Neuer Therapieansatz in der Depressionsbehandlung

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Therapie bei Depressionen

Neuer operativer Therapieansatz in der Depressionsbehandlung

An dem besonders im Bereich der Biomedizin renommierten Universitätsklinikum Heidelberg haben Neurochirurgen um Dr. Karl Kiening, den Sektionsleiter für Stereotaktische Neurochirurgie, einen weltweiten bisher einzigartigen Eingriff durchgeführt. An einer an 64jährigen, nach Angaben des Klinikums seit 46 Jahren an Depressionen leidenden, Patientin, die im Laufe ihrer Leidensgeschichte schon zwei Suizidversuche unternommen hat, wurden erfolgreich Elektroden an einer kleinen doppelseitige Struktur in der Hirnmitte implantiert. In der Vergangenheit war die Frau schon mit Elektrokrampftherapie und Medikamenten erfolglos behandelt worden.

Am 3. Juni dieses Jahres implantierten die Neurochirurgen unter Nutzung eines neuartigen intraoperativen Hochfeld-Kernspin- Gerätes, welches zur Überprüfung der Exaktheit der implantierten Drähte und Elektroden dient, zwei Elektroden zur Stimulation an den Habenulae (lat. Habena= Zügel), die auch Epiphysenstile genannt werden.

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Wissenschaftlicher Hintergrund der Operation
Der deutsche Dr. Alexander Sartorius, vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim, und der us- amerikanische Psychater Prof. Fritz A. Henn (vormalig Leiter des Mannheimer Institutes), vom amerikanischen Brookhaven National Laboratory in New York, publizierten schon 2007 die These, dass die seitlichen Habenulae als übergeordnetes Steuerungssystem für die Serotonin- und Noradrenalin- Ausschüttung einen starken Einfluss auf Depressions- Beschwerdebilder haben („Tiefenhirnstimulation (DBS) der lateralen Habenula“). Eine Hyperaktivität der Habenulae führt demnach zu einer Herunterregelung des Serotonin-, Noradrenalin- und Dopamin- Systems, welches auch immer wieder mit Depressionen in Verbindung gebracht wird. Bisher wurde in biochemischen Behandlungsansätzen, in Zusammenhang mit der sogenannten Monoamin- These, bei der Depression immer an den eher untergeordneten Strukturen medikamentös oder mit Stimulation angesetzt.

Effektivität und Zukunft in der Depressionsbehandlung
Aufgrund eines Unfalls der Patientin, nach dem aufgrund eines Jochbein- Bruchs ein EKG durchgeführt werden sollte, mussten im November die Elektroden bei der Patientin wohl für einige Tage abgeschaltet werden. Daraufhin stellte sich die Depression wieder ein. Nach Wiedereinschaltung und erneuter Stimulierung der Habenulae stabilisierte sich aber der Zustand der Patientin nach wenigen Wochen wieder. Dies deuteten die beteiligten Mediziner als belegbaren Beweis für den Erfolg des Eingriffs.

In Zusammenarbeit wollen deshalb die Psychiater vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim und die Neurochirurgen vom Heidelberger Universitätsklinikum nun eine klinische Studie über Habenulae- Stimulationen bei schwer depressiven Patienten an fünf deutschen psychatrisch- neurochirurgischen Zentren durchführen.

Die Mannheimer und Heidelberger Institution sind international jeweils anerkannte Zentren in Bereichen wie der modernen Biomedizin- und Psychatrieforschung. So steht wohl zu erwarten, dass die neuen Erkenntnisse, in der möglichst effektiven Depressionsbehandlung, für Betroffene einen großen Schritt zur Verbesserung ihrer Lebensqualität darstellen werden. (09.01.2010)