Ebola in Zukunft heilbar?

Fabian Peters

US-Forscher verzeichnen Durchbruch bei der Ebola-Forschung

26.08.2011

Das tödliche Ebola-Virus könnte schon bald seinen Schrecken verlieren. Nach dem Forscher des United States Army Medical Research Institute of Infectious Diseases (USAMRIID) bereits im August letzten Jahres von ersten Erfolge bei der Suche nach Medikamenten gegen Ebola und das fast ebenso tödliche Marburg-Virus berichteten, konnten Wissenschaftler des Albert Einstein College of Medicine in New York und der Harvard Medical School in Boston nun weitere Erfolge im Kampf gegen Ebola verzeichnen.

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Das vom Ebola-Virus ausgelöste Ebola-Fieber zählte zu den tödlichsten bekannten Erkrankungen weltweit und endet, je nach Ebola-Stamm bei rund 90 Prozent der infizierten Menschen und 100 Prozent der infizierten Affen tödlich. Nach etwa 10-tägiger Inkubationszeit werden infizierte Personen lethargisch, leiden unter Übelkeit und Erbrechen , bekommen hohes Fieber und beginnen im späteren Krankheitsverlauf aus allen Poren zu bluten. Als typische Symptome gelten innere Blutungen, Blutungen ins Gewebe, Blut im Stuhl und Urin, sowie Haut- und Schleimhautblutungen. Oftmals leiden die Betroffenen außerdem unter Leber- und Nierenfunktionsstörungen mit Ödemen. Im Endstadium lösen sich die inneren Organe der Ebola-Patienten regelrecht auf und die damit einhergehenden Blutungen im Magen-Darm-Kanal, der Milz und der Lunge führen anschließend zum Tod der Patienten. Da die aus allen Poren der Betroffenen austretende Körperflüssigkeit hoch ansteckend ist, breitet sich Ebola schnell Epidemie-artig aus. Das Ebola-Virus ist vor allem in Afrika relativ weit verbreitet und bis heute besteht keine Möglichkeit der Heilung.

Nun berichten jedoch gleich zwei Forscherteams im Fachmagazin „Nature“ erstmals einen Abwehrmechanismus gegen das Ebola-Virus belegt zu haben. Die Wissenschaftlern um Kartik Chandran vom Albert Einstein College of Medicine in New York erbrachten den Nachweis, dass ein körpereigenes Proteins den Viren beim Eindringen in die menschlichen Zellen hilft. Das für den Transport des Blutfetts Cholesterin genutztes Molekül „Niemann-Pick C1“ (NPC1) ist normalerweise dafür verantwortlich, dass das Cholesterin ins Zellinnere transportiert und dort verarbeitet werden kann, berichten die Forscher des Albert Einstein College. Diesen Weg nutzte jedoch auch das Ebola-Virus, um in die Zellen zu gelangen. Studienautor Kartik Chandran erklärte, dass Zellen, die „dieses Protein nicht herstellen, auch nicht durch den Ebola-Virus infiziert werden“ können.“ So könnte durch eine Blockade des Proteins mit einem speziellen Wirkstoff ein effizienter Schutz vor den Ebola-Viren aufgebaut werden. Versuche an Zellkulturen und Mäusen hätten belegt, dass die Blockade des Proteins eine 99-prozentige Immunität gegenüber dem Ebola-Virus gewährt, erklärten die Wissenschaftler.

Allerdings hat das Fehlen des Proteins auf Dauer auch eine schwere Erbkrankheit zur Folge, so dass lediglich eine kurzfristiger Blockade im Rahmen eines akuten Krankheitsausbruchs in Frage kommt. Da die Ebola-Epidemien sich jedoch meist nur über einen relativ kleinen Zeitraum erstreckten, wäre ein langfristiger Einsatz entsprechender Medikamente ohnehin nicht erforderlich, erklärten die Wissenschaftler. Die Störungen des Cholesterin-Transports in die Zellen seien angesichts der gesundheitlichen Risiken der tödlichen Infektionskrankheit „tolerierbar“, so Kartik Chandran und Kollegen weiter.

In der zweiten vorgestellten Studie haben Wissenschaftler um James Cunningham von der Harvard Medical School in Boston mit Hilfe eines Suchroboters einen Wirkstoff entdeckt, der das für die Ebola-Viren so wichtige Protein NPC1 blockiert. Tausende Wirkstoffe hat der Roboter ausgewertet, auf der Suche nach einen möglichen Heilmittel gegen Ebola. Am Ende entdeckten die Wissenschaftler einen Wirkstoff, der besonders effizient vor Ebola und dem verwandten Marburg-Virus schützt. Wie Studienautor Cunningham berichtet, haben „solche kleinen Moleküle, die NPC1 angreifen und die Ebola-Infektion dadurch hemmen, das Potenzial, um daraus antivirale Wirkstoffe zu entwickeln“, die eine Heilung des Ebola-Fiebers ermöglichen. Bei Verwendung des Wirkstoffs waren die Zellen zuverlässig vor einer Infektion mit dem Virus geschützt, so die Aussage der Forscher. Dabei habe die Blockade des NPC1 sehr selektiv gegen das Ebola-Virus und dem verwandten Marburg-Virus gewirkt, während andere Viren und Krankheitserreger nicht berührt wurden, erklärten die US-Wissenschaftler.

Die Forschung nach einem Heilmittel gegen Ebola wird aufgrund der Sorge vor möglichen bio-terroristischen Angriffen auch vom amerikanischen Verteidigungsministerium massiv unterstützt. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Verteidigungsministerium der USA mit den Forschern der Firma AVI BioPharma einen Vertrag über die weitere Zusammenarbeit im Bereich der Ebola-Forschung ausgehandelt und dem Unternehmen mehr als 291 Millionen Dollar für die zukünftige Forschungsarbeit zugesichert. Eine Summe, die angesichts der bisherigen rund 1.200 Ebola-Todesfälle seit Entdeckung der Infektionskrankheit 1976 deutlich überhöht scheint. Zumal allein die Angst vor Bioterrorismus den Anlass für den Forschungsaufwand bildet. So werfen Kritik dem US-Verteidigungsministerium vor, dass die Investition einer vergleichbaren Summen in die Entwicklungshilfe und Unterstützungsmaßnahmen für „Amerika-feindliche“ Länder, im Kampf gegen die Gefahren des Bioterrorismus deutlich mehr bringen würde, als der Einsatz zur Erforschung eines Heilmittels gegen Ebola. (fp)