Blutgerinnsel im Kopf – Symptome, Ursache und Therapie

Blutgerinnsel: Das sind die ersten Anzeichen!

Ein Blutgerinnsel besteht aus geronnenem Blut und bildet sich zum Beispiel bei Verletzungen. Die Blutgerinnung ist lebenswichtig, um den Blutfluss zu stillen und so das Verbluten zu verhindern. Doch diese „Wundverschlüsse“ können tödliche Folgen haben, wenn sie Blutgefäße verstopfen, die lebenswichtige Organe mit Blut versorgen – wie beispielsweise im Kopf.


Die wichtigsten Fakten – Eine Übersicht

  • Blutgerinnsel bestehen aus geronnenem Blut.
  • Während solche Gerinnsel dazu dienen, Blutverlust zu stoppen, wirken sie in den Adern des Gehirns fatal. Wenn sie hier Blutwege verstopfen, erhält das Gehirn keinen Sauerstoff mehr und es droht ein Schlaganfall.
  • Ein Schlaganfall kündigt sich mit Lähmungen, Sprachproblemen und Bewegungsstörungen an. Bei diesem Symptomen müssen die Betroffenen sofort ärztliche Hilfe aufsuchen, denn jede Minute schädigt das Hirn mehr.
  • Blutgerinnsel im Kopf enden oft tödlich, viele Überlebende leiden an Schäden bis hin zu schwersten Lähmungen.
Blutgerinnsel bestehen aus geronnenem Blut. Die Blutgerinnung ist lebenswichtig, da sie bei Verletzungen den Blutfluss stillt. Wenn allerdings Blutgefäße verstopfen, kann dies tödliche Folgen haben. (Bild: freshidea/fotolia.com)

Symptome

Blutgerinnsel im Gehirn können zu einem Schlaganfall führen. Symptome hierfür sind:

  • Eine plötzlich auftretende Lähmung, meist an einer Körperseite,
  • fehlende Kraft in Beinen und Armen,
  • ein einseitiges Gefühl der Taubheit,
  • Sehstörungen,
  • gestörtes Gleichgewicht,
  • Schwindel,
  • Sprachstörungen wie Nuscheln oder Sprachverlust,
  • Bewusstseinsverlust,
  • starke Kopfschmerzen,
  • Unsicherheit beim Gehen und Stehen.

Wie ausgeprägt sind die Symptome?

Wie ausgeprägt die Symptome bei einem Blutgerinnsel im Kopf sind, hängt davon ab, in welcher Hirnregion das Gerinnsel sitzt. Treten die genannten Symptome auf, müssen Sie jedoch in jedem Fall sofort einen Notarzt beziehungsweise den Rettungsdienst kontaktieren.

Längst nicht alle Blutgerinnsel im Kopf führen hingegen zu einem Schlaganfall. So können zum Beispiel auch ohne Schlaganfall (Hirninfarkt) kurze Sehstörungen auftreten wie Doppelbilder oder Augenflimmern. Auch dann sollten sie umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Der F-A-S-T Test

Mit dem F-A-S-T Test können Sie prüfen, ob es sich um einen Schlaganfall handelt.

  • F – Face: Hier bitten Sie den Betroffenen, zu lächeln. Mit einer halbseitigen Gesichtslähmung ist das nicht möglich.
  • A – Arms: Bitten Sie den Patienten, die Arme gleichzeitig zu heben. Hier zeigt sich, ob die Arme gelähmt sind.
  • S – Speech: Lassen Sie Betroffene einfache Sätze sprechen. Eine verwaschene Sprache spricht für einen Schlaganfall.
  • T – Time: Rufen Sie selbst bei geringem Verdacht sofort einen Notarzt. Jede Minute zählt.

Ursachen für Blutgerinnsel

Blutgerinnsel entstehen auf unterschiedliche Art und Weise. Bei Verletzungen reagiert der Körper auf den Reiz. Die Blutgefäße verengen sich, um den Blutfluss zu bremsen. Im beschädigten Gewebe werden die Blutplättchen aktiv – die Thrombozyten. Diese sammeln sich an der Wunde und bilden einen Pfropf, der diese verschließt. Darauf härten Eiweiße den Verschluss und schützen die Wunde vor Bakterien, Viren, Pilzen und anderen Verschmutzungen.

