Forscher: Diabetes ein Warnsignal bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Alexander Stindt
Es gibt einen Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes und Bauchspeicheldrüsenkrebs
Viele Menschen in Deutschland sind an Diabetes erkrankt. Forscher fanden jetzt heraus, dass Diabetes auch ein Warnzeichen für eine Krebserkrankung sein kann. Bei etwa 50 Prozent der Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs wurde im Vorjahr Typ-2-Diabetes diagnostiziert.

Die Wissenschaftler vom International Prevention Research Institute in Frankreich stellten bei einer Untersuchung fest, dass eine Diagnose von Typ-2-Diabetes ein Warnzeichen für die Entstehung von Krebs sein kann. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie beim European Cancer Congress 2017.

Diabetes ist eine Erkrankung, welche viele Menschen in Deutschland und auf der ganzen Welt betrifft. Mediziner warnten jetzt davor, dass es eine Verbindung zwischen Bauchspeicheldrüsenkrebs und Typ-2-Diabetes zu geben scheint. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Eine plötzliche Verschlechterung von Diabetes erhöht das Krebsrisiko massiv
Eine aktuelle Studie von fast einer Millionen Patienten in Italien und Belgien stellte eine Verbindung zwischen Typ-2-Diabetes und der Entstehung von Krebs fest. 50 Prozent der Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs hatten im Vorjahr eine Diagnose über Typ-2-Diabetes erhalten, erläutern die Autoren. Wenn Patienten bereits Typ-2-Diabetes hatten, war eine Verschlechterung der Erkrankung mit einem siebenfach erhöhten Risiko für die Diagnose von Krebs verbunden.

Typ-2-Diabetes-Diagnosen sind in den letzten fünf Jahren um 30 Prozent angestiegen
Die menschliche Bauchspeicheldrüse produziert Insulin. Typ-2-Diabetes wird verursacht, wenn der Körper das Hormon nicht richtig verwenden kann und eine sogenannte Insulin-Resistenz entsteht, sagen die Experten. Diabetes ist eine sehr häufig auftretende Erkrankung. Alleine in Großbritannien gibt es 3,5 Millionen Fälle von Diabetes. Auch in Deutschland wird Typ-2-Diabetes immer häufiger, die Typ-2-Diabetes-Diagnosen sind in den letzten fünf Jahren um 30 Prozent gestiegen. Bauchspeicheldrüsenkrebs ist dagegen relativ selten. In Großbritannien gibt es beispielsweise etwa 10.000 Diagnosen jährlich.

Sich schnell verschlechternde Diabetes-Erkrankungen sollten unbedingt untersucht werden
Ärzte und Diabetiker sollten wissen, dass das Auftreten von Diabetes oder einer sich schnell verschlechternde Diabetes-Erkrankung, das erste Anzeichen für versteckten Bauchspeicheldrüsenkrebs sein können, erläutert Autorin Alice Koechlin vom International Prevention Research Institute. Solche Situationen sollten unbedingt genauer untersucht werden. Typ-2-Diabetes scheint sich auch auf andere Arten von Krebs auszuwirken. Andere Untersuchungen zum Thema Typ-2-Diabetes ergaben bereits: Adipositas und Typ-2 Diabetes erhöhen das Risiko von Leberkrebs.

Weitere Forschung ist nötig
Weitere Forschung ist nun dringend notwendig, um frühere Erkennungsmethoden für Bauchspeicheldrüsenkrebs zu entwickeln. So könnten Menschen mit einem erhöhten Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs, wie beispielsweise an Diabetes erkrankte Personen, ein Screening durchführen. Es wird noch viel Arbeit benötigt, um Erkrankungen von Bauchspeicheldrüsenkrebs zu identifizieren, bevor die offensichtlichen Symptome auftreten, fügt Koechlin hinzu.

Es wird dringend eine nicht-invasive Diagnose bei Bauchspeicheldrüsenkrebs benötigt
Es gibt derzeit keine gute, nicht-invasive Methode zum Nachweis von Bauchspeicheldrüsenkrebs, welche auf noch nicht sichtbare Anzeichen oder Symptome reagiert, erläutern die Wissenschaftler. Die aktuellen Ergebnisse helfen hoffentlich bei der Suche nach Blutmarkern, welche auf das Vorhandensein von Bauspeicheldrüsenkrebs schließen lassen. Anschließend könnten Betroffene sich entscheiden, eine Endoskopie zur Bestätigung der Krebserkrankung durchzuführen, fügen die Mediziner hinzu.

Ärzte und Patienten sollten sich des Risikos bewusst sein
Die Assoziation zwischen Bauchspeicheldrüsenkrebs und Typ-2-Diabetes ist für Forscher seit mehreren Jahren ein interessantes Gebiet. Es ist großartig zu sehen, dass die aktuellen Studien neue und potenziell sehr wertvolle Informationen hervorbringen, welche die Ärzte und Patienten auf die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen aufmerksam machen können, erklären die Autoren. (as)