Mythos Stevia: Produkte nicht naturbelassen

Sebastian

Verbraucherschützer fanden Konservierungsstoffe und andere Süßungsmittel in Stevia-Produkten

31.08.2012

Der österreichische Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat im Verlauf einer Studie herausgefunden, dass die angebotenen Stevia-Produkte bei weitem nicht so natürlich sind, wie sie immer in der Werbung beworben werden. Weil der Süßstoff der Pflanze überwiegend durch industrielle Verfahren gewonnen wird, sei es nach Angaben der Verbraucherschutz „kein naturbelassenes Produkt“ mehr.

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Stevia hat nichts mehr mit Natürlichkeit zu tun
Seit Jahrhunderten ist den Ureinwohnern in Südamerika die Stevia-Pflanze als wohlschmeckende süße Pflanze bekannt. Im Dezember 2011 hatte die EU-Kommission grünes Licht zur europaweiten Verarbeitung der subtropischen Pflanze gegeben. Seit dem ist das eigentlich natürliche Süßmittel mit dem abgespaltenen Stoff Steviolglycosid in Lebensmitteln erlaubt. Doch die Lebensmittelindustrie scheint jede Hoffnung auf eine gesunde Alternative zum herkömmlichen Industriezucker zunichte zu machen. Eine Studie des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) resümiert, dass das Süßmittel Stevia in hierzulande verkauften Produkten nichts mehr mit Natürlichkeit zu tun hat.

Die Verbraucherschützer testeten insgesamt 36 unterschiedliche Stevia Produkte, um zu ergründen, ob diese tatsächlich „naturbelassen“ und „kalorienarm“ sind, wie sie meist von den Herstellern beworben werden. Zwar erfülle Stevia auf den ersten Blick beide Eigenschaften, bei genauerer Analyse seien Stevia-Produkte aber bei weitem nicht so natürlich, wie die Werbung den Konsumenten weiß machen will.

Die Süße kommt von anderen Stoffen
„Denn nur die Steviolglykoside wurden durch die Europäische Union zugelassen und diese werden mit Hilfe eines aufwendigen industriellen Verfahren aus der Naturpflanze herausgelöst“, berichtet die Verbraucherinitiative. Dieses Verfahren werde zum größten Teil in China realisiert. Während des industriellen Vorgangs werden die getrockneten Blätter der Stevia-Pflanze mit Wasser oder Alkohol versetzt. Die Ausfälle werden im Anschluss mit Salzen, Entfärbern und Harzen behandelt. Darauf folgt nun die Entsalzung und Kristallisation aus alkoholischen Lösungen, bis der Süßstoff (Steviolglykosid) mit einem Reinheitsgrad von mindestens 95 Prozent vorliegt. Zusätzlich wird den Stevia-Sorten oft auch Konservierungsmittel, Stabilisatoren oder Trennmittel beigemengt, wenn diese in Tabletten oder Pulverform angeboten wird.

„Die Süße kommt oft von anderen Stoffen“, heißt es weiter. Denn in jedem dritten Produkt fanden die Experten im Labor weitere Süßungsmittel. In zehn der 36 Sorten war sogar konventioneller Zucker enthalten. „Stevia ist gar nicht so natürlich, aber Steviolglykoside sind auch nicht besser oder schlechter als andere Süßstoffe“, lautet nunmehr das abschließende Resümee des VKI.

In Österreich sah sich das Gesundheitsministerium nun dazu veranlasst, Werbesprüche von Lebensmittelherstellern wie „mit Stevia gesüßt“ oder „natürlich gesüßt“ zu verbieten, damit der Verbraucher nicht mehr offensichtlich getäuscht wird. (sb)