Forschungsbericht: Pflanzliches Eiweiß erheblich gesünder als tierisches

Zwar wird Menschen, die abnehmen wollen zu einer proteinreichen Ernährung geraten, doch Eiweiß ist nicht gleich Eiweiß. Die Aufnahme von tierischen Proteinen geht laut Studien mit einem erhöhten Sterberisiko einher. (Bild: bit24/fotolia.com)
Alfred Domke
Langzeitstudien: Pflanzliche Eiweiße sind wesentlich gesünder als tierische
Menschen die abnehmen wollen, wird oft zu proteinreicher Kost geraten. Schließlich lässt Eiweiß die Pfunde schmelzen. Doch Eiweiß ist nicht gleich Eiweiß: Zwei Langzeitstudien zeigten jetzt, dass ein hoher Anteil an tierischen Proteinen das Sterberisiko erhöht. Wer pflanzliches Eiweiß zu sich nimmt, lebt demnach deutlich gesünder.

Vegetarische Ernährung ist gesund
Fleischfreie Ernährung ist gesund: Erst vor kurzem berichteten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „The Journal of the American Osteopathic Association“ über eine erhöhte Lebenserwartung von Vegetariern. Diese leben fast vier Jahre länger als Fleischkonsumenten. US-amerikanische Forscher haben nun ebenfalls festgestellt, dass pflanzliche Kost gesünder ist. Ihren Angaben zufolge erhöht der Konsum von tierischen Eiweißen das Sterberisiko.

Zwar wird Menschen, die abnehmen wollen zu einer proteinreichen Ernährung geraten, doch Eiweiß ist nicht gleich Eiweiß. Die Aufnahme von tierischen Proteinen geht laut Studien mit einem erhöhten Sterberisiko einher. (Bild: bit24/fotolia.com)
Zwar wird Menschen, die abnehmen wollen zu einer proteinreichen Ernährung geraten, doch Eiweiß ist nicht gleich Eiweiß. Die Aufnahme von tierischen Proteinen geht laut Studien mit einem erhöhten Sterberisiko einher. (Bild: bit24/fotolia.com)

Aufnahme von tierischen Eiweißen erhöht das Sterberisiko
Laut den Wissenschaftlern um Mingyang Song von der Harvard Medical School in Boston (Massachusetts/USA) zeigte sich in zwei Langzeitstudien, dass die Aufnahme von tierischen Proteinen mit einem höheren Sterberisiko verbunden war als die von pflanzlichen Proteinen. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse nun im Fachmagazin „JAMA Internal Medicine“. Song, wissenschaftlicher Mitarbeiter des „Massachusetts General Hospital“ (MGH), erklärte in einer Mitteilung der Klinik: „Während sich frühere Studien in erster Linie auf die Gesamtmenge der Proteinzufuhr konzentriert haben“, haben unsere Ergebnisse auch „Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit“.

Empfehlungen für die Proteinzufuhr
Sie können dabei helfen, „gegenwärtige Empfehlungen für Proteinzufuhr zu verfeinern, vor allem in Anbetracht dessen, dass es nicht nur auf die Menge an Eiweiß, sondern auch auf die spezifischen Nahrungsquellen ankommt, die für die langfristige Gesundheit entscheidend sind.“

Schon frühere Untersuchungen hätten gezeigt, dass es gesund sei, Kohlenhydrate durch Proteine zu ersetzen. In der aktuellen Studie waren die wichtigsten Quellen für tierisches Eiweiß verarbeitetes und unverarbeitetes Rind- und Schweinefleisch, Hühnerfleisch, Milchprodukte, Fisch und Eier. Das pflanzliche Eiweiß stammte vor allem aus Brot, Getreide, Nudeln, Nüssen, Bohnen und Hülsenfrüchten.

Daten aus zwei Langzeitstudien ausgewertet
Um zu ihren Ergebnissen zu gelangen, nutzten die Forscher Daten von zwei Langzeitstudien, in denen die Gesundheit und die Ernährungsgewohnheiten von Berufstätigen im Gesundheitssektor aufgezeichnet wurden. Insgesamt wurden die Datensätze von 85.013 Frauen und 46.329 Männern ausgewertet. Die Daten stammten aus den Jahren 1980 bis 2012.

Alle zwei Jahre mussten die Probanden per Fragebogen über ihren Lebensstil und ihre Gesundheit und alle vier Jahre detailliert über die Lebensmittel, die sie durchschnittlich zu sich nahmen, berichten. Im Untersuchungszeitraum starben 36.115 der Teilnehmer, 8.851 durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 13.159 durch Krebs und 14.105 durch andere Ursachen.

