Hormonähnliche Weichmacher im Essen

Sebastian

Studie ermittelt Weichmacher-Belastung der Deutschen über die Nahrung

08.05.2013

Eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) hat ermittelt, wie viele Weichmacher Stoffe die Menschen in Deutschland durch die Nahrung zu sich nehmen. Im Resultat zeigte sich, dass die Belastungen mit dem Weichmacher DEHP zwar „im tolerierbaren Bereich“ liegen würde, dennoch aber eine Dauerbelastung besteht. Zudem wurde bei einem Prozent der untersuchten Lebensmittel der Grenzwert überschritten.

Viele Weichmacher in Fertiggerichten und Soßen
Besonders viele Weichmacher lassen sich in fetthaltigen Soßen und Fertiggerichten finden. Diese enthielten bei den Analysen hohe Konzentrationen an DEHP. DEHP ist die Abkürzung für Di(2-ethylhexyl)phthalat. Diese Substanz hält beispielsweise Kunststoffe wie PVC weich und geschmeidig. Der Stoff wurde vor kurzer Zeit von der Europäischen Union neben Bisphenol A als „reproduktionstoxisch“ eingestuft. Zahlreiche Studien hatten ermittelt, dass Weichmacher hormonähnlich wirken und somit die Fortpflanzung stören. Auch können bereits Schädigungen im Mutterleib ausgelöst werden. Seit dem dürfen keine Weichmacher-Stoffe in Schnullern, Kinderartikeln oder Kosmetika eingesetzt werden. Messungen im Rahmen des vom Umweltbundesamt von 2003 bis 2006 durchgeführten Kinder-Umwelt-Surveys hatten allerdings bei etwa 1,5 Prozent aller Kinder in Deutschland auf eine erhöhte Aufnahme von DEHP hingewiesen – über welchen Weg sie den Weichmacher aufgenommen hatten, blieb aber unklar.

Ziel der Studie war es, die Menge zu messen, die die Menschen in Deutschland an Weichmachern aufnehmen und sogenannte Aufnahmepfade zu bestimmen. Hierfür sammelten die Wissenschaftler die Daten der letzten 20 Jahre zur Ernährung der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland. Zusätzlich wurden die unterschiedlichen Aufnahmepfade der über 37 Lebensmittelgruppen, Spielzeuge und Produkte wie Kunststoffe in Schuhe, Kosmetika, Hausstaub, Auto-Innenluft und Textilien berücksichtigt.

Kinder: Weichmacher durch die Nahrung und Spielzeug
Im Resultat zeigte sich, dass die höchste Menge an Weichmacher über Nahrungsmittel aufgenommen werden. „Derzeit sind es durchschnittlich 13 bis 21 Mikrogramm DEHP pro Kilogramm Körpergewicht“, das Risikoinstitut. „Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für diesen Weichmacher eine tägliche Menge von maximal 50 Mikrogramm/kg Körpergewicht festgelegt, die ein Leben lang ohne Gesundheitsschäden aufgenommen werden kann (Tolerable Daily Intake, TDI)“. Bei den meisten deutschen Verbrauchern liegt die Aufnahme der hormonähnlichen Stoffe unter dem EU-Grenzwert. Bei etwa einem Prozent der Deutschen würde die Toleranz jedoch überschritten, weil diese übermäßig viel Lebensmittel verzehren, die einen hohen Anteil von Weichmachern haben.

Die Weichmacher-Aufnahme bei Kindern erfolgt in etwa 50 Prozent über den Nahrungsverzehr. Weitere Quellen sind Staub und Spielzeuge. Das trifft vor allem auf Kinder zu, die sich besonders viel auf dem Boden aufhalten. Sie nehmen dadurch viel mehr Chemikalien auf, als andere. In der vorliegenden Studie lag die „mittlere Gesamtexposition für Kinder bei 15-44 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht und Tag.“

Aufnahme durch frische Lebensmittel minimieren
Alle Lebensmittel wie Fleisch, Käse, Milch, Gemüse, Brot oder Obst können mit den Chemikalien kontaminiert sein. Besonders hoch war aber während der Studie die Belastung in fetthaltigen Soßen wie Mayonnaise und öligen Fertiggerichten wie Gemüse und Fleisch aus Gläsern. Auch Konserven enthielten meist deutliche höhere Weichmacher-Werte. Die Kontaminierungen entstehen durch die Verpackungen und Verarbeitungen. Zwar wurde DEHP in Verpackungen mit fetthaltigen Lebensmitteln seitens der EU verboten, allerdings ist der Stoff noch immer in importierten Produkten zu finden. Auch sei die Umwelt noch immer sehr belastet, so dass die Stoffe auch in den Lebensmitteln auftauchen.

Die Aufnahme von Weichmachern kann minimiert werden. So ist es beispielsweise sinnvoll, eher zu frischen Speisen zu greifen, deren Verpackung auch nicht aus Plastik besteht. Darüberhinaus sollten typische Fertigspeisen gemieden werden. „Produktmarken sollten öfter gewechselt werden. Denn gleiche Lebensmittel können je nach Herkunft unterschiedliche Mengen an DEHP enthalten. Außerdem empfiehlt es sich, Böden und Teppichböden häufiger zu reinigen“, so das Bundesinstitut.

Eltern von Kleinkindern empfehlen die Risikobewerter, Dinge nur in den Mund nehmen zu lassen, die dafür eigens bestimmt sind. Zwar wurde die weichmachende Substanz im Jahre 1999 für Kinderspielzeug verboten, allerdings findet sie sich immer wieder in Kinderartikeln. Auch ältere Spielwaren enthalten häufig Weichmacher. (sb)