Verletzungen, durch die ein Blutgerinnsel entsteht, müssen nicht unbedingt äußerlich sein. Bei Arteriosklerose können Blutplättchen infolge beschädigter Gefäßinnenwände verkleben. (Bild: peterschreiber.media/fotolia.com)

Verletzungen müssen nicht äußerlich sein. Auch beschädigte Gefäßinnenwände, zum Beispiel bei Arteriosklerose, können Blutplättchen verkleben.

Selbst ohne Verletzungen entwickeln sich diese Gerinnsel, wenn Blut langsam fließt oder sich staut. Dadurch sammeln sich auch Blutplättchen an und verstopfen die Adern.

Herzfehler und Tumore

Herzfehler fördern Blutgerinnsel – besonders die Herzrhythmusstörung und das Vorhofflimmern. Hier wird das Blut so durcheinander gewirbelt, dass Blutgerinnsel entstehen können, jedoch nicht im Kopf, sondern im Vorhof des Herzens.

Tumore und angeborene Mutationen führen dazu, dass das Blut zu schnell gerinnt und so zu Gerinnseln verklumpt.

Unfälle

Nach Knochenbrüchen, Operationen und schweren Krankheiten bewegen die Betroffenen den entsprechenden Körperteil oftmals weniger. Schädelbrüche oder Knochenverletzungen der Halswirbelsäule führen dazu, dass wir den Kopf kaum heben, senken oder drehen. Dadurch liegen auch die Muskeln brach, die gewöhnlich die Venen pressen und so das Blut zum Herzen zurücktransportieren..

Fehlt dieser Druck der Muskeln, fließt das Blut langsamer zurück und staut sich in den Venen. Jetzt kommt es zu einem Blutstau, Blutplättchen und Gerinnungsgstoffe sammeln sich. Hier kann sich ein Blutgerinnsel im Kopf bilden.

Des Weiteren können auch Blutstaus an anderen Stellen des Körpers zu Blutgerinnseln im Kopf führen. Teile einer Thrombose können sich lösen und durch den Blutkreislauf wandern, bis in die Gefäße, die den Kopf versorgen.

Seit einigen Jahren werden Blutgerinnsel im Kopf mit Hilfe eines Stents herausgezogen. Dieses Verfahren nennt man auch mechanische Thrombektomie. (Bild: Crystal light/fotolia.com)

Gerinnsel heraussaugen

Vor wenigen Jahren etablierte sich ein neues Verfahren, um gefährliche Blutgerinnsel auch im Kopf zu entfernen. Es heißt mechanische Thrombektomie. Dieses öffnet in der Praxis bei neun von zehn Patienten das verschlossene Gefäß. Sogenannte Stents fangen dabei in einer Art Korb die Gerinnsel auf. Sie saugen es gewissermaßen ein.

Ursprünglich waren in Deutschland diese Stents dazu gedacht, Aussackungen der Hirngefäße zu behandeln. Sie eignen sich für Gerinnsel, die große Hirnarterien verstopfen. Der Stent ist ein winziges Gerät aus Draht und drückt das Gerinnsel an die Gefäßwand. Die verklumpten Blutplättchen wandern in das Innere des „Korbs“ und werden jetzt „wie ein gefangener Fisch“ herausgezogen. Der Stent wird über einen Katheter bis ins Gehirn geschoben.

Die Lyse-Therapie

Dies ist die konventionelle Therapie, um ein Blutgerinnsel im Kopf zu beseitigen. Hier wird ein Medikament (recombinant tissue plasminogen activator) durch die entsprechende Vene in den Blutkreislauf geführt. Das Medikament verdünnt das Blut und löst so das Gerinnsel auf.

Lokale und systemische Thrombolyse

Wie die Lyse-Therapie eingesetzt werden kann, richtet sich nach der Zeit. Eine systemische Thrombolyse, in der das Medikament den Blutkreis durchläuft, ist maximal bis zu viereinhalb Stunden nach dem Beginn des Schlaganfalls möglich. Eine lokale Behandlung, in der Ärzte einen Katheter bis zum Blutgerinnsel schieben und den Gerinnungslöser direkt dort einsetzen, ist noch bis zu sechs Stunden nach dem Anfall möglich.

