Mindesthaltbarkeit: Lebensmittel halten länger

Sebastian

Lebensmittel halten in der Regel länger, als das Mindesthaltbarkeitsdatum verspricht

16.03.2012

Während in vielen Teilen der Erde die Menschen täglich vor Hunger sterben, kennen viele hierzulande kein echtes Hungergefühl. Jedes Jahr wirft eine Person in Deutschland durchschnittlich 82 Kilo Lebensmittel in den Müll. Das sind bei bei einer Gesamtbevölkerung von gerechneten 82 Millionen Einwohner rund 6724000000 Kilo Nahrungsmittel jährlich, die im Abfall landen. Ein großer Teil des eigentlich wertvollen Müllberges ließe sich vermeiden, wenn die Menschen nicht in Übermaß einkaufen und Lebensmittel länger verwenden, als auf den Verpackungen als Mindesteinhaltbarkeitsdatum steht. Von vielen Menschen wird das Mindesthaltbarkeitsdatum oft missverstanden.

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Riesige Mengen Lebensmittel werden täglich entsorgt
Jedes Jahr schmeißen die Deutschen über 6,7 Tonnen Lebensmittel in den Hausmüll. Demnach schmeißt jeder Bundesbürger etwa 82 Kilogramm Nahrung pro Jahr weg. Zu diesem Ergebnis kam eine aktuelle Studie der Universität Stuttgart. Die Forscher errechneten, dass jeder Mensch etwa im Schnitt 235 Euro quasi jährlich wegschmeißt, weil er das eingekaufte Lebensmittel nicht mehr isst. Somit ergibt sich eine erstaunliche Gesamtsumme von rund 21,6 Milliarden Euro pro Jahr, die in der Bundesrepublik im Müll landet.

Die Forscher analysierten, warum über 50 Prozent der weggeworfenen Nahrungsmittel eigentlich vermieden werden könnten. Es lohne sich „besonders bei Gemüse, Obst, Eiern und Milcherzeugnissen“ genauer hinzuschauen. Viele Verbraucher kennen den Unterschied zwischen dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und dem Verbrauchsdatum nicht. Bei Produkten, die verpackt sind, heißt nämlich das Überschreiten des Mindesthaltbarkeitsdatum noch lange nicht, dass dass das Lebensmittel nicht mehr genießbar ist. Als Regel gilt, ist ein verpacktes Lebensmittel lange haltbar, kann es auch länger als das angegebene MHD verbraucht werden, wie Rosemarie Weber vom vom „Netzwerk Haushalt“ erklärte. Aufklärung scheint angesichts dieser Zahlen die beste Möglichkeit zu sein, um Lebensmittel-Müllberge künftig zu reduzieren. Denn die Haltbarkeit verschiedener Lebensmittel kann durchaus verlängert, wenn der Einkauf insgesamt strukturiert wird und Hygienemaßnahmen beachtet werden.

Richtiges Einkaufen mindert das Wegwerfen von Nahrungsmitteln
Vor jedem Einkauf spielt die Planung eine große Rolle. Abfälle lassen sich vermeiden, wenn der Einkauf mit System vollzogen wird. Daher sollten Verbraucher sich vor jedem Einkauf genau überlegen, was sie wirklich benötigen. Ist ein Kochrezept geplant, sollten die Zutaten auf einer Liste festgehalten werden. Sinnig ist in diesem Zusammenhang auch zu überlegen, welche übriggebliebenen Zutaten für ein zweites Gericht am nächsten Tag verwendet werden können. Weil die Zutaten für ein Gericht oft zu viel sind, landen diese später im Müll. Die meisten Menschen lassen sich auch durch die Werbung leiten und kaufen Produkte, die sie später überhaupt nicht verzehren.

Gute Lagerung lässt Lebensmittel länger haltbar
Ein wichtiger Teilaspekt ist die richtige Lagerung von Lebensmitteln. Damit Gemüse und Obst länger haltbar bleibt, sollte es trocken, kühl und dunkel gelagert werden. Der Kühlschrank sollte in kontinuierlichen Abständen gereinigt werden. Insbesondere Fleisch und Wurstwaren müssen luftdicht verpackt sein, damit mögliche Schimmelpilze oder Keime nicht übergreifen können.

Nach jeder Zubereitung von Essen muss die Arbeitsfläche nach jedem Arbeitsschritt gereinigt werden. Gemüse und Fleisch sollte grundsätzlich auf unterschiedlichen Brettchen und mit verschiedenen Küchenmessern zubereitet werden.

