Interview: Ab wann sollte man zum Urologen?

Sebastian

Was macht eigentlich ein Urologe: 5 Fragen an Dr. Reinhold Schaefer

Dass sie die Experten für Männergesundheit sind, weiß jeder. Aber Urologen sind auch die Fachärzte für die harnbildenden und harnableitenden Organe, wie Niere, Harnblase, Harnleiter und Harnröhre. Damit sind sie automatisch auch Ansprechpartner für Frauen, selbst wenn das erst einmal komisch klingt. Doch was genau macht eigentlich ein Urologe? Dr. Reinhold Schaefer von der Uro-GmbH Nordrhein, einem Zusammenschluss niedergelassener Urologen in NRW, beantwortet die fünf wichtigsten Fragen:

Was sind die häufigsten Erkrankungen, die ein Urologe behandelt?

„Die häufigsten Diagnosen bei Urologen sind Erkrankungen der Prostata und Krebserkrankungen des urologischen Fachgebietes, also von Niere, Blase, Prostata, Hoden und Penis. Aber auch Probleme beim Wasserlassen, Steinleiden, Infektionen, Erektionsprobleme, Fruchtbarkeit und Hormonstörungen zählen zu den häufigsten Krankheitsbildern. Nicht zuletzt sind Urologen Experten für Harninkontinenz.“

Inkontinenz ist eine mögliche Ursache für vermehrtes Wasserlassen. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Welche Untersuchungsmethoden wenden Sie vorwiegend an?

„Harnuntersuchungen stellen seit jeher eine unverzichtbare Methode in der medizinischen und besonders urologischen Diagnostik dar, um Krankheiten nachzuweisen oder deren Verlauf zu beobachten. Bluttests und auch Urintests geben Hinweise auf Nierenfunktionsstörungen, bakterielle Entzündungen, Hinweise auf Krebserkrankungen und spielen für die Diagnose eine wichtige Rolle. Harnstrahlmessungen, Ultraschalluntersuchungen sowie Röntgenuntersuchungen der ableitenden Harnwege sind weitere wichtige Bestandteile der urologischen Diagnostik. Eine Blasenspiegelung kann direkte Hinweise auf eine Erkrankung der Harnblase geben“

Welche Behandlungsmöglichkeiten sind für einen Urologen wichtig?

„Grundsätzlich reichen die Behandlungsmöglichkeiten eines Urologen von praktischen Tipps in Gesprächen über Gabe von Medikamenten, auch als Infusionen, bis hin zu ambulant durchgeführten Operationen. So reicht bei einer gutartigen Prostatavergrößerung manchmal schon ein Tipp zum richtigen Fahrradsattel aus. Je nach Art der Erkrankung und Schwere der Symptome kommen medikamentöse oder operative Therapien zum Einsatz. Viele Operationen führen Urologen heute ambulant durch wie Eingriffe zur Behandlung von Leistenbrüchen, Sterilisationen, Hodenbiopsien oder Operationen von Wasser- und Hodenbrüchen. Auch umfassende Hormonbehandlungen bei Erektionsstörungen sowie Strahlentherapie oder eine neuartige Immunstimulation bei Krebs sind urologische Behandlungsoptionen. Alternative Therapien kommen in urologischen Praxen eher selten zum Einsatz. Es gibt allerdings Praxen, die beispielsweise Akupunktur zur Schmerzlinderung anbieten. In allen Fällen stellt das Gespräch zwischen Arzt und Patient über Symptome und Wünsche des Patienten sowie über Verlauf und Grad der Krankheit den Wegbereiter für Therapie und Heilung dar.“

Welche individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) sind sinnvoll?

„Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart beim Mann. Sinnvollste IGeL-Leistung ist demnach der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs. Außerdem rate ich – übrigens auch bei Frauen – zu regelmäßigen Früherkennungsmaßnahmen von Blasenkrebs und Nierenkrebs.“

Wo enden Ihre Behandlungsmöglichkeiten in der Praxis, und wann weisen Sie einen Patienten in ein Krankenhaus ein?

„Einweisungen ins Krankenhaus werden notwendig, wenn ambulant durchführbare Operationen nicht mehr möglich sind. Akute urologische Notfälle wie beispielsweise Verletzungen der Niere, Blase oder Harnröhre und ein Hodentumor erfordern ebenfalls einen Krankenhausaufenthalt.“ (sb, pm)