Gesundheitsgefahr für Kinder: Mittelohrentzündungen durch Passivrauchen

Alfred Domke

Passivrauchen stellt eine große Gefahr für die Gesundheit von Kindern dar

Raucher, die sich in Anwesenheit ihres Nachwuchses Zigaretten anzünden, gefährden die Gesundheit der Kleinen massiv. Passivrauchen kann bei Kindern unter anderem Mittelohrentzündungen zur Folge haben.


Rauchen gefährdet auch die Mitmenschen

Rauchen schadet nicht nur der eigenen Gesundheit, sondern ist auch für andere gefährlich. Laut älteren internationalen Datenerhebungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) tötet Passivrauchen jährlich 600.000 Menschen. Untersuchungen haben gezeigt, dass durch den passiven Qualm vor allem Herzerkrankungen wie Herzinfarkt, Atemwegserkrankungen wie Asthma und Lungenkrebs begünstigt werden können. Vor allem für Kinder stellt Passivrauchen eine große Gesundheitsgefahr dar.

Passivrauchen stellt vor allem für Ungeborene und Kinder eine große Gesundheitsgefahr dar. Die dann lauernden Mittelohrentzündungen gehören laut Experten noch zu den harmlosen Erkrankungen. (Bild: photo 5000/fotolia.com)

Mittelohrentzündungen durch Qualm der Eltern

Passivrauchen gefährdet Ungeborene sowie Kinder und Jugendliche in großem Maße, warnt Dr. Freerk Prenzel, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig.

„Wenn ein Kleinkind ständig unter Mittelohrentzündungen leidet und seine Sachen riechen nach Rauch, sollten Ärzte und Schwestern, aber auch Tanten und Omas aufmerksam werden“, so der Experte für Kinderpneumologie und Kinderallergologie in einer Mitteilung.

„Denn Mittelohrentzündungen könnten eine Folge davon sein, dass die Eltern rauchen – und das Kind ständig passiv mit.“

Entwicklungsschädigungen die sich im gesamten Leben bemerkbar machen

Obwohl allgemein bekannt ist, dass Rauchen während der Schwangerschaft der Gesundheit des Ungeborenen schadet, greifen Tausende werdender Mütter immer wieder zur Zigarette.

Rauchen Schwangere selbst oder sind sie fortwährendem Tabakkonsum ausgesetzt ist, können beim werdenden Kind Entwicklungsschädigungen entstehen, die sich im gesamten späteren Leben negativ bemerkbar machen.

Diese Schädigungen können im Extremfall sogar zur Früh- oder Fehlgeburt führen.

„Auch plötzlicher Kindstod, Fehlbildungen, eingeschränkte Lungenfunktion, Kreislauferkrankungen, geistige Entwicklungsstörungen und auch Verhaltensstörungen sind mit indirektem Nikotinkonsum assoziiert“, erklärt Dr. Prenzel.

Auf dem Balkon rauchen gefährdet Kinder

Auch wenn das Kind auf der Welt ist und die Eltern rauchen, werden die Gefahren nicht weniger. Die dann lauernden Mittelohrentzündungen gehören laut dem Experten noch zu den harmlosen Erkrankungen.

Denn auch Lungeninfektionen und Asthma, Krebserkrankungen, Stoffwechselstörungen und Veränderungen des Immunsystems sind nicht selten.

„Das tägliche Einwirken von Tabakrauch ist das größte Problem“, so der Leipziger Kinderarzt.

„Und wenn die Eltern sich selbst beruhigen wollen, indem sie sagen, nur draußen auf dem Balkon zu rauchen – da muss ich sagen: Studien zeigen, dass die Stoffe, die beim Rauchen frei werden, sich an den Händen, der Bekleidung und dann auch im Hausstaub nachweisen lassen“, sagt Dr. Prenzel.

„Und auf dem Teppich krabbeln die Kleinen herum. Kein Wunder, dass dann die Abbauprodukte von Nikotin im Urin der Kinder zu finden sind.“

Keine Zigaretten im Auto

Das Rauchen der Eltern im Auto ist aus der Sicht des Arztes eine „erhebliche Gefährdung der eigenen Kinder“. Da spiele es auch keine Rolle, ob die Klimaanlage laufe, ein Fenster offen sei oder nicht.

Schon eine einzige Zigarette habe auf einem Kubikmeter mehr oder weniger abgeschlossenem Raum eine sehr intensive Wirkung.

In manchen Ländern ist daher das Rauchen im Auto verboten, wenn Kinder an Bord sind.

Mit dem Rauchen aufhören

Laut Dr. Prenzel würde die konsequente Umsetzung der WHO Rahmenkonvention zur Eindämmung des Tabakgebrauchs und die Realisierung des vom Medizin-Journal „Lancet“ ausgerufenen Ziels, bis 2040 die Zahl der Raucher unter fünf Prozent der Bevölkerung zu drücken, ein riesiger Schritt auch für die Gesundheit der Kinder sein.

„In Deutschland wurde mit dem Rauchverbot für die meisten Gaststätten, mit der teilweisen Einschränkung von Tabakwerbung und dem Aufdruck von Krankheitsbildern auf Zigarettenschachteln schon einiges bewegt“, so der Mediziner.

„Dennoch erachte ich es als einen grundlegenden Fehler, die Tabakwerbung nicht komplett zu verbieten.“

Er ist sich zugleich sicher, dass das Rauchen nicht nur gebrandmarkt werden muss, sondern Rauchern auch geholfen werden muss, von der Sucht loszukommen.

Beim Rauchen aufgeben können unter anderem Portale wie „rauchfrei-info.de“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mit Information helfen.

„Ich tue mit Nichtrauchen etwas für mich, ich tue mit Nichtrauchen etwas für meine Kinder und ich tue mit Nichtrauchen etwas für meinen Geldbeutel – wenn es gelänge, diese Erkenntnisse in die Hirne der Raucher zu pflanzen, wäre viel gewonnen“, so der Kinderarzt. (ad)