, 22.10.2010)