Schlaganfall

Blutgerinsel
Susanne Waschke

Andere Bezeichnungen für einen Schlaganfall sind Apoplex, Hirninfarkt, Gehirnschlag oder zerebraler Insult. Ein Schlaganfall bezeichnet akute Durchblutungsstörungen mit nachfolgenden neurologischen Ausfällen, wie zum Beispiel Lähmungen, Sprachstörungen, Bewusstseinseintrübungen, die meist auf dem Boden arteriosklerotischer Veränderungen entstanden sind. Diese Erkrankung stellt ein plötzlich auftretendes, lebensbedrohliches Ereignis dar, das die Hauptursache für meist lebenslange Invalidität bildet. Bei Verdacht sollte unbedingt äußerst schnell reagiert und der Notarzt verständigt werden. Je früher Betroffene ausreichend medizinisch versorgt werden, um so besser sind die Aussichten auf Genesung. Wichtig ist auch zu wissen, dass die Symptome bei Mann und Frau unterschiedlich sein können. Männer sind allgemein häufiger betroffen. Frauen, die einen Apoplex erleiden, sind in der Regel bereits älter und demnach ist ein letaler Ausgang häufiger der Fall.

Meist sind Personen betroffen, die älter als sechzig Jahre sind. Jedoch kann diese lebensbedrohliche Erkrankung auch Jüngere, sogar Kinder und Neugeborene treffen.

Wie ein Schlaganfall entsteht

In den meisten Fällen liegt eine Ischämie (verminderte Blutversorgung) des Gehirns zugrunde, wodurch im Anschluss daran das schlecht versorgte Gewebe zu Grunde geht und verminderte oder gar keine Leistung mehr erbringen kann.

Ursachen

Die Hauptursache, in circa fünfundachtzig Prozent, ist ein verlegtes Gefäß, wodurch eine Minderdurchblutung entsteht und das nachfolgende Gewebe nicht mehr richtig versorgt werden kann. Dieser Bereich stirbt ab und kann seinen Aufgaben nicht mehr nachkommen. Der Grund für eine Verlegung ist meist eine zugrunde liegende Arteriosklerose (Arterienverkalkung), was bedeutet, dass sich in den Gefäßen Ablagerungen aus Fett, Bindegewebe, Thromben und Kalk befinden. Diese konfluieren immer mehr, wodurch sich im schlimmsten Fall ein Pfropf bildet, der bei einem Schlaganfall ein Gefäß im Gehirn verstopft.

Blutgerinsel
Blutgerinnsel im Gehirn führen zu einem Schlaganfall. Bild: www.fotolia.com © psdesign1

Blutgerinnsel, zum Beispiel aus der Halsschlagader, können sich lösen, über den Blutstrom ins Gehirn gelangen, dort ein Gefäß verlegen und somit einen Apoplex auslösen. Auch ein Embolus (Gefäßpfropf) aus dem Herzen, zum Beispiel verursacht durch ein Vorhofflimmern (Arrhythmie des Herzens mit unkoordinierten Vorhofaktionen), kann zur Verlegung eines Hirngefäßes führen.

Weniger häufig treten Schlaganfälle, circa fünfzehn Prozent, aufgrund von intrazerebralen Blutungen auf.

Risikofaktoren

Unterschiedliche Risiken können einen Hirninfarkt begünstigen, wobei „weißer Insult“ und „roter Insult“ unterschieden werden muss. Bei dem „weißen Insult“ wird eine Hirnarterie verstopft, wodurch das betroffene Areal nicht mehr genügend versorgt wird und daraufhin abstirbt. Die Risikofaktoren hierfür sind Hypertonie (Bluthochdruck), Rauchen, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen und die Einnahme der Pille. Das Hauptrisiko für einen „roten Insult“, das heißt eine Gehirnblutung, ist die Hypertonie.

Auch Übergewicht wird mit einer Erhöhung des Schlaganfall-Risikos in Verbindung gebracht. Darüber hinaus ist eine höheres Lebensalter als Risikofaktor zu bewerten.

