Magersucht oder Bulimie: Drastischer Anstieg der Essstörungen

Die Zahl der Deutschen, die an Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie leiden, ist stark angestiegen. Viele Betroffene nehmen ihr Essverhalten nicht als krankhaft wahr. (Bild: Piotr Marcinski/fotolia.com)
Alfred Domke
Immer mehr Deutsche leiden an Essstörungen
In den letzten Jahren haben Essstörungen wie Anorexia nervosa (Magersucht) und Bulimia nervosa (Ess-Brechsucht) stark zugenommen. Betroffene sollten laut Experten unbedingt in ärztliche Behandlung, denn Essstörungen können schwerwiegende organische Schäden nach sich ziehen und schlimmstenfalls sogar tödlich enden.

Zahl der Menschen mit Essstörungen stark gestiegen
Zahlen aus den vergangenen Jahren belegen: Essstörungen nehmen drastisch zu. Vor allem immer mehr Mädchen sind davon betroffen. Aktuelle Hochrechnungen der Barmer GEK zeigen nun, dass die Zahl der Personen, die an Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie leiden, bundesweit von etwa 390.000 auf rund 440.000 zwischen den Jahren 2011 und 2015 (plus ca.13 Prozent) angestiegen ist.

Die Zahl der Deutschen, die an Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie leiden, ist stark angestiegen. Viele Betroffene nehmen ihr Essverhalten nicht als krankhaft wahr. (Bild: Piotr Marcinski/fotolia.com)
Die Zahl der Deutschen, die an Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie leiden, ist stark angestiegen. Viele Betroffene nehmen ihr Essverhalten nicht als krankhaft wahr. (Bild: Piotr Marcinski/fotolia.com)

Viele Betroffene sehen ihr Essverhalten nicht als krankhaft
„Dass immer mehr Menschen unter Ess-Störungen leiden, beobachten wir mit großer Sorge. Oftmals nehmen die Betroffenen ihr Essverhalten nicht als krankhaft wahr. Hier ist die Rückmeldung von Eltern und Freunden gefragt“, erläuterte Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer GEK in einer Mitteilung der Krankenkasse.

Symptome richtig deuten
Gesundheitsexperten zufolge sollte man Essstörungen schnell behandeln, doch dafür muss man die Symptome einer Magersucht oder Bulimie richtig deuten können.

Essstörungen können sich auf ganz unterschiedliche Weise zeigen. Magersucht geht meist mit Untergewicht einher, das vor allem durch Hungern, aber auch durch Erbrechen, sehr viel Sport oder Abführmittel ausgelöst wird. In den meisten Fällen wiegen sich Betroffene sehr häufig, zählen Kalorien und haben panische Angst zuzunehmen. Trotz Untergewicht halten sie sich für zu dick.

Die Bulimie ist durch Essanfälle gekennzeichnet. Hier verschlingen Betroffene heimlich große Mengen und haben danach Schuldgefühle und steuern gegen, indem sie beispielsweise erbrechen, fasten, Diät halten oder übermäßigen Sport betreiben.

Essstörungen gehören grundsätzlich in die Hand eines medizinischen Expertenteams. Denn: „Neben den psychischen Beeinträchtigungen können sie auch schwerwiegende organische Schäden nach sich ziehen und schlimmstenfalls sogar tödlich enden“, schreibt die Krankenkasse.

Höchste Steigerungsrate in Brandenburg
Den Angaben zufolge litten im vergangenen Jahr bundesweit 9.627 Barmer GEK Versicherte unter Magersucht. Dies waren 14 Prozent mehr als noch im Jahr 2011 (8.442). Dabei hat es einen Anstieg der Fallzahlen in allen Bundesländern gegeben, vor allem aber in den Bundesländern, die noch relativ wenige Betroffene haben.

In Brandenburg war die Steigerungsrate mit knapp 55 Prozent am höchsten. Die meisten Versicherten der Barmer GEK mit der Diagnose Magersucht hat es im Jahr 2015 in den bevölkerungsreichen Ländern Nordrhein-Westfalen (2.466) und Bayern (1.308) gegeben.

Vor allem bei Frauen ein ernsthaftes Problem
„Den vermeintlich niedrigen Fallzahlen zum Trotz ist Magersucht gerade bei Frauen ein sehr ernst zu nehmendes Problem. Denn die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen“, so Marschall. Stress, Leistungsdruck und falsche Vorbilder könnten dazu führen, dass Frauen magersüchtig würden.

Es gibt aber noch mehr mögliche Gründe, warum es zu solchen Störungen kommt. So haben britische und schwedische Wissenschaftler vor kurzem über eine Studie berichtet, die darauf hindeutet, dass Essstörungen offenbar abhängig von der Geschlechtsverteilung an Schulen sind. Mit Erhöhung des Anteils der Mädchen an einer Schule ist die Wahrscheinlichkeit der Essstörungen laut Aussage der Forscher gestiegen. (ad)

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