Die Sekundärprophylaxe

Wenn Sie eine Neigung zu Blutgerinnseln haben, hilft eine Sekundärprophylaxe, dem vorzubeugen. Bei größerem Risiko sollten Sie diese Therapie ein Leben lang durchführen. Das bekannteste Medikament dafür ist Aspirin.

Operation

Ein Blutgerinnsel im Kopf lässt sich nur bei wenigen Betroffenen operieren. Diese Operation ist aufwändig und riskant. Kleinste Fehler können Hirnverletzungen auslösen, und damit, je nach Sitz des Gerinnsels, lebenslange Behinderungen nach sich ziehen, von Sprachverlust bis zu motorischen Problemen, Lähmungen, Bewusstseinsstörungen oder dem Verlust geistiger Fähigkeiten.

Um überhaupt operiert werden zu können, muss das Gerinnsel in der Nähe größerer Gefäße liegen, sonst können Chirurgen es nicht erreichen.

Langzeitfolgen

Blutgerinnsel im Kopf können langfristige Schäden auslösen. Wie groß diese sind, liegt an der betroffenen Hirnregion sowie daran, wie lange das Areal nicht mit Blut versorgt wurde. Ischämische Attacken sind dabei vergleichsweise harmlos. Hier kommt es zu motorischen Aussetzern, die sich aber nach circa 24 Stunden zurückbilden.

Langfristige Schäden durch ein Blutgerinnsel im Kopf sind zum Beispiel gravierende Störungen beim Sprechen. (Bild: victorpr/fotolia.com)

Gravierender sind die Störungen beim Sprechen und Schlucken. Diese durchleiden circa 70 Prozent aller Betroffenen, und bei vielen bleiben diese auf Dauer bestehen. Auch Defekte im Gedächtnis und der Konzentration verankern sich oft langfristig. Das gilt ebenfalls für Lähmungen.

Es können nicht zuletzt neue Erkrankungen durch einen Schlaganfall entstehen. Dazu gehört eine bestimmte Form der Epilepsie.

Krankheitsverlauf

Der Krankheitsverlauf ist bei Patienten unterschiedlich. Ist die Therapie erfolgreich, verbringen die Betroffenen fast immer Zeit in einer Rehabilitationsklinik. Hier arbeiten Fachleute verschiedener Disziplinen zusammen, um den Patienten einen Weg zurück in den Alltag möglich zu machen. Physio- und Ergotherapeuten trainieren Bewegungen und Koordination, Logopäden die Störungen beim Sprechen und Schlucken.

Sehr häufig zieht ein Schlaganfall auch Depressionen nach sich. Daher wird in einer Reha-Klinik auch immer psychologische / psychotherapeutische Hilfe angeboten. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Hinzu kommt psychologische/psychotherapeutische Hilfe. Eine sehr häufige Folge von Schlaganfällen sind mittelschwere bis schwere Depressionen. Gewöhnlich bleiben die Betroffenen vier bis sechs Wochen in einer Reha-Klinik.

Prognose

Ein Blutgerinnsel im Kopf ist eine ernste Angelegenheit. Die Prognose richtet sich nach dem Ort des Geschehens und der Dauer der Minderversorgung des Gehirns. Jeder fünfte Betroffene stirbt im ersten Monat nach dem Schlaganfall. Von den Überlebenden erleiden 50 Prozent bleibende Schäden in verschiedenem Ausmaß wie Sprachstörungen, Lähmungen oder Gedächtnisverlust. Viele sind auf Dauer pflegebedürftig. Je weniger Gehirnmasse geschädigt wurde, umso besser sind die Heilungschancen.(Dr. Utz Anhalt)

Quellen

  • https://www.aerztekammer-bw.de/news/2013/2013_03/schlaganfall_04/index.html
  • http://www.deutsche-gefaessliga.de/index.php/gefaesserkrankungen/thrombose-und-lungenembolie
  • https://www.leading-medicine-guide.de/Herz-Gefaesse/Thrombektomie
  • https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/schlaganfall/diagnostik/
  • https://www.phlebology-guide.com/erkrankungen/thrombose/
  • http://radiologie.charite.de/static/pdf/Bauknecht_042014.pdf