Symptome

Die Symptome sind sehr vielfältig und hängen von dem betroffenen Areal und dessen Ausmaß ab. Typisch ist der plötzliche Ausfall verschiedener Hirnfunktionen, je nachdem, welche Hirnarterie betroffen ist. Plötzlich einsetzende Symptome wie ein hängender Mundwinkel, Seh- oder Sprachstörungen, Gehstörungen, Lähmungen oder massive Kopfschmerzen, Schwindel, Schluckauf, Atemnot, Übelkeit und Erbrechen gehören zu den Anzeichen. Diese Symptome müssen nicht unmittelbar zu einem Schlaganfall führen, sondern können als Vorboten fungieren. Jedoch sollte auf jeden Fall ein Notarzt gerufen werden.

Die häufigste Form ist der Cerebri-Media-Infarkt. Dabei entsteht eine unvollständige Halbseitenlähmung oder aber auch eine vollständige Hemiparese, was jedoch seltener der Fall ist. Es kann allerdings durchaus vorkommen, dass der betroffene Patient morgens aufwacht und nicht mehr aufstehen kann. Die Halbseitenlähmung ist meist armbetont, in Verbindung mit einer Fazialisparese (Lähmung des Nervus fazialis, der Anteile des Gesichts versorgt). Aus der anfangs schlaffen entwickelt sich über Wochen hinweg eine spastische Lähmung. Obwohl die Betroffenen meist unter einer unvollständigen Halbseitenlähmung leiden, werden sie oft als Hemiplegiker (halbseitig Gelähmter) bezeichnet.

Zu den Sensibilitätsstörungen, verbunden mit einem Apoplex, gehören zum Beispiel Taubheitsgefühl, „Ameisenlaufen“ und Kribbeln in den Gliedern. Wurde durch den Insult die linke Arteria cerebri media verschlossen, tritt eine Aphasie ein. Dazu gehören Störungen des Sprachverständnisses und/oder des Sprechens. Von einer Apraxie ist die Rede, wenn die Betroffenen bestimmte Handlungen, wie zum Beispiel sich zu kämmen, nicht mehr ausführen können, obwohl keine Lähmung und auch eine ganz normale Wahrnehmung vorliegen. Siehe auch:

Aphasie Symptome
Aphasie Sprachstörungen
Aphasie Behandlungen

Eine Harninkontinenz oder Harnverhalten können eintreten, ebenso wie eine Bewusstseinseintrübung bis hin zu tagelanger Bewusstlosigkeit. Verwirrtheit in Verbindung mit Orientierungsstörungen gehören ebenfalls zu den möglichen Symptomen.

Da sich die absteigende Pyramidenbahn und auch die aufsteigenden sensiblen Bahnen kreuzen, ist bei einem Befall der rechten Arterie die linke Körperseite und umgekehrt, in Mitleidenschaft gezogen. So führt zum Beispiel ein rechtsseitiger Gehirnschlag zu einer linksseitigen Halbseitenlähmung und den damit verbundenen sensiblen Störungen, ebenfalls der linken Seite.

Ist die Durchblutung des betroffenen Gewebes solange gestört, dass das Gebiet vollkommen abstirbt, ist die neurologische Schädigung irreversibel.

Schlaganfall – rechtsseitige Hemiparese

Bei einem Schlaganfall mit rechtsseitiger Hemiparese können folgende Symptome eintreten. Die davon Betroffenen leiden unter einer Facialislähmung. Dabei entstehen ein herabhängender Mundwinkel, wobei häufig auch der Mund nicht richtig geschlossen werden kann und deshalb das Trinken erschwert ist. Das Stirnrunzeln auf der betroffenen Seite funktioniert nicht oder nur eingeschränkt. Ebenso ist der Lidschluss behindert. Hinzu kommen Symptome, wie eine nach innen gezogene Schulter, ein nach innen rotierter Arm und ein Ellbogen in Beugehaltung. Ebenso sind die Finger gebeugt und der Daumen herangezogen. Beim Gehen wird das Bein im Halbkreis nach vorne geführt. Je nach Ausmaß und Schweregrad treten genannte Symptome mehr oder weniger ausgeprägt auf.

