Diese Hormone bestimmen maßgeblich die Mutter-Kind-Bindung

Fabian Peters

Mutter-Kind-Bindung maßgeblich durch Hormone gesteuert?

Die Fürsorge durch die Mutter ist für Neugeborene überlebenswichtig. Doch die Mutter-Kind-Bindung ist bei manchen Frauen beeinträchtigt, wie beispielsweise im Fall der sogenannten Wochenbettdepression. Hier könnte möglicherweise das Zusammenspiel der Hormone Oxytocin und Testosteron einen entscheidenden Einfluss haben.


Den Einfluss der Hormone auf die Mutter-Kind-Bindung haben Sarah Holtfrerich und Jun.-Prof. Dr. Esther Diekhof von der Abteilung Neuroendokrinologie am Institut für Zoologie der Universität Hamburg in einer aktuellen Studie untersucht. „Verschiedene Hormone beeinflussen die mütterlichen Gefühle“ und „während Oxytocin die Bindung zum Kind stärkt, scheint Testosteron mütterliches Verhalten zu unterdrücken“, so die Mitteilung der Universität zu den Studienergebnissen. Veröffentlicht wurden diese in dem Fachmagazin „Scientific Reports“.

Die Mutter-Kind-Bindung wird maßgeblich durch Hormone beeinflusst. (Bild: Tomsickova/fotolia.com)

Babys aktivieren Schlüsselreiz im Belohnungssystem

Verschiedene biologische Faktoren beeinflussen die Reaktionen Erwachsener Menschen auf Babys und Kleinkinder. Hier sind zum Beispiel die besonderen kindlichen Gesichtszüge mit große Augen, Stupsnase und Pausbacken zu nennen. Diese typischen Gesichtszüge, auch Kindchenschema genannt, wirken als Schlüsselreiz im Belohnungssystem des Gehirns und bringen Eltern dazu, sich um den Nachwuchs zu kümmern, erläutern die Wissenschaftlerinnen. Auch Hormone haben jedoch den aktuellen Studienergebnissen zufolge einen erheblichen Einfluss auf die Bindung zwischen Mutter und Kind.

Reaktionen im Gehirn analysiert

Die Hamburger Forscherinnen haben in ihrer Studie an 57 Probandinnen untersucht, wie die beiden Hormone Oxytocin und Testosteron interagieren und ob sie die Reaktionen auf das Kindchenschema beeinflussen. Die Teilnehmerinnen wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, von denen die erste Gruppe Oxytocin erhielt und die zweite Gruppe ein Placebo. Des Weiteren wurde bei den Probandinnen der Testosteronspiegel gemessen. Anschließend zeigten die Forscherinnen den Frauen Bilder von Erwachsenen und Kindern mit unterschiedlich ausgeprägtem Kindchenschema. Dabei wurde mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) die Hirnaktivität der Studienteilnehmerinnen erfasst.

Erhöhte Aktivität im Belohnungssystem

„Verabreichten wir Frauen mit hohen Testosteronspiegeln Oxytocin, erhöhte sich die Aktivität im Belohnungssystem des Gehirns, sobald sie Babygesichter sahen“, berichtet Sarah Holtfrerich von den Studienergebnissen. Die Frauen hätten nach der Gabe von Oxytocin außerdem deutlicher sensitiver auf das Kindchenschema reagiert. Bei Frauen mit niedrigen Testosteronwerten hatte das verabreichte Oxytocin laut Aussage der Forscherinnen indes keine Wirkung.

Negative Wirkung von Testosteron wird ausgeglichen

Oxytocin kann den aktuellen Studienergebnissen zufolge die negative Wirkung von Testosteron auf die Mutter-Kind-Bindung offenbar ausgleichen und das Fürsorgeverhalten der Frau motivieren. Die Sexualhormone Oxytocin und Testosteron beeinflussen das Belohnungssystem im Gehirn, wobei Oxytocin, das oft auch als Kuschelhormon bezeichnet wird, die soziale Bindung der Mutter zum Kind stärkt, während Testosteron vermutlich negativ auf mütterliche Verhaltensweisen wirkt, betonen die Forscherinnen.

Potenzial für pharmakologische Forschung

Da das verabreichte Oxytocin bei Frauen mit niedrigen Testosteronwerten keine Wirkung hatte, gehen die Studienautorinnen davon aus, dass niedrige Werte des männlichen Sexualhormons bei Frauen das mütterliche Verhalten ausreichend fördern und ein zusätzlicher Einfluss von Oxytocin bei ihnen nicht notwendig ist. In weiteren Studien planen die Forscherinnen nun die Ergebnisse an Müttern und Vätern zu überprüfen. Hier bestehe auch Potenzial für die pharmakologische Grundlagenforschung, „da ein Oxytocinmangel höchstwahrscheinlich bei psychiatrischen Störungen wie der Wochenbettdepression eine wichtige Rolle spielt“, so die Mitteilung der Universität Hamburg. (fp)