Lebensmittelunverträglichkeiten mehr als Allergien

Fabian Peters

Lebensmittelintoleranz Ursache für Grummeln im Bauch

02.04.2014

Viele Menschen leiden nach dem Verzehr bestimmter Speisen und Getränke unter erheblichen Verdauungsbeschwerden und weiteren auffälligen Symptomen. Dahinter kann eine Lebensmittelallergie stecken, doch viel öfter seien Unverträglichkeiten beziehungsweise sogenannte Intoleranzen Ursache der Beschwerden, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). In einer älteren Pressemitteilung der DGVS erläuterte Professor Dr. med. Stephan Bischoff, Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin an der Universität Hohenheim in Stuttgart, dass „Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelintoleranzen zwei Unterformen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten“ sind, die sich in ihrer Symptomatik stark ähneln.

Den Angaben der DGVS zufolge leiden schätzungsweise ein bis zwei Prozent der Erwachsenen in Deutschland an einer Nahrungsmittelallergie, die durch eine Fehlreaktion des Immunsystems hervorgerufen wird. Bei Kindern sei der Anteil zunächst noch höher (vier bis acht Prozent), doch viele der frühen Allergien gingen mit der Zeit spontan zurück. Weniger bekannt, obwohl deutlich häufiger als die Nahrungsmittelallergien, sind laut Aussage von Prof. Bischoff die Nahrungsmittelintoleranzen, bei denen der Körper gegen eine bestimmte Substanzen rebelliert – ohne Beteiligung des Immunsystems. Zum Beispiel seien rund 15 Prozent der Deutschen von einer Milchzucker- beziehungsweise Laktoseintoleranz betroffen, bei der nach dem Konsum von Milchprodukten häufig Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall einsetzen, da das Laktose-spaltenden Enzym Laktase fehlt. Insgesamt reagiert laut Angaben der DGVS rund jeder fünfte Bundesbürger empfindlich auf den Verzehr bestimmter Nahrungsmittel.

Intoleranz gegen Milchzucker, Histamin, Fruktose, Gluten und Co.
Auch eine Intoleranz gegen Histamin kann Ursache für die Beschwerden nach dem Essen sein. Hierbei liegt ebenfalls ein Enzymdefekt vor, der die Verarbeitung des Histamins verhindert. Histamin ist laut Angaben der DGVS zum Beispiel in Käse, Rotwein, Fisch und Sauerkraut enthalten und „wird normalerweise durch das Enzym Diaminooxidase rasch abgebaut.“ Fehle dieses Enzym, könne mit der Nahrung aufgenommenes Histamin zu ähnlichen Symptomen wie eine Nahrungsmittelallergie führen. Die Betroffenen „leiden an Hautrötungen, Hitzewallungen, Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden“, berichtet die DGVS. Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen sowie gegebenenfalls Kopfschmerzen sind auch bei der sogenannten Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) sowie bei einer Fruktoseintoleranz (Intoleranz gegenüber Fruchtzucker) zu beobachten. Professor Bischoff betonte, dass „ die Abgrenzung von Nahrungmittelallergien und -intoleranzen in der Praxis oftmals schwierig ist, da sich die Symptomatik häufig kaum unterscheidet.“

Diagnostik der Lebensmittelunverträglichkeit oft schwierig
Zeigen sich entsprechende Beschwerden nach dem Essen, so bedarf es laut Aussage des Experten dringend einer gründlichen Anamnese sowie gegebenenfalls weiterführender körperlicher Untersuchungen beispielsweise auf Basis moderner bildgebender Verfahren (Ultraschall, Röntgen, Computertomographie, Magnetresonanztomographie), einer Magen- oder einer Darmspiegelung, um ernsthaftere Erkrankungen auszuschließen. Im Anschluss könne mittels eines Allergietests überprüft werden, ob möglicherweise eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Bestandteile der Lebensmittel vorliegt. Fällt auch dieser negativ aus, liegt der Verdacht nahe, dass eine Lebensmittelunverträglichkeit Ursache der Beschwerden ist. Allerdings existieren zur Diagnostik von Nahrungsmittelintoleranzen laut Angaben der DGVS „nur wenige objektive Testverfahren.“

Ernährungsumstellung empfohlen
Zur Eingrenzung der verdächtigen Nahrungsmittel ist laut Mitteilung der Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten eine Atemluft-Untersuchung geeignet. Des Weiteren könne ein Ernährungstagebuch helfen, die Ursachen der Beschwerden zu bestimmen. „Mit etwas Geduld gelingt es meist, den Auslöser zu identifizieren“, erläuterte Professor Bischoff. Anschließend liege die Therapie dann auf der Hand. Die Betroffenen müssten die ursächlichen Lebensmittelbestandteile schlichtweg meiden. Hier empfehle sich eine eingehende Ernährungsberatung, in der Patienten „lernen, ihre Ernährung weg von Fertignahrungsmitteln hin zu frischen Nahrungsmitteln umzustellen und auf Lebensmitteletiketten zu achten“, berichtet die DGVS. (fp)

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Bild: Sigrid Rossmann / pixelio.de