Neue Strategie schützt Brustkrebspatientinnen vor Osteoporose

Sebastian
Brustkrebs: Neue Strategie schützt vor Osteoporose
Auch wenn in der Krebstherapie in den vergangenen Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht wurden, haben viele Patienten noch immer an oft schweren Nebenwirkungen und Folgeerkrankungen zu leiden. Bei Brustkrebspatientinnen etwa wird durch die Behandlung das Osteoporose-Risiko erhöht. Forscher zeigten nun, dass eine neue Strategie vor Knochenschwund schützen kann.

Nebenwirkungen und Folgeerkrankungen
Laut Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) wird in Deutschland pro Jahr bei über 70.000 Frauen ein Brusttumor festgestellt. Rund 17.000 Frauen sterben jedes Jahr daran. Krebs ist ohnehin schon ein schweres Los, erschwerend hinzu kommt, dass die Therapien meist mit schweren Nebenwirkungen und Folgeerkrankungen einhergehen können. So kann eine fünf Jahre dauernde antihormonelle Behandlung Frauen mit östrogenabhängigem Brustkrebs zwar vor Rückfällen schützen. Doch dadurch wird auch das Risiko für Osteoporose (Knochenschwund) erhöht. Forscher konnten nun eine wirksame Gegenstrategie belegen.

Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchung
Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchung

Großteil der Brustkrebserkrankungen von Geschlechtshormonen abhängig
Die Ergebnisse stammen von der österreichischen Studiengruppe für Brust- und Darmkrebs „ABCSG“ („Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group“). Wie „science.orf.at“ berichtet, haben über 3.000 Patientinnen mit hormonabhängigem Brustkrebs nach der Menopause und hunderte Ärzte in 65 Behandlungszentren in Österreich an der Studie teilgenommen. „Es hat sich um die bisher größte Brustkrebsstudie Österreichs gehandelt“, erklärte Michael Gnant, ABCSG-Präsident und Vorstand der chirurgischen Universitätsklinik im Wiener AKH. Vorausgegangen ist der Untersuchung eine lange wissenschaftliche Arbeit der ABCSG zu Brustkrebserkrankungen, die von den weiblichen Geschlechtshormonen abhängig sind. Dies trifft auf rund 70 Prozent zu. Bereits vor Jahren konnte bei bestimmten Patientinnen eine Behandlung mit antihormonellen Substanzen als Alternative zur deutlich nebenwirkungsreicheren Chemotherapie etabliert werden.

Standardtherapie fördert Knochenschwund
„Die Standardtherapie für hormonabhängigen Brustkrebs nach der Menopause ist eine antihormonelle Behandlung mit sogenannten Aromatasehemmern nach der Operation. Man strebt eine fünf Jahre dauernde Therapie an“, so Gnant. Solche Medikamente blockieren die körpereigene Östrogenproduktion bei Frauen. Dies hat zur Folge, dass Krebszellen langsamer wachsen und auch Rückfälle deutlich seltener auftreten. Allerdings besteht dabei das Problem, dass die antihormonelle Behandlung das Entstehen von krankhaftem Knochenschwund (Osteoporose) mit nachfolgenden Frakturen – wie etwa Oberschenkelhalsbrüche, Wirbelkörpereinbrüche oder Armbrüche nach Stürzen – fördert. „Das ist bei rund 15 Prozent dieser Brustkrebspatientinnen der Fall“, erklärte Gnant.

Patientinnen „schwerwiegende Langzeitfolge der Krebstherapie ersparen“
Deshalb suchten die Wissenschaftler nach einer Gegenstrategie. Dafür wurden 3.425 solcher Patientinnen per Zufall in zwei Gruppen eingeteilt, wobei die Hälfte zwei Mal jährlich eine Substanz („Denosumab“, ein monoklonaler Antikörper) injiziert erhielt, die zur Behandlung der Osteoporose eingesetzt wird. Die andere Hälfte der Patientinnen bekam ein Placebo. Das Ergebnis der Studie, die zwischen Ende 2006 und 2013 lief: Bei den Frauen mit der medikamentösen Behandlung sank die Häufigkeit von Knochenfrakturen um insgesamt 50 Prozent. Darüber hinaus erhöhte sich bei ihnen die Knochendichte in der Wirbelsäule um zehn Prozent, an der Hüfte um acht und im Oberschenkelhals um sechs Prozent. Gnant sagte zu der Studie: „Wir können damit den Patientinnen ohne zusätzliche Nebenwirkungen eine schwerwiegende Langzeitfolge der Krebstherapie ersparen. Es ist ein bahnbrechendes Ergebnis, die Eindeutigkeit hat sogar uns überrascht. Unsere Daten müssen jedenfalls Einfluss auf die tägliche Praxis in der Behandlung dieser Brustkrebspatientinnen in der Zukunft haben.“ Im Juni sollen beim Jahreskongress der Amerikanischen Onkologengesellschaft Details präsentiert werden. (ad)

/span>