EHEC Ursachen: Dem Erreger auf der Spur

Fabian Peters

Erste Erkenntnisse zu den Ursachen der EHEC-Infektionen

25.05.2011

Die Gesundheitsbehörden suchen derzeit fieberhaft nach den Ursachen der aktuellen EHEC-Infektionswelle. Während Rohmilchprodukte und rohes Fleisch als Infektionsquelle nahezu ausgeschlossen werden konnte, konzentriert sich die Suche dabei aktuell auf eine mögliche Übertragung der gefährlichen Darmkeime durch Rohkost – pflanzliche Lebensmittel, die bei der Zubereitung nicht erhitzt werden.

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Dass möglicherweise durch Fäkalien von Wiederkäuern verunreinigte Lebensmittel Ursache der EHEC-Infektionen sein könnten, wurde bereits unmittelbar nach dem Bekanntwerden der ersten Fälle vermutet. Obwohl die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ilse Aigner (CSU) gegenüber der „ARD“ vor voreiligen Schlüssen und übereilten Schuldzuweisungen in Richtung der Landwirte warnt, liegt der Gedanke nahe, dass durch die Aufbringung von Gülle auf die Felder die Nahrungsmittel mit EHEC-belasteten Fäkalien verseucht wurden.

EHEC-Infektionen durch Rohkost
Die Gesundheitsbehörden gehen derzeit davon aus, dass die EHEC-Infektion auf eine Übertragung der Erreger durch Rohkost zurückzuführen sind – doch nachweisen konnten die Experten diese These bisher nicht. Auch wurden keine Angaben dazu gemacht, wie die Erreger auf die Nahrungsmittel gelangt sein könnten und auf welchem Wege sie verbreitet wurden. Da Wiederkäuer als Hauptreservoir der Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) gelten und Verunreinigungen von Lebensmittel mit Fäkalien der Tiere verhältnismäßig oft die Infektionsquelle bilden, wird in der Öffentlichkeit jedoch bereits über die Gülle-Düngung als mögliche Ursache spekuliert. Derartigen Vermutungen trat die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ilse Aigner (CSU) energisch entgegen und warnte vor übereilten Schuldzuweisungen. „Wir (können) jetzt momentan noch nicht sagen (…), wo die Quelle ist“, erklärte die CSU-Politikerin im Gespräch mit der „ARD“. Die ärztliche Leiterin des Großlabors Medilys der Asklepios-Kliniken in Hamburg, Susanne Huggett, erklärte indes heute früh im ARD-Morgenmagazin, dass es im Moment so aussehe, „als wenn Salatbars, also vorbereitete Salatteile eine Rolle spielen“. Doch genaueres konnte auch Huggett bisher nicht sagen. Insgesamt gilt die Übertragung der Erreger durch Rohkost unter den Experten als äußerst wahrscheinlich, woraus sich notgedrungen die Frage nach den Ursachen für die Verunreinigung der Rohkost ergibt.

EHEC-Infektionsquelle vermutlich in Norddeutschland
Da die EHEC-Infektionen in mehreren Bundesländern aufgetreten sind, der Schwerpunkt jedoch in Norddeutschland liegt, vermuten die Gesundheitsbehörden, dass die EHEC-belastete Rohkost von einem überregionalen Versorger aus dem norddeutschen Raum verbreitet wurde. Genauere Angaben konnten die Behörden bisher jedoch nicht machen. Allerdings besteht Hoffnung, dass die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) unfreiwillig einen Beitrag zur Aufklärung der Infektionsursache leistet. Denn wie der „Spiegel“ berichtet, haben alle 19 bisher in Frankfurt erkrankten Patienten in der Kantine von PwC gespeist. In einer Mitteilung an die Mitarbeiter von PwC schreibt das Frankfurter Gesundheitsamt, dass zur Krankheitsvorbeugung „eine vorübergehende Schließung der Kantine verfügt“ und empfohlen wird, „die Wasserspender nicht zu nutzen“. Derzeit werden Proben der verarbeiteten Lebensmittel und Getränke im Labor untersucht, in der Hoffnung einen Hinweis auf die Infektionsquelle zu finden. Außerdem werten die Behörden die Lieferscheine der Kantine aus, da eine verunreinigte Lebensmittellieferung als Ursache der EHEC-Infektionen vermutet wird. „Wir gehen davon aus, dass die Infektionsquelle in Norddeutschland liegt“, erklärte eine Sprecher des Gesundheitsamtes gegenüber dem Radiosender „FFH“.

Gülle-Düngung als mögliche Ursache der EHEC-Infektionen
Angesichts der Unklarheit, die derzeit in Bezug auf die Ursachen der EHEC-Infektionen herrscht, sind die Experten mit möglichen Verdächtigungen bisher sehr zurückhaltend, doch immer wieder wird die unsachgemäße Düngung mit Gülle als mögliche Infektionsquelle genannt. In Deutschland macht die sogenannte Düngeverordnung strenge Vorgaben für den Einsatz der Gülle, doch verboten ist deren Verwendung keinesfalls. Und so ist es durchaus vorstellbar, dass die gefährlichen EHEC-Bakterien mit der Gülle auf die Felder gelangte und von dort mit der Rohkost in die Küche. Vor allem die aus Urin und Kot in der Rinderzucht gewonnene Gülle steht hier im Verdacht. Gülle aus der Schweinezucht gilt in Bezug auf die EHEC-Infektionen indes eher als ungefährlich, da Schweine keine Wiederkäuer sind und normalerweise keine EHEC-Bakterien übertragen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass die EHEC-Infektionen durch den Einsatz der Gülle verursacht wurden, wäre der Imageschaden für die Landwirtschaft erheblich. Daher ist die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz schon im Vorfeld bemüht, die Wogen zu glätten. Bleibt zu hoffen, dass die Suche nach den Ursachen der aktuellen EHEC-Infektionswelle früher oder später zu einem Ergebnis führt, dass den Infektionsweg eindeutig darlegt – auch um die derzeit spürbare, massive Verunsicherung der Verbraucher zu beheben. (fp)