Künstliches Koma zum Schutz des Körpers

Fabian Peters

Künstliches Koma als lebensrettende Maßnahme

31.12.2013

Ein natürliches Koma (langanhaltende Bewusstlosigkeit) kann als Folge schwerer Schädelverletzungen sowie verschiedener Erkrankungen des Gehirns, bestimmter Stoffwechselstörungen und Vergiftungen auftreten. Die Betroffenen lassen sich nicht aufwecken und verbleiben zum Teil über Monate oder gar Jahre in diesem Zustand der Bewusstlosigkeit. Das Koma erfüllt dabei wahrscheinliche eine Schutzfunktion, insbesondere in Situationen, bei denen Schmerzen auftreten, die der Mensch normalerweise nicht aushalten könnte, so der bisheriger medizinische Erkenntnisstand. Allerdings bleibt bislang unklar, wann genau Patienten ins Koma fallen beziehungsweise welche Prozesse diesem zu Grunde liegen.

In der Medizin wird das künstliche Koma genutzt, um Patienten nach schweren Verletzungen oder bei umfassenden Operationen die Schmerzen zu nehmen und die Behandlung zu erleichtern. Tatsächlich ist hier der Begriff Koma jedoch eher irreführend, da die Betroffenen lediglich eine langanhaltende Vollnarkose erhalten, theoretisch jedoch jederzeit wieder aus dem künstlichen Koma geholt werden könnten. Beim echten Koma besteht diese Möglichkeit indes nicht. Hier erwachen die Patienten in der Regel erst, wenn sich ihr Zustand deutlich gebessert hat. Auch wenn Laien keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Formen der komatösen Bewusstlosigkeit feststellen können, unterscheiden Mediziner hier verschiedene Schweregrade. Diese werden anhand der Reaktion auf Schmerzreize, der Pupillen- beziehungsweise Augenbewegung und bestimmter Reflexe untergliedert.

Hirntrauma häufig Ursache für Koma
Mögliche Ursachen für ein Koma sind insbesondere Verletzungen und Erkrankungen des Gehirns. Viele Patienten mit schwere Schädel-Hirn-Traumata (möglicherweise begleitet von Hirnblutungen) fallen vorübergehend ins Koma. Aber auch eine Entzündung im Gehirn ( Enzephalitis) oder der Hirnhäute (Meningitis), ein Schlaganfall, Herzinfarkt oder ein Hirntumor können Auslöser des Komas sein. Hinzu kommen Stoffwechselstörungen wie eine extreme Entgleisung des Blutzuckerspiegels (deutlich zu niedriger oder zu hoher Blutzucker) und Intoxikationen (Vergiftungen). Lassen sich die Ursachen des Komas auf therapeutischem Wege beheben, erlangen die Betroffenen in der Regel auch ihr Bewusstsein zurück, allerdings sind unter Umständen Folgeschäden und entsprechende Ausfallerscheinungen zu beobachten.

Künstliches Koma dient der Behandlung
Beim künstlichen Koma wird das Schmerzempfinden und Bewusstsein auf medikamentösem Wege ausgeschaltet, um die Behandlung zu erleichtern und den Körper zu entlasten. Es erfolgt eine künstliche Beatmung und intensive Überwachung der Körperfunktionen. Die Betroffenen werden über eine Magensonde oder mittels Infusionslösungen ernährt. Durch das künstliche Koma wird das Gehirn geschont und die hohe Dosierung von Schmerz- und Schlafmitteln kann zu einer Regulierung der gestörten Druckverhältnisse im Gehirn beitragen, erläuterte Manfred Westphal vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“ die Vorzüge eines solchen Vorgehens. „Wenn es Blutungen oder Schwellungen gibt, die auf das Hirn drücken, muss das Hirn entlastet werden. Das kann durch abschwellende Medikamente erfolgen und durch das künstliche Koma“, betonte der Mediziner. Auch werde die Körpertemperatur der Patienten mitunter auf 32 bis 35 Grad gesenkt, um den Stoffwechsel des Körpers zu verlangsamen und den Sauerstoffverbrauch zu reduzieren, da dies ebenfalls zur Entlastung des Gehirns beitrage.

Entlastung des Gehirns bei Verletzungen
Das künstliche Koma hat laut Aussage des Experten zudem den Vorteil, dass der Kreislauf der Patienten sich stabilisiert. Denn bei schweren Hirn-Verletzungen führe der hohe Adrenalinausstoß zu einer zusätzlichen Belastung. Der Organismus zeigt eine klassische Stressreaktion (beschleunigte Herzfrequenz, erhöhter Blutdruck etc.), die sich ungünstig auf den Zustand der Patienten auswirken kann. Daher werden die Betroffenen so lange im künstlichen Koma gehalten, bis mögliche Ödeme und Blutungen im Gehirn abgeklungen und unter medizinischen Gesichtspunkten keine Nachteile beim Aufwachen mehr zu erwarten sind. Ist der Zeitpunkt gekommen, werden die Narkosemittel zurückgefahren und die Betroffenen kommen wieder zu Bewusstsein. (fp)

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