Krebsbehandlung: Revolutionäre neue Prostatakrebs-Therapie ohne Operation

Alexander Stindt
Laserstrahlen und eine lichtempfindliches Medikament helfen gegen Prostatakrebs
Forscher fanden heraus, dass eine neue Behandlungsmethode Prostata-Krebszellen effektiv abtöten kann. Das gesunde Gewebe bleibt aber trotzdem erhalten. Die Behandlung kommt dabei komplett ohne einen chirurgischen Eingriff aus.

Die Wissenschaftler des University College London Hospitals (UCHL) stellten bei einer Untersuchung fest, dass eine sogenannte vaskulär-zielgerichtete photodynamische Therapie (VTP) die Prostata-Krebszellen abtötet, ohne dafür einen chirurgischen Eingriff zu benötigen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „The Lancet Oncology“.

Prostatakrebs bedroht das Leben vieler Männer weltweit. Mediziner entdeckten jetzt eine neue Art der Behandlung für diese tödliche Bedrohung. Mit der Hilfe eines lichtempfindlichen Medikaments und eines Lasers konnten gute Ergebnisse bei der Behandlung erzielt werden. (Bild: royaltystockphoto/fotolia.com)

Kombinierte Behandlung mit Laserstrahlen und Medikament führt zu Erfolgen
Die aktuelle klinische Studie hat ergeben, dass die Behandlung mit einem lichtempfindlichen Medikament, welches in den Blutkreislauf injiziert wird, dazu verwendet werden kann mit der Hilfe eines Lasers das Tumorgewebe in der Prostata auszurotten, erklären die Autoren. Das Medikament mit der Bezeichnung WST11 stamme aus Bakterien aus den untereren Regionen des Ozeans. Die Bakterien können Licht sehr effizient in Energie umwandeln. Dieses Merkmal wurde genutzt, um WST11 zu entwickeln. Das Medikament ist in der Lage, durch eine Freisetzung von freien Radikalen vorhandene Krebszellen abzutöten, wenn es durch das Licht eines Lasers aktiviert wird, sagen die Wissenschaftler.

Ergebnis ein riesiger Erfolg
Bei 49 Prozent der Patienten mit einer VTP-Behandlung trat eine komplette Remission ein. Bei der Kontrollgruppe lag der Wert zum Vergleich bei nur 13,5 Prozent, erklären die Forscher. Dieses Ergebnis sei wirklich ein riesiger Erfolg für die Behandlung von Prostata-Krebs. Alleine in Großbritannien sterben knapp 11.000 Männer jährlich an dieser Erkrankung. Bei 130 Männern wird dort täglich Prostatakrebs diagnostiziert.

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Entfernung oder Bestrahlung führt häufig zu Erektionsstörungen und Inkontinenz
Nur sechs Prozent aller Patienten in der Studie benötigten eine radikale Therapie. 30 Prozent der Patienten wurden normalerweise einer sogenannten aktiven Überwachung unterzogen. Die radikale Therapie wird nur bei Krebspatienten mit hohem Risiko eingesetzt und beinhaltet die Entfernung oder Bestrahlung der gesamten Prostata, erläutern die Forscher. Dies könne aber zu erheblichen Nebenwirkungen führen. Zu diesen gehören beispielsweise lebenslange Erektionsstörungen und Inkontinenz.

Nebenwirkungen der VTP-Behandlung sind nur kurzfristig
Die VTP-Behandlung führte auch zu kurzfristigen Problemen mit den Harnwegen und zu erektilen Problemen. Diese konnten aber innerhalb von drei Monaten beigelegt werden. Nach zwei Jahren waren keine signifikanten Nebenwirkungen mehr vorhanden, erläutern die Forscher.

VTP-Behandlung zeigt gute Ergebnisse
Im Jahr 1975 wurde fast jeder Fall von Brustkrebs noch mit einer radikalen Mastektomie behandelt. Seit dieser Zeit haben sich die Behandlungsmethoden erheblich verbessert. Aus diesem Grund wird die gesamte Brust in der heutigen Zeit nur noch selten entfernt, sagen die Autoren. Bei der Behandlung von Prostatakrebs entfernen oder bestrahlen die Mediziner immer noch häufig die gesamte Prostata. Der Erfolg der neuen Behandlungsmethode ist daher eine sehr erfreuliche Nachricht. Bei den Patienten, die mit VTP behandelt wurden, lag zudem die Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs gefährlicher wurde, dreimal niedriger, sagen die Wissenschaftler.

Neue Art der Behandlung ist effektiv und sicher
Die Studie fand an 47 Standorten in zehn europäischen Ländern statt. Die Tatsache, dass die Behandlung so erfolgreich von nicht-spezialisierten Zentren in verschiedenen Gesundheitssystemen durchgeführt wurde, ist wirklich bemerkenswert, erläutert Autor Professor Mark Emberton. Neue Verfahren seien in der Regel mit einer Lernkurve verbunden, aber der Mangel an Komplikationen in der Studie deute darauf hin, dass diese Art der Behandlung sicher, effektiv und relativ einfach zu skalieren ist. Technologische Fortschritte könnten in Zukunft dazu beitragen, dass die Wirksamkeit der Behandlung noch weiter verstärkt wird, fügt Professor Emberton hinzu.

Behandlung sollte zu einer signifikant erhöhten Remissionsrate führen
Prostatakrebs kann mit der Hilfe von MRT-Scans und gezielten Biopsien erfolgreich erkannt werden. Dies ist ein zielgerichteter Ansatz zur Diagnose und Behandlung. „Dadurch können wir genauer die Männer identifizieren, welche vom Einsatz von VTP profitieren“, erklären die Autoren. Mit diesem Ansatz sollten behandelnde Ärzte ihrer Ansicht nach künftig dazu in der Lage sein, eine signifikant erhöhte Remissionsrate zu erreichen. (as)