Haltbarkeit von Fleisch, Eiern und Milcherzeugnissen
Besondere Vorsicht gilt immer bei Eiern und Milchprodukten. Allerdings müssen auch diese Waren nicht sofort entsorgt werden, wenn das Mindesteinhaltbarkeitsdatum erst kurze Zeit vergangen ist. Kaum jemand weiß, dass auch Joghurts in vielen Fällen bis zu drei Wochen nach Ablauf des angegebenen Datums weiterhin essbar sind. Das gilt auch für Käsewaren- insbesondere für Hartkäse, der ebenfalls in der Regel mindestens zwei Wochen länger genießbar ist. Hat sich schon Schimmel gebildet oder hat sich die Farbe verändert, sollten auch diese Lebensmittel entsorgt sein. Es lohnt sich aber dennoch wenigstens einen Blick zu werfen, um nicht Nahrungsmittel in den Abfall zu geben, das noch haltbar ist.

Auch Wurst und Fleisch ist vielmals länger haltbar, als angegeben. Allerdings sollten Verbraucher bei Wurst- und Fleischwaren etwas vorsichtiger sein, da sich gerade dort Bakterien tummeln. Rohes Fleisch wie Hackfleisch sollte auf keinen Fall länger als einen Tag im Kühlschrank gelagert werden, wenn es in Rohform gegessen wird. Hat das Fleisch schon seine Farbe verändert, wirkt es schmierig und riecht leicht nach Verwesung.

Fleisch- und Wurstprodukte die eingeschweißt sind, sollten genau geprüft werden. Wenn die Verpackung aufgebläht ist, hat der Verwesungsprozess bereits eingesetzt. Auf Fleisch, dass abgepackt ist, befindet sich das Verbrauchsdatum. Hier besteht ein Unterschied zum Mindesteinhaltbarkeitsdatum! Das Datum gibt nämlich an, bis wann das Fleisch spätestens verzehrt bzw. zubereitet sein soll. Ist das Verbrauchsdatum überschritten, sollte das Fleisch tatsächlich nicht mehr verwendet werden, da ansonsten schwere Lebensmittelvergiftungen drohen, die nicht selten mit Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen enden.

Eier werden am Besten ohne Schachtel gelagert, in denen die Eier gekauft wurden. Die meisten Kühlschränke bieten spezielle Plätze für Eier, dort sollten diese auch untergebracht sein. Der Grund: An den Eier-Schachteln befinden sich oft Keime. Werden die Eier in der Schachtel im Kühlschrank gelagert, können Bakterien oder Pilze auf andere Lebensmittel übergreifen. Zudem sollte ein Ei nicht zu gründlich gereinigt werden, da die Schale einen natürlichen Schutz bildet, damit Krankheitserreger nicht eindringen können. Dann halten sich die Eier mit Naturschutz etwa 14 Tage. Ist das Ei nicht mehr für den Verzehr geeignet, wird dies spätestens beim Aufschlagen deutlich. Die Eier nehmen dann einen übelriechenden Geruch an. Werden die Eier nicht aufgeschlagen, hilft ein einfacher Hausmittel-Test weiter: Das Ei in einer Schale mit kaltem Wasser geben. Sinkt das Ei, ist es frisch. Schwimmt es oben, hat sich im Inneren Luft gebildet. Dann muss das Ei in den Hausmüll.

Obst hält sich länger als gedacht
Obst hält sich länger als gedacht. Auch wenn Bananen, Birnen oder Äpfel schon eine veränderte Farbe angenommen haben oder an manchen Stellen leicht matschig sind, kann das Obst dennoch gegessen werden. Erst wenn das Obst säuerlich oder faulig schmeckt, sollte es nicht mehr verzehrt werden. Sind Orangen nicht mehr schön anzusehen, können aus den Früchten noch Säfte gepresst werden. Macht die Schale von außen einen trockenen Eindruck, schmecken Orangen oder Mandarinen nicht mehr.

Vorsicht bei aufgeblähten Dosen
Konserven sind sehr lange haltbar. Ist der Inhalt der Dose allerdings schon schlecht, können gifte Gase entstehen. Wirkt demnach der Deckel einer Dose aufgebläht, sollte diese auf keinen Fall geöffnet werden. Ansonsten einweicht das toxische Gas Botulinumtoxin, das bereits durch das Einatmen gesundheitliche Schäden anrichten kann.

All diese Beispiele zeigen, dass Lebensmittel durchaus eine längere Zeit noch verwendet werden können, auch wenn das Mindesteinhaltbarkeitsdatum überschritten wurde. Vorkehrungen beim Einkauf, eine adäquate Lagerung und mehr Sorgfalt im Umgang mit Nahrungsmitteln kann den Haushalt finanziell entlasten und unnötige Müllberge vermeiden. (sb)