Giftige Raupen ein größeres Gesundheitsrisiko

Fabian Peters

Giftige Raupen der Eichenprozessionsspinner breiten sich aus

23.04.2012

Die Verbreitung der Eichenprozessionsspinner in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitete. Damit einher geht ein erhebliches Gesundheitsrisiko durch die giftigen Brennhaare der Raupen. Das trocken-warme Frühlingswetter bietet für die Vermehrung der Eichenprozessionsspinner ideale Voraussetzungen. Immer häufiger sind auch Erholungs- und Siedlungsbereiche des Menschen betroffen, berichtet das Julius-Kühn-Institut (JKI) und warnt vor den gesundheitlichen Risiken, die von den Larven der Eichenprozessionsspinner ausgehen können.

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Eichenprozessionsspinner Pflanzen- und Gesundheitsschädling
Der milde trockene Frühling bietet laut Aussage des Julius-Kühn-Instituts für die Eichenprozessionsspinner hervorragende Vermehrungsbedingungen, so dass auch dieses Jahr wieder mit besonders vielen Raupen zu rechnen ist. Dies hat dem JKI zufolge sowohl für die Pflanzenwelt als auch für die Menschen negative Auswirkungen. Denn einerseits sind die Raupen der Eichenprozessionsspinner Pflanzenschädlinge, die ganze Baumareale kahl fressen können und anderseits drohen den Menschen bei Kontakt mit den Brennhaaren der Raupe erhebliche gesundheitliche Folgen – die Eichenprozessionsspinner gelten auch als Gesundheitsschädling. Die wachsende Ausbreitung der Tiere wird von den Gesundheitsbehörden daher mit Sorge betrachtet. In insgesamt zehn Bundesländern sind die Eichenprozessionsspinner mittlerweile verbreitet, wobei Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Bayern am stärksten betroffen sind, berichtet das JKI.

Brennhaare der Raupen verursachen allergische Reaktionen
Die feinen Brennhaare der Eichenprozessionsspinner-Larven können bei Hautkontakt oder beim Einatmen schwere allergische Reaktionen auslösen und zu einem erheblichen Gesundheitsrisiko werden. Das humanpathogene Potenzial der Eichenprozessionsspinner beruht auf den sogenannten Brennhaaren, „die ab dem dritten Larvenstadium gebildet werden“, berichtet da JKI. Bis die Raupen das sechste und letzte Larvenstadium erreicht haben, „nimmt die Anzahl und Länge der Brennhaare mit jeder Häutung zu“, so das JKI weiter. Die Brennhaare sind aufgrund des dort enthaltenen Nesselgifts Thaumetopoein eine Gefahr für die menschliche Gesundheit. Ende April und Anfang Mai schlüpfen laut JKI die „Raupen des unscheinbaren grauen Falters“ und durchlaufen bis zur Verpuppung um Juni sechs Larvenstadien. Während dieser Zeit geht von den Eichenprozessionsspinnern ein erhebliches Gesundheitsrisiko aus. In den befallenen Gebieten „müssen gesundheitliche Auswirkungen bei Waldbesuchern befürchtet werden“, so die aktuelle Mitteilung des JKI.

Atembeschwerden, Augenreizungen, Hautirritationen und pseudoallergische Reaktionen
Allerdings bleibt die Gefährdung durch die Brennhaare der Raupen auch nach dem Schlupf der Eichenprozessionsspinner bestehen. In den alten Gespinsten der Larven sind die Brennhaare in hoher Konzentration vorhanden und werden dort lange erhalten, so dass die alten Raupennester eine dauerhafte Gefahrenquelle darstellen. „Die Kontaktgefahr bleibt noch über Jahre in den Befallsgebieten erhalten“, erklärte das JKI. Eigentlich dienen die Brennhaare den Raupen zum Schutz vor natürlichen Feinden. Doch auch beim Menschen können sie heftige gesundheitliche Probleme wie Atembeschwerden, Augenreizungen, Hautirritationen und pseudoallergische Reaktionen auslösen. Neben den Gesundheitsrisiken und der „drastischen Nutzungseinschränkung betroffener Areale, birgt die wärmeliebende und auf Eiche spezialisierte Schmetterlingsart zudem massive Probleme für die Forstwirtschaft“, berichtet das JKI, welches sich als Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Deutschland auch der Überwachung des Pflanzen- und Gesundheitsschädlings verschrieben hat. Oft sind die Raupen für das sogenanntes Nesselfieber verantwortlich.

Klimawandel begünstigt Ausbreitung der Eichenprozessionsspinner
Der Klimawandel leistet nach Ansicht der Experten einen wesentlichen Beitrag zur wachsenden Verbreitung der Eichenprozessionsspinner. Die trockenen warmen Wetterlagen im Frühjahr schaffen ideale Bedingung für die Ausbreitung der gesundheitsgefährdenden Tierchen. So konnten sich die Eichenprozessionsspinner in den vergangenen Jahren deutschlandweit erheblich vermehren und sind dabei immer weiter nach Norden vorgedrungen. Zuletzt haben die Eichenprozessionsspinner auch in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern erreicht. Die Experten suchen daher nach Strategien, die eine wirksame Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner ermöglicht, ohne die Gesundheit der Bevölkerung oder die Pflanzen zusätzlich zu schädigen. Anfang März hatten sich daher Vertreter der zuständigen Institutionen (zum Beispiel JKI, Bundeslandwirtschaftsministerium, Bundesinstitut für Risikobewertung ,Umweltbundesamt, Vertreter forstlicher Versuchsanstalten, amtlicher Pflanzenschutzdienste und Gesundheitsämter) zu einem Fachgespräch mit dem Thema „Prozessionsspinner: Fakten, Folgen, Strategien“ in Berlin getroffen und dort über mögliche Ansätze zur Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner beraten.

Kontakt mit den Raupen und Gespinsten vermeiden
Um gesundheitliche Risiken durch die Brennhaare der Eichenprozessionsspinner zu vermeiden, sollte der Kontakt mit den Tieren und insbesondere mit den Nestern dringend gemieden werden. Allerdings können die feinen Härchen auch über die Luft transportiert werden, so dass unter Umständen schon die Nähe zu einem Nest ausreicht, um die gesundheitlichen Beschwerden hervorzurufen. Spätestens nach dem Schlüpfen der Larven sollten die Gespinste von einem Fachmann entfernt werden, um langfristige Gefährdungen der Gesundheit zu vermeiden. (fp)

Eichenprozessionsspinner eine Gesundheitsgefahr
Raupen verursachen Großalarm
Ausbreitung giftiger Raupen ein Gesundheitsrisiko

Bild: Raupendermatitis (Lepidopterismus) durch Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) Foto: Daniel Ullrich.