Mangelernährung bei Senioren immer häufiger

Fabian Peters

Immer mehr Senioren leiden unter Mangelerkrankungen

14.12.2011

Mangelernährung ist bei Senioren in Deutschland offenbar ein wachsendes Problem. Wie die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) in Hamburg mitteilte, ist die Anzahl der Senioren, die mit einer Mangelernährung klinisch behandelt werden mussten, in den vergangenen zwei Jahren massiv gestiegen.

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Den Angaben der DAK zufolge ist die Zahl der Senioren mit Mangelernährung seit dem Jahr 2008 um 53 Prozent gestiegen. Dabei waren die Betroffenen durchschnittlich siebzig Jahre alt und insgesamt litten deutlich mehr Frauen als Männer unter klinisch zu behandelnder Mangelernährung, berichtet die DAK. Die Krankenkasse bezieht sich in ihren Angaben auf deutschlandweit 17.091 Krankenhausbehandlungen von DAK-Versicherten bei denen Mangelernährung als Haupt- oder Nebendiagnose abgerechnet wurde.

Mangelernährung als Haupt- und Nebendiagnose bei Klinikaufenthalten
Die Zahlen der DAK spiegeln einen deutlichen Anstieg der Mangelernährung bei Senioren wider. So wurden im Jahr 2008 noch 5.918 weniger DAK-Versicherte (insgesamt 11.173 Fälle) wegen einer Mangelernährung im Krankenhaus behandelt, als im Jahr 2010. Bei den meisten Betroffenen wurde ein Eiweißmangel oder Vitaminmangel als Ursache der klinischen Behandlung festgestellt. Oftmals war der ursprüngliche Anlass des Krankenhausaufenthalts eine andere Erkrankung und erst vor Ort wurde die Mangelerkrankung der Patienten festgestellt. Der eigentliche Grund für den Krankenhausaufenthalt war in solchen Fällen zum Beispiel häufiger Diabetes, eine Herzschwäche oder ein Oberschenkelhalsbruch, wobei die Behandlung der Haupterkrankung durch die Mangelerkrankung oftmals deutlich erschwert beziehungsweise verzögert wurde, so die Angaben der DAK.

Voraussichtlich 21.000 Klinikbehandlungen wegen Mangelernährung im Jahr 2011
Insgesamt litten deutlich mehr Frauen unter einer entsprechenden Mangelerkrankung als Männer. Doch auch bei den Männern war ein massiver Anstieg der therapiebedürftigen Mangelernährungen zu beobachten. Der DAK-Krankenhausexperte Peter Rowohlt erklärte angesichts der aktuellen Zahlen, dass die Entwicklung „erschreckend“ sei und sich leider auch 2011 fortsetze. Rowohlt schätzt die Zahl der dieses Jahr anfallenden Klinikbehandlungen „in deren Verlauf ein Mangel an Nährstoffen diagnostiziert wird“ auf mehr als 21.000. Dabei sind die Mangelerkrankungen nicht nur ein Risiko für die Patienten, sondern bringen auch erhebliche zusätzliche finanzielle Belastungen für die Krankenkasse mit sich. Den Angaben der DAK zufolge verteuert die Diagnose einer Mangelernährung den Klinikaufenthalt durchschnittlich um 3.000 Euro. Insgesamt erwartet die DAK im Jahr 2011 daher Mehrkosten durch die Mangelernährung in Höhe von rund 60 Millionen Euro. Die meisten dieser Kosten wären nach Einschätzung der Experten jedoch vermeidbar, wenn bei ersten Anzeichen einer Mangelernährung reagiert würde.

Bei Anzeichen auf Mangelernährung dringend einen Arzt aufsuchen
Auch der DAK-Krankenhausexperte Rowohlt verwies darauf, dass „Mangelernährung kein Altersschicksal“ ist, welches von den Betroffenen und ihren Angehörigen einfach hinzunehmen sei. Senioren die „auffallend viel Gewicht“ verlieren und „deutlich weniger belastbar“ sind als gewöhnlich, sollten sich vielmehr dringend „medizinisch untersuchen lassen“, um mögliche gesundheitliche Folgen zu vermeiden, erläuterte Rowohlt. Dabei sollte das erste Ziel der anschließenden Behandlung sein, die Nährstoffaufnahme der Betroffenen wieder in normale Bahnen zu führen. Auch werden unterschiedliche Methoden genutzt, um den Appetit der Patienten mit Mangelernährung anzuregen. Den Betroffenen wird eine besonders energiereiche Kost mit hoher Nährstoffdichte wie zum Beispiel Kartoffeln, Gemüse, fettreiche Milch und Milchprodukte, Obst, Vollkornprodukte, Fisch und Fleisch empfohlen. Der chronischen Appetitlosigkeit, die viele Patienten verspüren, lässt sich laut Aussage der Experten durch mehrere kleine Zwischenmahlzeiten entgegenwirken, wobei parallel auch ein Glas Wasser oder Tee getrunken werden sollte. (fp)

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Bild: Rainer Sturm / pixelio.de