Historisches Leiden: Forscher entdecken 350 Jahre alte Syphilis Bakterien

Volker Blasek

Bislang ältestes Syphilis Bakterium entdeckt

Was lange nicht für möglich gehalten wurde, ist einem internationalem Forscherteam mit Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte nun gelungen. Wissenschaftler konnten drei Genome des Syphilis Bakteriums Treponema pallidum aus alten menschlichen Überresten der mexikanischen Kolonialzeit bergen. Die Überreste sind rund 350 Jahre alt. Die Forscher erhoffen sich, aus den Proben neue Erkenntnisse über die bislang nicht gut erforschte Syphilis zu gewinnen, eine Erkrankung, die weltweit immer noch für Millionen Neuinfektionen pro Jahr sorgt.


Forscher des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena, der Universität Tübingen, der National School of Anthropology and History in Mexiko-Stadt sowie der Universität Zürich bildeten das Team für die Studie. Bei dem Fund handelt es sich um drei Proben des Treponema pallidum Bakteriums, das in den Untersuchungen in zwei Unterarten aufgeteilt werden konnte. Die eine Unterart (ssp. Pallidum) löst Syphilis aus, während die andere Unterart (ssp. Pertenue) die Tropenkrankheit Frambösie auslöst. Diese beiden Erkrankungen anhand von Knochenfunden voneinander zu unterschieden, war bislang nicht möglich. Die Studienergebnisse wurden kürzlich in dem Fachjournal „PLOS Neglected Tropical Diseases“ publiziert.

Das längliche Bakterium Treponema pallidum kann je nach Unterart entweder Syphilis oder Frambösie auslösen. (Bild: Tatiana Shepeleva/fotolia.com)

Syphilis- ein alter Bekannter der Menschheit

Laut den Forschern breitet sich die sexuelle Krankheit Syphilis derzeit wieder stärker aus. Das vielfach unerkannte Leiden zeigt sich erst mehrere Wochen nach der Infektion durch Geschwüre an den Stellen, wo die Bakterien eingedrungen sind, also beispielsweise an Mund oder Genitalien. Nachdem die Geschwüre abgeheilt sind, kommt es häufig zu einem zweiten Krankheitsausbruch. Dabei treten dann juckende Hautausschläge und Fieber auf. Wenn das Bakterium weiter im Körper verbleibt, droht die sogenannte Neurosyphilis mit schweren Gewebeschäden im Gehirn und im Rückenmark.

Frambösie – die Himbeerseuche

Die Tropenkrankheit Frambösie wird von einer Untergattung des Syphilis-Erregers ausgelöst und ist bereits über Hautkontakt und Tröpfcheninfektion ansteckend. Der Name leitet sich von dem französischen Wort für Himbeere (Framboise) ab, da sich infolge einer Infektion rötliche Papeln bilden, die an Himbeeren erinnern. Die Krankheit kommt in erster Linie nur in feuchttropischen Länder Südostasiens, Afrikas und Lateinamerikas vor. Unbehandelt können die Erreger Jahrzehnte lang im Körper überleben und schwere Schäden sowie Entzündungen an Knochen und Gelenken verursachen.

Syphilis plagt die Menschheit immer wieder mit Epidemien

„Trotz ihrer historischen Bedeutung sind der Ursprung und die Evolution der Syphilis sowie verwandter Krankheiten nicht gut erforscht“, schreiben die Forscher in einer Pressemitteilung zu der Studie. Bei der Syphilis-Pandemie im Europa des späten 15. Jahrhunderts sei bis heute unbekannt, ob der Ursprung in der Neuen oder der Alten Welt lag. Mit Syphilis verwandte Krankheiten wie Frambösie hinterlassen ähnliche Spuren an den Knochen und können deshalb ohne das dazugehörige Bakterium nicht eindeutig identifiziert werden.

Über die Funde

Die Überreste, aus denen erstmals historische Syphilis-Bakterien geborgen werden konnten, stammten von drei Individuen, die im früheren Kloster Santa Isabel entdeckt wurden und vor circa 350 Jahren begraben wurden. Die historische Stätte wurde von 1681 bis 1861 von Nonnen des Franziskanerordens genutzt.

Frambösie und Syphilis – bislang historisch nicht zu unterscheiden

Die Unterschiede zwischen Frambösie und Syphilis bei historischen Funden ließen sich bislang anhand äußerer Merkmale kaum unterscheiden. „Unsere Arbeit belegt den Wert einer molekularen Identifikation der alten Krankheitserreger“, berichtet die Erstautorin der Studie Professorin Verena Schünemann von der Universität Zürich. Vor allem gelte dies bei den mit der Syphilis verwandten Krankheiten, die zu ähnlichen Knochenveränderungen führen.

Evolutionsgeschichte neu beleuchtet

Mit der Forschung wollen die Wissenschaftler neues Licht auf die Evolutionsgeschichte der Krankheit werfen. Während einige Wissenschaftler die Hypothese aufstellen, dass Syphilis eine Krankheit der Neuen Welt sei, die in der Kolonialzeit nach Europa eingeschleppt wurde, gehen andere davon aus, dass die Krankheit schon vor der Pandemie im späten 15. Jahrhundert in der europäischen Bevölkerung weit verbreitet war. Eine abschließende Klärung ist nur durch weitere Proben aus aller Welt möglich.

„Weitere Untersuchungen von zusätzlichen alten Proben aus aller Welt werden unser Verständnis der Krankheit weiter verfeinern“, resümiert der Mitautor Professor Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte zuversichtlich. (vb)