Fettlebererkrankungen sind mit einem deutlich erhöhten Herzinfarkt-Risiko verbunden, wobei der Zusammenhang offenbar durch eine verstärkte Plaquebildung in den Herzkranzgefäßen verursacht wird. Eine erfolgreiche Behandlung der Fettleber könnte demnach auch die kardiovaskuläre Gesundheit schützen.
Ein internationales Forschungsteam unter Federführung von Fachleuten der Harvard Medical School hat die Zusammenhänge zwischen Fettlebererkrankungen, der Zusammensetzung koronarer Plaques und dem Auftreten schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignissen untersucht. Die Ergebnisse sind in dem Fachmagazin „Clinical Gastroenterology and Hepatology“ veröffentlicht.
Fettleber belastet Herzgesundheit
Dass die verschiedenen Formen der Fettlebererkrankungen auch das Herz-Kreislauf-System belasten können, war bereits aus früheren Untersuchungen bekannt. So kamen Forschende schon 2022 in einer Studie zu dem Schluss, dass eine Fettleber die Herzgesundheit beeinträchtigt.
Auch wurden Fettlebererkrankungen unabhängig von anderen kardiovaskulären Risikofaktoren mit schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen in Verbindung gebracht, aber auf welchen Mechanismen dieser Zusammenhang beruht, blieb bislang weitgehend unklar.
In der neuen Studie untersuchten die Forschenden jetzt an mehr als 3.600 Personen, von denen rund ein Viertel an einer Fettleber litt, ob die Erkrankung über ihren Einfluss auf die Bildung koronarer Plaques mit dem Risiko schwerer kardiovaskulärer Erkrankungen verbunden ist.
Erhöhtes Risiko für Herzinfarkte
Im Vergleich zu den Teilnehmenden ohne Fettleber wiesen die Betroffenen mehr kardiovaskuläre Risikofaktoren und eine fast doppelt so hohe Rate an Herzinfarkten und anderen schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen auf, berichtet das Team.
Bei den koronaren Plaques zeigten Teilnehmende mit Fettlebererkrankungen ebenfalls auffällige Unterschiede im Vergleich zu der Kontrollgruppe. So waren mittels Computertomographie deutlich mehr „weiche“, rupturanfällige Plaque in ihren Herzkranzgefäßen nachweisbar, erläutern die Forschenden.
Koronare Plaques als Ursache
Dies deute darauf hin, dass die Plaquesbildung einen Mechanismus bilde, der die Fettlebererkrankungen mit dem erhöhten Risiko für Herzinfarkte und andere schwere kardiovaskuläre Ereignisse verbinde.
Den Berechnungen des Forschungsteam zufolge werden elf Prozent des Zusammenhangs zwischen den Fettlebererkrankungen und schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen durch die Last an nicht-kalzifizierten Plaques vermittelt.
Die Ergebnisse untermauern das Konzept einer „Leber-Herz-Verbindung“, bei der überschüssiges Fett und Entzündungen in der Leber Veränderungen der Herzkranzgefäße vorantreiben, die zu Herzinfarkten führen können, erklären die Forschenden.
Fettleber eine Herz-Risikofaktor
Fettlebererkrankung betreffen nicht nur die Leber, sondern sie sind auch ein wichtiger Marker für das Risiko von Herzerkrankungen, betont der Studienautor Jan Brendel von der Harvard Medical School. Und eine Fettlebererkrankung lasse sich auf routinemäßigen Herz-CT-Aufnahmen erkennen.
Inwiefern eine Behandlung der Fettlebererkrankung auch die gefährliche Plaquebildung verlangsamen oder sogar rückgängig machen kann und ob damit auch das Risiko für Herzinfarkte und andere kardiovaskuläre Ereignisse tatsächlich sinkt, gelte es nun in weiteren Studien zu ermitteln. (vb)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Jan M. Brendel, Thomas Mayrhofer, Nóra M. Kerkovits, Márton Kolossváry, Sara Ersözlü, Brooke Alhanti, Kathleen E. Corey, Neha Pagidipati, Svati H. Shah, Nandini M. Meyersohn, Maros Ferencik, Michael T. Lu, Stefania Lamon-Fava, Udo Hoffmann, Pamela S. Douglas, Borek Foldyna: Hepatic Steatosis Is Associated With Increased Cardiovascular Risk Through Adverse Coronary Plaque Composition; in: Clinical Gastroenterology and Hepatology (veröffentlicht 20.05.2026), cghjournal.org
- Harvard Medical School: Study Illuminates Link Between Fatty Liver Disease and Heart Attacks (veröffentlicht 28.05.2026), harvard.edu
- Alan C. Kwan, Nancy Sun, Matthew Driver, et al.: Cardiovascular and hepatic disease associations by magnetic resonance imaging: A retrospective cohort study; in: Frontiers in Cardiovascular Medicine (veröffentlicht 17.10.2022), frontiersin.org
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