Gangkonzept: Müssen alte Modelle überdacht werden?

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Gangkonzept: Müssen alte Modelle überdacht werden? Auf dem interdisziplinären Fascia Research Course vom 21.- 26. März an der Akademie für Wissenschaft, Wirtschaft und Technik an der Universität Ulm hat Dr. Adjo Zorn, Rolfing- Therapeut und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fascia Research Projekt der Universität Ulm ein neues Modell zum Gangkonzept beim Menschen vorgestellt.

Dr. Zorn zeigte auf, dass bisherige Ansätze sehr auf anatomische Details und Topographie ausgerichtet waren. In diesen Modellen werden Balance und die Auf- und- Ab- Bewegung des Körpers als Energieverlust- Mechanismen angesehen, die sich addieren. Unser Oberkörper muss auf einer flachen Ebene beim Gehen stetig abwechselnd abbremsen und leicht beschleunigen. Ein funktionelles Modell, sieht die Elastizität und die Beteiligung des Rückens an der Gehbewegung als energiesparende Komponenten, die sich, im Gegensatz zum traditionellen Konzept, subtrahieren.

Der in Kanada auf dem Feld der Biomechanik forschende Professor Serge Gracovetsky, hatte schon am Tag vorher in Ulm mit einer Videopräsentation auf dem Faszien- Kurs Menschen gezeigt, die ohne Beine nur auf den Sitzbeinhöckern gehen konnten. Aufbauend auf diesem Beweis der Einflussnahme des Rückens bei der menschlichen Gangbewegung, konnten die Teilnehmer des fünftägigen Kurses von Dr. Zorn ein Video von einem Hund sehen, der ohne Vorderbeine zur Welt gekommen war. Dieser war gezwungen aufrecht zu gehen, was auch funktionierte. Auch ein Video von einem Windhund, der nur einseitig ein Vorder- und ein Hinterbein zur erfolgreichen Fortbewegung einsetzte, belegte Zorns funktionelle Herangehensweise eindrucksvoll.

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Zorn gab zu bedenken, dass die einzigen beiden Wissenschaftler, die bisher auch die Bindegewebsplatte des Rückens, die sogenannte lumbodorsale Faszie (englisch: Lumbodorsal Fascia; LDF), bei Gangstudien (Gait Analysis) berücksichtigt hatten, die Forscher Serge Gracovetsky und der aus Holland stammende klinische Anatom Dr. Andry Vleeming waren.

Demnach wirkt die lumbodorsale Faszie elastisch und arbeitet mit Muskeln des Gesässes zusammen. Auf diese Weise können Pendelbewegungen zwischen Becken, Beinen und Armen übertragen und initiiert werden. Zur Verdeutlichung nutzte Zorn Videos aus Afrika von sogenannten Swingwalkern. Die Swingwalker haben mit ihrem, Elastic Walking genannten, Geh- Stil eine stark schwingende Beckenbewegung beim Gehen.

Die Hinwendung zu einer funktionellen Sichtweise unter Einbeziehung auf die menschliche Gehbewegung scheint der Realität eher gerecht zu werden. Gerade in Bezug auf die therapeutische Nutzung leisten die Kliniker und Forscher in Ulm mit ihren Faszienforschungen und dem neuartigen Konzept dieses Kurses Pionierarbeit, die dazu dient, das Verständnis von Abläufen im menschlichen Organismus zu stetig zu erweitern. Denn ein möglicher Faktor von Rückenschmerzen könnte die fehlende Benutzung der elastischen Strukturen in unserem unteren Rücken sein. (Thorsten Fischer, Heilpraktiker Osteopathie, 23.03.2010)

Weiterführende Informationen
Videos der „Swingwalker“ von Dr. Adjo Zorn
Was ist Osteopathie
FaszienDistorsionsModell FDM