Falscher Arzt behandelt über 150 Patienten

Fabian Peters

Anklage gegen falschen Arzt: Arbeitsloser täuschte Patienten und Mediziner

13.04.2011

Ein Arbeitsloser gab sich als Arzt aus und behandelte Patienten. Immer wieder berichten Medien von unglaublichen Fällen, in denen Menschen ohne entsprechende Fachkenntnis sich als Arzt einstellen lassen und tatsächlich Patienten behandeln. Auch in dem aktuellen Verfahren am Stuttgarter Landgericht wird dies einem 27-jähriger Arbeitslose vorgeworfen.

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Die Anklage gegen den falschen Arzt lautet unter anderem auf Missbrauch von Titeln, Betrug und Körperverletzung. Mit Hauptschulabschluss und ohne entsprechende Ausbildung soll sich der Arbeitslose mehrfach als Arzt ausgegeben und gut 150 Patienten behandelt haben. Verblüffend war dabei, dass der vermeintliche Betrüger offenbar so gute Arbeit leistete, dass ihm sogar eine Festanstellung angeboten wurde – als Anästhesiearzt an der Paracelsus-Klinik München.

Arbeitsloser bewarb sich mit gefälschter Approbationsurkunde als Arzt
Eigentlich stand der Angeklagte kurz vor dem Abschluss einer legalen Rettungshelfer-Ausbildung. Nach bereits bestandener Prüfung hätte der 27-Jährige nur noch ein Klinikpraktikum absolvieren müssen. Anstatt jedoch die notwendige Praxisphase zu absolvieren, fälschte der Angeklagte die entsprechende Bescheinigung, erklärte der Staatsanwalt am Stuttgarter Landgericht. Im Sommer 2009 habe sich der Arbeitslose dann aufgrund finanzieller Probleme eine Approbationsurkunde als Anästhesiearzt gefälscht und sich damit an der Paracelsus-Klinik in München beworben. Der vermeintliche Arzt erhielt die Stelle und hat den Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge anschließend von August bis Dezember 2009 knapp 800 Dienststunden geleistet und rund 150 Behandlungen an Patienten durchgeführt. Für seien Arbeit kassierte der Arbeitslose dabei insgesamt fast 20.000 Euro. Zeitgleich arbeitete er auch als Helfer beim DRK im Rems-Murr-Kreis und behandelte hier neun Patienten. Mit seinen als ehrenamtlicher Helfer beim DRK erworben medizinischen Kenntnissen spritze der falsche Arzt Narkosemittel, entnahm Blut und verabreichte Infusionen, so die Anklage am Landgericht Stuttgart.

Falscher Arzt erhielt Angebot auf Festanstellung
Doch schlechte Arbeit leistete der Beschuldigte offenbar nicht, denn die Münchner Klinik war mit den Leistungen so zufrieden, dass sie dem falschen Arzt Ende des Jahres 2009 sogar eine Festanstellung anbot. Hierfür fehlten dem 27-jährigen Arbeitslosen allerdings die benötigten Sozialversicherungsunterlagen, so dass er das Angebot ablehnen musste. Daraufhin bewarb sich der mittlerweile regelrecht erfahrene Mediziner erneut mit gefälschter Approbationsurkunde als Notarzt am Hospital zum Heiligen Geist in Horb. Auch hier fiel sein dreistes Vorgehen vorerst niemandem auf und er erhielt die Arbeitsstelle. Bis Januar 2010 führte der 27-Jährige als vermeintlicher Notarzt im Krankenhaus in Horb (Baden-Württemberg) weitere neun Behandlungen an Patienten durch, bevor die betrügerischen Machenschaften aufflogen, erklärte der Staatsanwalt. Sein Gehalt von knapp 2.000 Euro sei nicht mehr ausgezahlt worden. Dass der Arbeitslose anscheinend gute Arbeit geleistet hat und keine Patienten ernsthaft zu Schaden gekommen sind, wird in dem aktuellen Verfahren indes voraussichtlich kaum eine Rolle spielen. Allerdings wäre die Anklageschrift mit Sicherheit weit schwerwiegender ausgefallen, wenn das betrügerische Verhalten des Angeklagten weniger glimpfliche Folgen gehabt hätte.

Beschuldigter äußert sich bisher nicht zu den Vorwürfen
Der Beschuldigte hat sich am ersten Verhandlungstag des aktuellen Verfahrens nicht zu den Vorwürfen geäußert, da der Prozess vorher unterbrochen werden musste, weil der psychiatrische Sachverständige noch in einem anderen Verfahren terminlich gebunden war. Der Prozess am Landgericht Stuttgart gegen den falschen Arzt soll nun am 15. April fortgesetzt werden. (fp)