Enge im Wirbelkanal: kein Platz für Nerven

Heilpraxisnet

Krankengymnastik und flexible Wirbelsäulenstabilisierung erzielen gute Erfolge

11.07.2014

Wenn es im Rücken, im Gesäß und krampfartig in den Beinen schmerzt, sind möglicherweise verspannte Muskeln oder ein Bandscheibenproblem dafür verantwortlich. Es kann aber auch sein, dass ein zu enger Wirbelkanal die Qualen verursacht. Vor allem jenseits der 50 nimmt diese verschleißbedingte Erkrankung mit dem Namen Spinalkanalstenose zu. Zudem sind beim Gehen und Stehen Schmerzen kaum zu ertragen und Betroffene benötigen Pausen in denen sie sich setzen oder nach vorn beugen. Das Behandlungsspektrum reicht von konservativen über minimalinvasive Therapien bis hin zur Operation.

„Das Mittel der ersten Wahl ist eine konservative Behandlung mit gezielter Bewegungstherapie in Form von Krankengymnastik und Rückenschule zur Stärkung von Rücken- und Bauchmuskulatur“, erklärt Dr. Bernd Illerhaus, Wirbelsäulenchirurg und Facharzt für Neurochirurgie aus dem Orthopädisch-Neurochirurgischen Zentrum in Datteln und Recklinghausen. Spezielle Übungen zur Kräftigung der Muskulatur stellen die Beweglichkeit und Stabilität im Rücken wieder her. In einigen Fällen lässt sich die Erkrankung dadurch gut in den Griff bekommen. Auch Betroffene mit bereits fortgeschrittener Spinalkanalstenose können mit Bewegungstherapien gute Resultate erzielen. Wer diese viele Jahre konsequent durchführt, kann sogar eine Operation umgehen. Wärmebehandlungen, Elektrotherapie und andere physikalische Anwendungen sowie Akupunktur und Neurostimulation setzen Ärzte in manchen Fällen ergänzend ein.

Bringen diese Therapiebausteine keine Besserung, stellt die Schmerztherapie oft die nächste Station dar. Häufig nehmen Betroffene dann entzündungshemmende und cortisonhaltige Medikamente, die aber bei Dauereinnahme zu Nebenwirkungen führen können. Auch wurzelnah injizierte, schmerzstillende und abschwellende Medikamente lindern manchmal Beschwerden. In speziellen Fällen erfolgt eine Injektion örtlicher Betäubungsmittel in die Facettengelenke. „Diese minimalinvasiven Verfahren sollen den Kreislauf aus Entzündung, Schmerz und Schonhaltung durchbrechen. Bei Spinalkanalstenosen helfen sie jedoch nur bedingt und können in vielen Fällen eine Operation nicht vermeiden“, so Dr. Illerhaus Einschätzung.

Für ihn indiskutabel ist eine Operation, wenn sich bereits bei einer Gehstrecke von weniger als fünf Metern unerträgliche Schmerzen einstellen. „Dann sollte operiert werden, denn die Lebensqualität Betroffener ist in diesen Fällen erheblich eingeschränkt.“ In allen anderen Fällen müssten Arzt und Patient die Entscheidung für oder gegen eine Operation individuell abwägen. Bei dieser sorgt eine operative Erweiterung des Wirbelkanals für Erleichterung. Mitunter schließt sich daran eine Stabilisierungsoperation an. Hier gilt als Methode der Wahl eine Versteifungsoperation unter der jedoch, wenn mehrere Wirbelsegmente miteinander versteift werden, die Beweglichkeit leiden kann und sich die Erkrankung später auf benachbarte Bereiche verlagert. Seit einigen Jahren lenken Fachärzte daher zunehmend ihr Augenmerk auf bewegungserhaltende Operationsverfahren wie die flexible Wirbelsäulenstabilisierung. Ein dynamisches Implantat, das TOPS-System, sorgt dafür, dass der Patient nach der operativen Erweiterung wie gewohnt in alle Richtungen beweglich und dauerhaft schmerzfrei bleibt. „Dadurch wird eine Lastenübertragung auf andere Bereiche der Wirbelsäule verhindert und die Krankheit dauerhaft gestoppt“, erläutert Dr. Illerhaus. (pm)

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