Ausgeprägter Zusammenhang bei Übergewichtigen und Alkoholkonsumenten
Bei der Auswertung stellten die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen der aufgenommenen Menge an tierischem Protein und dem Sterberisiko fest. Den Angaben zufolge war der Zusammenhang bei Übergewichtigen und bei Personen, die viel Alkohol tranken, besonders ausgeprägt. Außerdem berechneten die Experten, wie sich Zu- und Abnahme von tierischen und pflanzlichen Proteinen in der Ernährung auf das Sterberisiko auswirkt. Es zeigte sich – nach Bereinigung der Risikofaktoren aus Lebensstil wie etwa Rauchen, Alkoholkonsum und Übergewicht – dass sich das Sterberisiko um zwei Prozent erhöht, wenn der Anteil an tierischem Protein um zehn Prozent im Verhältnis zur gesamten Kalorienaufnahme zunimmt.

Das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, steigt demnach sogar um acht Prozent. Im Gegensatz dazu sinkt das Sterberisiko um zehn Prozent, wenn drei Prozent mehr pflanzliches Eiweiß in der Nahrung enthalten sind.

Fisch und Huhn sind die bessere Wahl
Noch deutlicher wurde der Zusammenhang, wenn tierische Proteine teilweise durch pflanzliche ersetzt wurden. Vor allem die Nahrungsumstellung von verarbeitetem Rinder- und Schweinefleisch wie Würstchen und Eiern auf pflanzliche Eiweiße lohnte sich. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es die Menschen in Betracht ziehen sollten, mehr pflanzliche Proteine zu essen, und wenn sie unter den Quellen für tierisches Protein auswählen, sind Fisch und Huhn vermutlich die bessere Wahl“, so Song.

„Gesundheitsrisiko beim Fleischverzehr“
Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur APA ist das Studienergebnis für Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke nicht überraschend. Dadurch werde die Forschung mit Langzeitdaten bestätigt, an dem sein Institut beteiligt ist.

„Zwei renommierte Langzeitstudien stellen die Grundlagen dar und die statistische Analyse und Auswertung sind sehr umsichtig vorgenommen worden“, meinte Boeing. „Die Studie zeigt, dass Pflanzen eine sehr gute Eiweißquelle sind und dass zu den ökologischen Problemen der Fleischproduktion auch noch ein Gesundheitsrisiko beim Fleischverzehr hinzukommt.“

Hohe Proteinzufuhr zur Gewichtsreduktion
Zwar hält auch Bernhard Watzl vom Max Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe die zugrunde liegenden Erhebungen für „wissenschaftlich sehr gut gemacht“, es sei aber fraglich, ob die Ergebnisse auf die Allgemeinbevölkerung übertragbar sind, da alle Probanden im medizinischen Umfeld berufstätig seien. „Gegenwärtig empfehlen einige Experten eine hohe Proteinzufuhr, unter anderem als Maßnahme zur Gewichtsreduktion. Allerdings sind die Langzeiteffekte einer solchen Ernährung nicht bekannt.“ Die Studie gebe nun wichtige Hinweise auf gesundheitliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Proteinquellen.

Immer mehr vegetarische Lebensmittel im Angebot
Der Marktanteil fleischloser Nahrungsmittel steigt weiter an: Vegane oder vegetarische Lebensmittel nehmen immer mehr Platz in den Regalen der deutschen Supermärkte ein. „Der Markt boomt und ein Ende ist nicht in Sicht“, heißt es von Seiten des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH). Doch nicht nur Vegetarier und Veganer erwerben die fleischlosen Produkte. „Die eigentlichen Träger des Veggie-Booms in Deutschland“ seien laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) die sogenannten Flexitarier. Schon vor Jahren wurden rund zehn Prozent der Deutschen als Flexitarier eingestuft.

Letzte Generation, die täglich Fleisch auf dem Tisch hat
Der Verzehr von Fleisch ist in den vergangenen Jahren allgemein bei vielen Verbrauchern zurück gegangen. Häufig steht dabei der gesundheitliche Aspekt im Vordergrund. Eine fleischreiche Ernährung führt beispielsweise dazu, dass sich vermehrt Harnsäure im Körper bildet, was langfristig bei manchen Menschen zu Nierensteinen oder Gicht führen kann. Zudem wiesen Studien darauf hin, dass der übermäßige Verzehr von rotem Fleisch die Gefahr an Darmkrebs zu erkranken oder einen Herzinfarkt zu erleiden, steigert.

Mittlerweile entdecken auch immer mehr Wurst- und Fleischwarenproduzenten den Markt für sich und erweitern ihr Produktpaletten um fleischlose Variationen. Der Eigentümer des Wurstherstellers Rügenwalder, Christian Rauffuss, meinte laut APA: „Wir werden wohl die erste und letzte Generation sein, die jeden Tag Fleisch auf dem Teller hat.“ (ad)

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