Gerinnungshemmer schützen vor Schlaganfällen

Heilpraxisnet

Gerinnungshemmer schützen vor Schlaganfällen
Gerinnungshemmende Medikamente zur Vorbeugung von Schlaganfällen. Die Deutsche Herzstiftung rät Patienten im Alter über 75 Jahren, die an Vorhofflimmern leiden, dauerhaft gerinnungshemmende Medikament wie Marcumar oder Falithrom einzunehmen.

Deutsche Herzstiftung rät Risikopatienten zu Gerinnungshemmern
Unter Berufung auf die neuen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologe erklärt die Deutsche Herzstiftung in Frankfurt/Main das Vorhofflimmern, eine der Hauptursachen für Schlaganfälle, durch die Einnahme gerinnungshemmender Medikamente maßgeblich reduziert werden kann. „Jedes Jahr verursacht Vorhofflimmern etwa 30.000 Schlaganfälle“, erklärte Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung gegenüber dem „Deutschen Ärzteblatt“, wobei etwa die Hälfte davon bei Patienten im Alter über 75 Jahren auftrete. „Diese Patientengruppe mit dem höchsten Risiko für Embolien und Schlaganfälle, bei der zudem der größte Nutzen durch die Gerinnungshemmung zu erzielen ist, erhält jedoch gegenwärtig noch selten den Gerinnungshemmer Marcumar“, betonte Meinertz.

Schlaganfall-Risiko versus Blutungsrisiko
Die Deutsche Herzstiftung weist explizit darauf hin, dass das Risiko für Schlaganfälle und andere Gefäßverschlüsse und die richtige Wahl der gerinnungshemmenden Behandlung vom Lebensalter der Patienten und den Begleiterkrankungen abhängig ist. So seien Patienten im Alter unter 65 Jahren, die keine Herz- oder Gefäßerkrankung aufweisen, nicht auf gerinnungshemmende Präparate angewiesen, da ihr Schlaganfall-Risiko ohnehin sehr gering ist. Bei älteren Patienten mit mittlerem Risiko sollte jedoch ein Kardiologe hinzugezogen werden, der sowohl das Schlaganfall-Risiko und die Risiken durch die Einnahme gerinnungshemmender Medikamente im Blick hat. „Dabei ist immer das Risiko für einen Schlaganfall gegen das Blutungsrisiko abzuwägen“, erläuterte Meinertz.

Mehr zum Thema:

Puls messen zur Einschätzung des Risikos
Menschen im Alter über 65 Jahren können dabei selber ermitteln, welcher Risikogruppe sie zuzuordnen sind indem sie regelmäßig ihren Puls selber messen. Dafür sollten sich die Betroffenen zunächst fünf Minuten ruhig hinsetzen und anschließend mit Zeige- und Mittelfinger den Puls an der Innenseite des Unterarms messen, rät die Deutsche Herzstiftung. So lassen sich Unregelmäßigkeiten der Herzschlages feststellen, die als Anzeichen für ein bislang unbemerktes, beschwerdeloses Vorhofflimmern des Herzens dienen können. Vorhofflimmern lässt das Herz mit bis zu 160 Pulsschlägen pro Minute rasen und ist pro Jahr Ursache für etwa 30.000 Schlaganfälle, so die Deutsche Herzstiftung. Sollte bei der selbstständigen Messung, ein unregelmäßiger oder rasender Puls festgestellt werden, sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursachen zu ermitteln.

Präparate mit Nebenwirkungen
Die vorbeugende Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten, ist jedoch auch bei den Risikopatienten im Alter über 75 Jahren, mit bekannter Vorerkrankung nicht ganz unproblematisch. Denn Präparate wie Marcumar haben teilweise erhebliche Nebenwirkungen. So sind leichtere Blutungen mit Blutergussbildung (Hämatom) eine der häufigsten unerwünschten Wirkungen der Marcumar-Behandlung. Diese sind in den meisten Fällen harmlos, können jedoch ein ernsthaftes gesundheitliches Risiko werden, wenn Patienten aus den ableitenden Harnwegen oder im Magen bluten. Hier reicht es nicht aus die Medikamente abzusetzen, sondern die Ärzte müssen umgehend Gegenmaßnahmen einleiten, um das Leben des Patienten nicht zu gefährden. So sollten sich Risikopatienten trotz der Empfehlung der Deutschen Herzstiftung gut überlegen, ob sie dauerhafte gerinnungshemmenden Medikamente wie Marcumar einnehmen wollen. (fp, 27.10.2010)