Leitlinie zur Diagnose des Fetalen Alkoholsyndroms

Fabian Peters

Neue Leitlinie zur Diagnose des Fetalen Alkoholsyndroms vorgestellt

11.12.2012

Das Fetale Alkoholsyndrom ist mit jährlich zwischen 2.000 und 4.000 betroffenen Neugeborenen die häufigste angeborene Behinderung in Deutschland, berichte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Eine neue Leitlinie soll nun die Diagnose von Alkoholschäden bei Kindern deutlich erleichtern.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), erklärte bei Vorstellung der neuen Leitlinie zur Diagnose des Fetalen Alkoholsyndroms in Berlin, dass diese „ein bedeutender Schritt“ sei, „um alkoholgeschädigten Kindern die notwendigen Hilfen zu geben, damit sie ihr Leben meistern können.“ Die FAS-Leitlinie schaffe die Voraussetzungen für eine frühzeitige Diagnose, was den betroffenen Familien, die häufig Pflege- und Adoptivfamilien sind, ermögliche von Anfang an ihren Alltag auf die Besonderheiten des Kindes einzustellen und entsprechende Hilfen zu organisieren, so die Bundesdrogenbeauftragte weiter. Auch Kinderärzte, Psychologen und Therapeuten könnten demnach ihre Fördermaßnahmen entsprechend anpassen, um die negativen Folgen des FAS möglichst gering zu halten.

Fetales Alkoholsyndrom häufigste angeborene Behinderung
Das Fetale Alkoholsyndrom „ist nicht heilbar, die Folgen können aber durch frühzeitige Behandlung wesentlich abgemildert werden“, erläutert die Bundesdrogenbeauftragte die Vorteile einer möglichst frühen Diagnose. Das FAS ist die Folge von Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft. Die betroffenen Kinder erleiden eine Gehirnschädigung, die sich „typischerweise durch ein verringertes Wachstum sowie durch Veränderungen des Gesichtes und des zentralen Nervensystems“ äußert, so die Bundesdrogenbeauftragte. Begleitend seien oftmals weitere Entwicklungsstörungen, kognitive Defizite und Verhaltensauffälligkeiten zu beobachten. Die Psychologin Mirjam Landgraf vom Klinikum der Universität München, Mitautorin der FAS-Leitlinie, ergänzte, dass die betroffenen Babys oft zu klein und zu leicht seien, ihnen häufiger die Rinne zwischen Nase und Oberlippe fehle und ihre Oberlippe oft besonders schmal erscheine. Schwerwiegender als diese äußerlich erkennbaren Merkmale seien jedoch die Störungen des Zentralnervensystems bei Kindern mit FAS. Sie führen zum Beispiel zu verminderter Intelligenz, zu Problemen bei der Sprache oder der Lern- und Merkfähigkeit, berichtet die Expertin.

Verzicht auf Alkohol während der Schwangerschaft dringend geboten
Neben den genannten Beeinträchtigungen des FAS kann Alkoholkonsum während der Schwangerschaft eine Vielzahl weiterer Störungen bei den Kindern hervorrufen, die ebenfalls einen erheblichen Einfluss auf die spätere Entwicklung der Betroffenen haben, erläuterte Prof. Florian Heinen vom Klinikum der Universität München, Mitautor der Leitlinie.Dir Gruppe der Betroffenen sei hier zehn bis zwanzig Mal höher, als die Zahl der FAS-Kranken. Ebenso wie FAS seien auch diese Störungen durch den Verzicht auf Alkohol in der Schwangerschaft komplett vermeidbar. Da nicht eindeutig feststehe, ab welcher Menge Alkohol den ungeborenen Kindern schadet, rät Prof. Heinen zu einem vollständigen Verzicht während der Schwangerschaft und betonte in Bezug auf das Fetale Alkoholsyndrom, dies sei „wirklich diejenige Behinderung, die wir zu 100 Prozent verhindern können.“

Meilenstein bei der Diagnostik des Fetalen Alkoholsyndroms
Zwar leistet die neue Leitlinie keinen Beitrag zu Prävention des Fetalen Alkoholsyndroms, doch sie bietet den betroffenen Familien und den Ärzte eine wichtige Orientierungshilfe bei der Diagnose des FAS. Wurden die Beeinträchtigungen der Kinder bisher oftmals lange Zeit nicht erkannt und die Betroffenen als faul oder lernunwillig abgestempelt, so lässt sich hier in Zukunft auf deutliche Verbesserungen hoffen. Auch für die zuständigen Jugend- und Versorgungsämter werde es anhand der neuen Leitlinie leichter, den entwicklungsbezogenen Leistungsbedarf der Kinder zu ermitteln, erklärte die Bundesdrogenbeauftragte. Hinzu komme, dass sich Kindertagesstätten und Schulen bei vorliegender Diagnose besser auf die Kinder einstellen können. Insgesamt wurde die Einführung der neuen Leitlinie von allen Seiten äußerst positiv bewertet, die Patientenvertretung FASD Deutschland sprach sogar von einem „Meilenstein“ auf dem Weg der FAS-Diagnostik. (fp)

Advertising