Mehr Beschneidungen in Deutschland bei Jungen

Alfred Domke

Zahl der Beschneidungen bei Jungen im Vorschulalter gestiegen

20.10.2013

Die Zahl ambulanter Beschneidungen von Jungen unter fünf Jahren sei in den vergangenen fünf Jahren um ein Drittel gestiegen. Es gebe Hinweise auf Abrechnungsbetrug.

Ein Drittel mehr Beschneidungen
Wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) mitteilte, ist die Zahl der ambulanten Beschneidungen von Jungen unter fünf Jahren in den Jahren 2008 bis 2011 um 34 Prozent gestiegen. Für die Jahre 2006 bis 2011 verzeichnete die Krankenkasse AOK einen Zuwachs von 30 Prozent bei Vorhaut-Operationen, obwohl in diesem Zeitraum die Zahl der versicherten Jungen um fünf Prozent abgenommen hatte. Obwohl eine medizinische Indikation nur selten vorliegen würde, werden die Kosten von den Krankenkassen übernommen.

Vorhautverengung kann ein Grund sein
Ein verbreiteter Grund für eine Beschneidung kann eine Vorhautverengung sein, die den Harnfluss behindert und zur Folge hat, dass die Vorhaut sich beim Urinieren aufbläht. Hier kommt der Eingriff eines Urologen im besten Wortsinne oft einer Befreiung gleich, denn sie behebt gesundheitliche Folgen wie Blasenentleerungsstörungen sowie wiederholte Entzündungen und Harnwegsinfekte. Generell ist die Entfernung der Vorhaut mit einem geringen Operationsrisiko und guten kosmetischen Ergebnissen verbunden. Dennoch gibt es – wie bei jedem anderen Eingriff auch – Gefahren: In seltenen Fällen zieht die Operation schmerzhafte Wundinfektionen, Nachblutungen oder gar Harnröhrenverletzungen nach sich.

Ein lohnendes Geschäft
Beschneidungen sind für Kinderchirurgen ein lohnendes Geschäft. Nach ihren eigenen Angaben führen sie jährlich etwa 21.000 Beschneidungen durch. Demnach kommen bei 300 Euro pro Eingriff mindestens sechs Millionen Euro allein durch Beschneidungen in ihre Kassen. Maximilian Stehr von der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie meinte gegenüber der F.A.S.: „So wird auch klar, warum der Aufschrei der niedergelassenen Kollegen im vorigen Jahr nach dem Kölner Beschneidungsurteil so heftig ausfiel.“

Tricksereien bei Abrechnungen
Recherchen der Zeitung würden zudem nahe liegen, dass Ärzte bei den Abrechnungen tricksen würden. So werde im ambulanten Bereich die teure Vorhautplastik, bei der die Vorhaut erhalten bleibt, bis zu 20 Mal häufiger abgerechnet, als die vollständige Entfernung der Vorhaut. Laut einer AOK-Sprecherin sei nicht nachvollziehbar, welche Operation tatsächlich vorgenommen wurde: „Wir können in der Tat nicht überprüfen, ob der Arzt den falschen Code aufgeschrieben hat, sprich eine andere Behandlung durchgeführt hat als angegeben.“ (ad)

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Bild: Nicole Celik / pixelio.de