Durch Endometriose unerträgliche Regelschmerzen

Astrid Goldmayer

Unerträgliche Regelschmerzen können auf Endometriose hinweisen

19.07.2012

Viele Frauen leiden unter Menstruationsbeschwerden. Wenn diese jedoch allmonatlich sehr stark sind, sollten Betroffene ärztlichen Rat einholen. Häufig steckt eine Endometriose hinter den Regelschmerzen. Experten schätzen, dass jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter davon betroffen ist.

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Endometriose wird häufig erst spät diagnostiziert
Monika K. leidet bereits seit 18 Jahren an Endometriose, jener chronischen Erkrankung, bei der sich gebärmutterähnliche Zellen außerhalb der Gebärmutter ansiedeln und starke Schmerzen verursachen. Nachdem sie zahlreiche Arztpraxen und Spezialisten konsultiert hatte, stellte endlich eine Gynäkologin die entsprechende Diagnose. Doch die gängigen Therapien halfen ihr nicht. In der Regel werden Betroffene mit Hormonpräparaten wie der Anti-Baby-Pille behandelt, um die meist zyklisch auftretenden Beschwerden zu lindern. Reicht das nicht aus, kann das Schmerzen verursachende Gewerbe operativ entfernt werden. Einige Frauen lassen diese Prozedur sogar mehrfach über sich ergehen, um endlich Linderung zu erfahren. Dennoch gibt es Frauen, deren Schmerzen schlimmer werden. „Manchmal weiß ich nicht mehr, was ich machen soll. Dann helfen nur noch starke Schmerzmittel“, berichtet Monika K. „Ich habe mich bereits viermal operieren lassen. Ich glaube nicht, dass eine weitere Operation meine Situation verbessern würde. Deshalb setzte ich jetzt auf eine Schmerztherapie.“

Bei Annabell M. brachte die erste Operation den gewünschten Erfolg. „Ich bin so froh, dass ich derzeit keine Beschwerden habe.“ Die 32-Jährige ist inzwischen sogar Mutter eines kleinen Sohnes. „Nach sieben Jahren wurde ich endlich schwanger – trotz Endometriose.“

Laut Schätzungen der Stiftung Endometriose-Forschung leidet jede zehnte Frau unter Endometriose. Da die Symptome unspezifisch und sehr unterschiedlich sein können, ist die Dunkelziffer von Betroffenen hoch. Einige Patientinnen leiden an periodenabhängigen, diffusen Schmerzen im Unterleib. Andere haben Migräne, leiden an Übelkeit oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Deshalb haben Betroffene häufig eine regelrechte Ärzte-Odyssee hinter sich, bevor die Endometrimose diagnostiziert wird.

Endometriose kann zur Unfruchtbarkeit führen
„Durchschnittlich vergehen bis zur Diagnose knapp sieben Jahre", berichtet Stefan Renner, Leitender Oberarzt der Frauenklinik am Universitätsklinikum Erlangen und Leiter des Endometriose-Zentrums. Da Regelschmerzen zunächst nichts auffälliges sind, ziehen viele Gynäkologen die Diagnose Endometriose gar nicht oder erst spät in Betracht. „Wenn die Betroffene ihr Leben durch die Schmerzen nicht mehr im Griff hat, spätestens dann ist es Zeit, zum Arzt zu gehen", sagt der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Martin-Luther-Krankenhauses Berlin, Professor Uwe Ulrich. Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte, erklärt, dass keine Frau sieben Jahre bis zur Diagnose warten sollte. Er rät Betroffenen bei der Diagnosefindung hartnäckig zu bleiben.

Endometriose ist eine gutartige, häufig sehr schmerzhafte chronische Erkrankung von Frauen. Dabei treten Zellen der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle auf. Genau wie die normale Gebärmutterschleimhaut verändern sich auch diese Zellen während des Menstruationszyklus, schwellen an und bluten. Sie können den Körper jedoch nicht verlassen, verursachen aber Entzündungen, Schmerzen, Vernarbungen, Verklebungen und sogar Zysten sowie Tumore. Endometriose tritt in den meisten Fällen im unteren Bauch- und Beckenraum auf. Die Eierstöcke sind dabei oft betroffen. Eine Ausbreitung der Zellen auf die Scheidenwand und den Darm ist möglich. Sehr selten kommt es zum Befall der Lunge und des Gehirns. Endometriose kann zu Unfruchtbarkeit führen. Renner geht davon aus, dass etwa die Hälfte der Frauen, die vergeblich versuchen schwanger zu werden, an einer Endometriose leidet. Die Ursache für die Entstehung der Erkrankung ist bislang nicht geklärt.

Endometriose kann nur über Gewebeprobe diagnostiziert werden
Um die sogenannten Endometrioseherde zu finden, führt meist kein Weg an einer Bauchspiegelung vorbei. Um die endgültige Diagnose zu stellen, müssen Gewebeproben entnommen werden, erklärt Ulrich. Wird die Erkrankung im Labor bestätigt, setzt die Behandlung anhand der Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Endometriose ein, die unter der Leitung von Ulrich erstellt wurde. Betroffenen rät er, spätestens dann ein Endometriose-Zentrum aufzusuchen.

Durch eine Hormontherapie beispielsweise mit der Anti-Baby-Pille, die im ersten Schritt der Behandlung erfolgt, wird die Regelblutung unterdrückt. Das Schmerzen verursachende Gewebe außerhalb der Gebärmutter soll so ruhiggestellt werden, erläutert der Chefarzt. Da die Schmerzen spätestens dann erneut beginnen, wenn die Hormongabe abgesetzt wird, folgt normalerweise eine Operation. „Die zentrale Therapie der Endometriose ist immer noch eine Operation", erklärt Ulrich. Bei einer Bauchspiegelung werden die Entzündungsherde operativ entfernt. Anschließt beginnt eine erneute Hormontherapie.

Leider schlägt die Behandlung nicht bei jeder Frau an. „Oft werden nicht alle Herde gefunden", sagt Ulrich. „Wenn die Herde in der Gebärmutterschleimhaut sitzen, sind sie beispielsweise schwer zu sehen", fügt Albring hinzu. „Spätestens ab der fünften Operation müssen sich alle Beteiligten fragen, ob das noch gut ist", meint Ulrich.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten von Endometriose
Alternative Heilmethoden werden immer häufiger auch bei Endometriose empfohlen. Dazu gehören unter anderem Homöopathie und Traditionelle Chinesische Medizin wie Akupunktur. Übergewichtige sollten ihr Gewicht reduzieren. Eine gesunde Ernährungsweise, bei der auf Milch, Milchprodukte und Weizen verzichtet wird und viel frisches Obst, Gemüse, kaltgepresste Öle, wie Nachtkerzenöl, Olivenöl und Leinöl sowie fetter Seefisch wegen der Omega-3-Fettsäuren gegessen werden, hilft vielen Patientinnen dabei, die Symptome zu lindern.

Der Austausch von Betroffenen in Selbsthilfegruppen und Netzwerken kann besonders der psychischen Verfassung zuträglich sein. Denn aufgrund der häufig langen Leidensgeschichten fühlen sich viele Patientinnen mit ihrer Erkrankung alleingelassen. (ag)