Warnsignale

Sogenannte TIAs oder PRINDs sind Warnsignale. Der wichtigste Vorbote, der auf einen Hirninfarkt hindeutet ist die TIA – Transitorische Ischämische Attacke. Darunter werden neurologische Ausfälle verstanden, die nur einige Minuten dauern, beziehungsweise sich innerhalb von 24 Stunden vollkommen zurück gebildet haben. Ein PRIND – ein Prolongiertes Ischämisches Neurologisches Defizit ist ebenso ein Warnsignal, das sich jedoch im Vergleich zur TIA langsamer entwickelt und auch längere Zeit – zwischen 24 Stunden und drei Wochen – braucht, um sich vollständig zurückzubilden.

Sehstörungen auf einem Auge, die nur einige Minuten andauern oder kurzzeitige Lähmungen sind Beispiele für eine sogenannte TIA. Leider wird dies häufig nicht als Warnung gesehen, sondern als Bagatelle abgetan. Wird dies jedoch ernst genommen, so kann durch geeignete Behandlung, eventuell durch eine Operation, ein Hirninfarkt verhindert werden.

Diagnose

Bei Verdacht zählt jede Minute. Der Patient muss umgehend in eine Klinik. Der Erfolg der Behandlung hängt größtenteils von einer schnellen und richtigen Diagnose mit anschließender Behandlung ab.

Nach eingehender Anamnese des Patienten, häufig in Verbindung mit den Angehörigen, und dem Überprüfen der Reflexe sind weitere Untersuchungen nötig. Mit Hilfe der Computertomografie kann das Gehirn schichtweise dargestellt werden. Eine Kontrastmittelgabe ermöglicht die Darstellung der Blutgefäße. So wird der Ort des Geschehens dargestellt, aber auch die Ursache wie Blutungen oder ein Gefäßverschluss lassen sich auf diesem Wege erkennen. In manchen Kliniken wird das MRT bevorzugt. Dieses Verfahren arbeitet ohne Röntgenstrahlen, was eine häufigere Anwendung möglich macht. Jedoch können Patienten, die Metallteile oder einen Herzschrittmacher im Körper haben, nicht durch ein MRT untersucht werden.

Durch spezielle Ultraschalluntersuchungen, zum Beispiel der Duplexsonographie, werden Bilder des Gehirns erstellt und dabei der Blutdurchfluss gemessen. Gerade bei Durchblutungsstörungen ist dies ein geeignetes Untersuchungsverfahren. Ein normales EKG oder auch Langzeit-EKG kann eventuelle Unregelmäßigkeiten, wie zum Beispiel das Vorhofflimmern, aufzeigen. Gerade diese gehört nicht selten zu den Auslösern. Aber auch weitere Erkrankungen des Herzens, wie Klappenfehler, können hier entdeckt werden.

Eine ausführliche Blutuntersuchung gehört selbstverständlich mit in das Portfolio einer Schlaganfalldiagnsotik.

Schlaganfall-Symptome deuten

Bei Verdacht muss schnell gehandelt werden. Durch einfache Tests können auch Laien recht schnell die Lage richtig einschätzen und die Symptome leichter zuordnen. Zu den Symptomen, die jeder erkennen kann, gehören ein plötzlich hängender Mundwinkel, verwaschene Sprache oder die Unfähigkeit zu sprechen. Klagen die Betroffenen zudem über Taubheitsgefühle, erschwertes Schlucken, Probleme beim Sehen oder eine gestörte Motorik von Händen oder Füßen, liegt der Verdacht nahe.

