Einsamkeit ist so schädlich wie Rauchen

Sebastian

Einsamkeit schädigt das Immunsystem und ist in etwa so schädlich wie Rauchen oder Übergewicht.

(27.07.2010) Einsame Menschen haben oftmals Depressionen, ziehen sich in ihre eigene Welt zurück und leiden unter mangelnden sozialen Kontakten. Das schädigt auch die Gesundheit und fördert das Sterberisiko, wie eine US-Amerikanische Studie heraus fand.

Die „Brigham Young University“ in Utah verweist auf eine aktuelle Auswertung von Studien, die zu diesem Thema veröffentlicht wurden. Demnach schädigt dauerhafte Einsamkeit das menschliche Immunsystem und gilt nach Ansicht der Forscher als ebenso gefährlich wie Rauchen, ungesunde Ernährung oder Bewegungsmangel.

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Die Forscher analysierten die Daten von 148 Studien und werteten die Ergebnisse von rund 300.000 Probanden aus. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin „PLoS Medicine“ veröffentlicht. Alle Studien wurden in westlichen Industrienationen durch geführt. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag bei 64 Lebensjahren. Laut Studienergebnissen haben Menschen mit weitreichenden intakten sozialen Kontakten eine 50 prozentige Überlebenswahrscheinlichkeit gegenüber Menschen, die über ein geringes soziales Umfeld verfügen. Das übertreffe sogar die Risikofaktoren die durch Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel entstehen, so die Wissenschaftler.

Im Studienverlauf wurden die Probanden im Durchschnitt über 7,5 Jahre beobachtet. Das Ergebnis war immer das selbe, auch wenn weitere Faktoren wie Alter, Geschlecht und Einkommen berücksichtigt wurden. Behandelnde Ärzte sollten daher nicht nur bei älteren Patienten hellhörig werden, wenn diese über kaum soziale Kontakte verfügen. Denn den größten Effekt aller untersuchten Faktoren hatte die "allgemeine soziale Integration", am wenigstens war ausschlaggebend, ob die Menschen allein lebten oder mit jemanden zusammen.

"Mediziner, Gesundheitsexperten, Erzieher und die Medien nehmen Faktoren wie Rauchen, Ernährung und Sport sehr ernst: Die hier präsentierten Daten bieten ein stichhaltiges Argument, die sozialen Faktoren zu dieser Liste hinzuzufügen", argumentieren die Autoren der Studie. Denn ein intaktes soziales Umfeld kann auch bei der Bewältigung von Stress und depressiven Verstimmungen (Depressionen) helfen. Das hat positive Auswirkungen auf die eigene Gesundheit. Zudem hatten einige Studien belegt, dass soziale Kontakte auch das menschliche Immunsystem stärkt. Der Körper kann mit einem gestärkten Immunsystem dauerhaft besser Krankheitserreger abwehren.

Soziale Kontakte können demnach entscheidend dazu beitragen, die Lebensqualität zu stärken und das Sterberisiko zu minimieren, betonen die Forscher. Gesundheitsvorsorge sollte nicht damit enden, nur auf das klinische Bild einer Erkrankung zu achten, sondern das allgemeine Wohlbefinden des Menschen mit einschließen. Ärzte sollten daher Patienten dazu ermuntern soziale Netzwerke zu gründen.

Die Studie ist ein weiteres Argument für eine ganzheitliche Sicht auf das Wohlbefinden des Menschen. Demnach sind eben nicht nur rein medizinische Betrachtungsweisen hilfreich, um die Gesundheit des Menschen zu fördern. Es komme eben auch darauf an, in welchen persönlichen Umständen der Mensch sich befindet und welche weiteren Faktoren eine Erkrankung begünstigen. Im Alltag der konventionellen Schulmedizin werden solche Faktoren oftmals ausgeschlossen. Hier geht es einzig darum, eine Diagnose zu stellen und eine entsprechende Behandlung vornehmlich mit Arzneimitteln zu verabreichen. Für die Lebens- und Leidensgesichte bleibt dabei kein Platz. Die Komplementärmedizin hingegen setzt auf alle Zusammenhänge und richtet seinen Blick auf Ganzheit des Menschen. In der Naturheilkunde gibt es keine Spezialisierung in Fachgebiete, da nach dem Krankheitsbild z.B. in der Homöopathie nie ein Organ erkrankt, sondern immer der ganze Mensch. (sb)