Gesundheitsbehörden fordern zur Grippe-Impfung auf

Fabian Peters

Das Robert-Koch-Institut und deutsche Gesundheitsbehörden fordern zur Impfung gegen die Grippe auf. Erstmals wird auch Schwangeren eine Impfung empfohlen.

(14.09.2010) Deutsche Gesundheitsbehörden wie zum Beispiel das Robert-Koch-Institut (RKI) rufen anlässlich der beginnenden Grippe-Saison alle besonders Erkrankungsgefährdeten dazu auf sich einer Grippeimpfung zu unterziehen. Dabei wird erstmals auch Schwangeren geraten sich impfen zu lassen, da sie im vergangenen Jahr überproportional häufig mit Schweinegrippeninfektion in eine Klinik eingewiesen wurden und auch der Krankheitsverlauf der normalen Influenza bei Schwangeren meist sehr viel schwerer ist. Doch nach wie vor sind die Vorbehalte der Deutschen gegenüber den Grippeimpfungen groß und so sehen sich die Gesundheitsbehörden dieses Jahr zu einer besonders umfassenden Informationskampagne verpflichtet.

“Uns ist klar, dass gezielte Informationskampagnen notwendig sind“, betont auch Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut. So rufen die Experten wie jedes Jahr mit Start der Grippesaison dazu auf, sich mit einer Grippeimpfung vor den gängigsten Influenza-Viren zu schützen. Wobei der aktuelle Impfstoff laut Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, vor den drei häufigsten Influenza-Virustypen inklusive der Schweinegrippe (H1N1) schützt. Denn nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird auch das H1N1-Virus im kommenden Herbst bzw. Winter wieder in Deutschland auftreten.

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Oktober und November sind nach Ansicht der Fachleute für eine Schutzimpfung der ideale Zeitpunkt und knapp 10 bis 14 Tage nach der Impfung, greift ein vollständiger Impfschutz. Zu den Risikogruppen, die sich nach Ansicht der Gesundheitsbehörden auf jeden Fall einer Grippeimpfung unterziehen sollten, zählen alle Personen über 60 Jahre, Menschen mit chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Patienten, Diabetiker oder chronisch Lungenkranke. Darüber hinaus wird auch Schwangeren aus den oben genannten Gründen dieses Jahr erstmals zur Grippeimpfung geraten. Dabei haben die Fachleute wie der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, Impfquoten von 50 bis 60 Prozent – vergleichbar den skandinavischen Ländern – als langfristiges Ziel vor Augen. Damit ist auch eine erhebliche ökonomische Dimension verbunden, so dass derartige Vorstellungen nach Ansicht des Autors und Impfexperten Dr. Martin Hirte äußerst kritisch zu bewerten sind. Denn die Produktion und der Vertrieb der Stoffe biete ein riesiges Geschäftsfeld, hinter dem eine starke Lobby stehe, die ein großes Interesse an der positiven Darstellung der Impfungen habe.

Alle Gesundheitsbehörden sind sich jedoch einig, was die Impfung der Erkrankungsgefährdeten betrifft und fordern darüber hinaus einstimmig höhere Durchimpfungsquoten für das Personal in Krankenhäusern, Arztpraxen sowie Alten- und Pflegeheimen, da hier das Infektionsrisiko besonders hoch sei. Die Impfquoten bei medizinischem Personal sind mit rund 20 Prozent viel zu gering, betont auch Birte Kirschbaum von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA). Daher hat die BzgA allen 65.000 niedergelassenen Ärzte neue Informationsmaterialien zukommen lassen, die das Personal und die Erkrankungsgefährdeten über die Vorteile einer Grippeimpfung informieren sollen.

Millionen Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Grippe und während die meisten Patienten nur unter relativ milden Symptomen leiden, kann das Influenza-Virus bei den oben genannten Risikogruppen äußerst schweren gesundheitliche Folgen haben. Die Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert-Koch-Institut schätzt, dass bei der mittelstarken Grippewelle 2009/2010 rund 2,9 Millionen zusätzliche Arztbesuche sowie 5.300 influenzabedingte Einweisungen in Kliniken notwendig wurden und die Betroffenen rund 1,5 Millionen mal arbeitsunfähig geschrieben werden mussten. So warnt auch Thorsten Wolff, Leiter der Influenza-Forschung am Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin, davor, Grippeviren zu unterschätzen, denn diese seien noch immer gefährliche und tückische Gegner. Der Kampf gegen die Influenza-Viren lässt sich dabei nach Ansicht des Fachmanns nicht gewinnen, da die Viren kontinuierlich ihre Struktur verändern und in immer neuen Formen auftreten. “Das ist Kalter Krieg, Virus gegen Mensch,” betonte Thorsten Wolff vom RKI.

Das für die Zulassung der Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat für dieses Jahr bisher 20,5 Millionen Impfdosen freigegeben, wobei der gegenwärtige Impfstoff („Fluvax Junior“) auf einer Kombination der Influenzastämme A und B mit dem H1N1-Virus basiert. Diese Kombination galt bis zu den ersten diesjährigen Grippeimpfungen im Mai in Australien als relativ unproblematisch, da es sich um einen traditionellen Spaltimpfstoff handelt, ohne die umstrittenen Wirkverstärker, welche bei den Impfstoffen in Europa gegen die Schweinegrippe verwendet wurden. Bei den ersten umfassenden Impfungen mit dem neuen Impfstoff, traten jedoch oftmals erhebliche Nebenwirkungen auf. Zahlreiche Patienten litten nach der Verabreichung an schweren Fieberkrämpfen und ein zweijähriges Kind verstarb ohne bekannte Vorerkrankungen innerhalb von 12 Stunden nach der Impfung. Daher hat die australische Regierung ihre Impfempfehlungen zurückgezogen und rät gesunden Kindern nun von Grippeimpfung mit „Fluvax Junior“ ab.

So ist das Misstrauen der Deutschen gegen Grippeschutzimpfungen durchaus nicht ganz unbegründet und es bleibt zu bezweifeln, ob die Patienten in Zukunft häufiger den Ratschlägen zur jährliche Schutz-Impfung folgen werden. Da die Impfmitteln neben den Wirkstoffen zum größten Teil auch Konservierungsstoffe auf Basis von Formaldehyd und Quecksilberverbindungen enthalten, bestehen auch in der Naturheilkunde erhebliche Vorbehalte gegenüber umfassenden Grippeimpfungen. Hier wird außerdem darauf verwiesen, dass die Grippeviren zum Teil in Hühnereiweiß kultiviert werden und Menschen mit Allergien daher vorsichtig sein sollten. (fp)