Stevia: Natürliche Süße ohne Kalorien zugelassen

Sebastian

Natürliche Süße Stevia ohne Kalorien in der EU zugelassen

16.11.2011

In der Naturheilkunde gilt das Honigkraut Stevia seit langer Zeit als der süße Geheimtipp schlecht hin. Indianer in Südamerika nutzen die Pflanze bereits seit Jahrhunderten, um Speisen eine angenehme Süße zu verleihen. In Brüssel hat die EU-Kommission am Montag der subtropischen Pflanze ein grünes Licht erteilt. Ab sofort ist die Verarbeitung des natürlichen Süßmittels Steviolglycosid in Lebensmitteln Europaweit erlaubt. Die Erteilung hatte einige Zeit angedauert, weil zunächst alle EU-Mitgliedsstaaten hierzu befragt werden mussten. Zudem hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) einige Untersuchungen unternommen, um eine Unbedenklichkeit zu bescheinigen. Studien haben nun alle Verdachtsmomente, nachdem Stevia angeblich Krebs-auslösend oder Erbgut-schädigend sein soll, entkräftet. Demnach ist die Süßpflanze gesundheitlich verträglich und unbedenklich.

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Stevia ist süßer als Zucker
Der Natur-Süßstoff wird aus Blättern der im südamerikanischen Paraguay wachsenden Pflanze Stevia gewonnen. Nach Angaben der Anbaubetriebe soll der Geschmack etwa 30 mal süßer sein, als Rohrzucker. Ein eindeutiger Vorteil gegenüber Industriezucker ist der Kalorienanteil: Stevia verfügt über keinerlei Kalorien und kann somit bestens für eine Fettreduzierte und Kaloriensparende Ernährungsweise eingesetzt werden. Schon jetzt plant die Lebensmittelindustrie den Einsatz der Naturpflanze in kalorienreduzierten Getränken, Müslis, Joghurts oder Schokolade. Der weltweit größte Getränkehersteller Coca-Cola hat angekündigt, eine ganze Palette neuer Getränke auch in Deutschland auf dem Markt zu bringen. In den USA und Frankreich hat der Konzern bereits Softdrinks mit Stevia eingeführt. In Deutschland wird zunächst der Einsatz erforscht, um später den Rohstoff ohne Kalorien zu produzieren. Bereits im Jahre 2007 hatte Coca-Cola 24 Patente zur Verwendung der Pflanze angemeldet und arbeitet seit dem mit der Partnerfirma Cargill am Ausbau der Produktpalette zusammen. Die Kommerzialisierung der Heilpflanze hat somit bereits vor Jahren begonnen.

Weiterhin hat die EU beschlossen, dass sich Konsumenten künftig leichter über legale Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln informieren können. Die europäische Kommission stellte zwei neue Listen aus ihrer Datenbank online. Auf der Internetseite werden ab Juni 2012 alle Zusatzstoffe in Lebensmitteln aufgeführt. In diesem Kontext können Verbraucher genau erkennen, in welchen Produkten die Stoffe zugefügt sind. Eine zweite Liste zeigt Zusätze in Stoffen, die Lebensmitteln beigemengt werden, wie z.B. Aromen und Nährstoffe. Die Liste wird in einigen Wochen vorgestellt und online verfügbar sein. Bis zum Jahre 2020 will die Europabehörde alle der 320 in der EU erlaubten Zusatzstoffe erneut auf den Prüfstand stellen. Ein besonderes Augenmerk wollen die Experten auf den künstlichen und gesundheitlich umstrittenen Süßstoff Aspartam legen. Laut einer Untersuchung des Department of Health und Human Services in den USA, kann der Stoff zu Kopfschmerzen, einem gesteigerten Hungergefühl, Schwindel, Muskelkrämpfen, Herzklopfen, Atmungsschwierigkeiten, Beklemmungen und vielen weiteren Beschwerden führen. Trotz mehrerer Studienarbeiten, bleibt der Kunst-Süßstoff weiterhin zugelassen. Kritiker bemängeln, dass der Einfluss der Lobbyisten in Brüssel weiterhin ein Verbot behindert.

Natürliche Süßpflanze für Diabetiker geeignet
Stevia soll nicht nur süßer als Zucker, sondern im Gegensatz zu künstlichen Süßstoffen geschmacklich dem Handelszucker sehr ähnlich sein. Ein weiterer Vorteil des Honigkrauts ist die Verträglichkeit für Diabetiker, da der Blutzuckerspiegel nicht erhöht wird. Einige Untersuchungen weisen sogar darauf hin, dass der Blutzucker durch den Verzehr gesenkt werden kann. In der Naturheilkunde findet die „Stevia Rebaudiana“ als Heilpflanze eine vielfältige Anwendung. So wird Stevia beispielsweise als Mittel gegen Sodbrennen und zur Senkung von Bluthochdruck eingesetzt. Eine weitere vorteilhafte Wirkung ist die Hemmung von Zahnbelägen (sog. Plaques), weshalb die Pflanze auch in Mundwassern und Zahnpasten eingesetzt wird.

Während in Europa erst jetzt die beinahe überfällige Zulassung erteilt wurde, wird Stevia in Japan bereits seit über 50 Jahren angebaut und genutzt. In der japanischen Lebensmittelindustrie wird das Süßkraut in zahlreichen Speisen und Getränken verwendet und soll bereits einen Marktwert von über 40 Prozent erlangt haben. (sb)