Betroffene sollten dazu angehalten werden, zu lächeln. Dies ist bei einer halbseitigen Lähmung meist nicht möglich und der Patient hat Probleme mit seiner Mimik und verzieht das Gesicht. Auch das Hochheben der Arme mit nach oben gedrehten Handflächen würde bei einer Lähmung, ausgelöst durch den Gehirnschlag, auf einer Seite nicht richtig funktionieren. Der betroffene Arm würde sich wieder nach innen drehen und nach unten sinken. Wenn die Person aufgefordert wird, einen ganz einfachen Satz nach zu sprechen, ist dies häufig mit Problemen verbunden. Betroffene sprechen eventuell sehr langsam, stockend, verwaschen oder verdrehen die Wörter. Dies muss nicht zwingend auftreten, ist jedoch häufig bei einem akuten Schlaganfall anzutreffen. Diese Tests werden mit den Buchstaben FAST (face, arms, speech, time – Gesicht – Arme – Sprache – Zeit) abgekürzt. Haben die Betroffenen Probleme beim Ausführen einer dieser einfachen Übungen, zählt die Zeit. Je schneller der Notarzt verständigt wird, um so besser sind die Heilungschancen. Wichtig ist auch, am Telefon den Verdacht auf einen Schlaganfall mitzuteilen.

Schlaganfall mit seinen Folgen

Ein Schlaganfall muss nicht zwingend, kann jedoch Folgen für das weitere Leben haben. Der Gehirnschlag ist die häufigste Ursache für eine Pflegebedürftigkeit. Die Folgen sind sehr individuell. Dazu gehören Hemiparesen (Halbseitenlähmungen), verbunden mir Empfindungsstörungen, Sprachstörungen (Aphasie), Sprechstörungen (Dysarthrie), Schluckstörungen (Dysphagie), Inkontinenz, Konzentrationsstörungen und Sehstörungen. Unter Neglect versteht der Mediziner Aufmerksamkeitsstörungen, die eine Körperseite und die Hälfte der Umgebung betreffen. So essen die Betroffenen zum Beispiel nur den halben Teller leer, rasieren sich nur eine Gesichtshälfte und nehmen auf der befallenen Seite auch ihre Umgebung nicht wahr.

Rechtzeitige Vorsorgeuntersuchungen können einen Schlaganfall vorbeugen. (Bild: Henrie/fotolia)
Rechtzeitige Vorsorgeuntersuchungen können einen Schlaganfall vorbeugen. (Bild: Henrie/fotolia)

Stroke-Unit Spezialabteilung

Eine Stroke-Unit ist eine Spezialabteilung für Schlaganfallpatienten. Es ist eine „Akutstation“ in einem Krankenhaus, in der eine umfassende apparative Überwachung gewährleistet ist. Spezielle diagnostische und therapeutische Verfahren, abgestimmt auf Patienten mit einem Apoplex, gehören dazu, was den Patienten für die Genesung eine bessere Prognose verschafft als die Behandlung auf einer Normalstation. Leider verfügt nicht jedes Krankenhaus über eine solche Stroke-Unit.

Therapie

Am Anfang stehen das Stabilisieren der Vitalfunktionen und der Parameter, wie Blutdruck, Puls, Blutzucker, Sauerstoffsättigung, Elektrolytgehalt und Körpertemperatur. Durch rasch eingesetzte diagnostische Verfahren, wie das CT oder das MRT wird festgestellt, wo und in welchem Ausmaß sich der Schlaganfall abspielt. Um das unterversorgte Gebiet zu erhalten und den entstandenen Verschluss zu beseitigen wird eine sogenannte intravenöse Lyse-Therapie eingeleitet. Je schneller die Diagnose gestellt ist, desto eher hat eine solche Behandlung Erfolg. Zu betroffenen Hirnarealen wird mittels Katheter vorgedrungen, um dort vor Ort eine Auflösung des Blutgerinnsels zu ermöglichen. Diese Therapie ist jedoch nur in Spezialzentren möglich. Bei Hirnblutungen wird keine Lyse-Therapie angewandt. Hier wird häufig operativ behandelt. Eine Hirndruck Entlastung ist hier wichtig. (sw)

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