Nonnen haben ohne Pille höheres Krebsrisiko

Astrid Goldmayer

Katholische Nonnen haben laut einer Studie ohne Anti-Baby-Pille ein höheres Krebsrisiko

09.12.2011

Laut einer kürzlich im wissenschaftlichen Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichten Studie, haben katholische Nonnen ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko, da sie in der Regel keine Antibabypille einnehmen. Die Gefahr, einen bösartigen Tumor an Eierstöcken oder Gebärmutter zu bekommen, könnte um 60 Prozent verringert werden, wenn die Ordensfrauen hormonelle Verhütungsmittel einnehmen würden, berichten die australischen Krebsforscher Kara Britt und Roger Short in ihrem neuerlich veröffentlichten Beitrag. Doch die hormonell wirkende Pille ist nicht für jede Frau nach Aspekten der Gesundheit geeignet.

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Aufgrund der möglichen Senkung des Krebsrisikos durch die Pille fordern die Wissenschaftler einen freien Zugang zu oralen Kontrazeptiva für alle Ordensschwestern. Die australische Bischofskonferenz erklärte, dass seitens der Kirche nichts gegen die Anwendung der Pille aus medizinischen Gründen spräche. Brian Lucas, der Generalsekretär der Bischofskonferenz, äußerte sich gegenüber dem neuseeländischem Fernsehen: „ Dabei gibt es überhaupt kein ethisches Problem.“ Er sähe eine Reihe von Gründen, aus denen sich Nonnen ein Hormonpräparat verschreiben lassen könnten.

Dennoch sieht Kara Britt eine Gefahr darin, dass Nonnen aufgrund der ablehnenden Haltung der katholischen Kirche gegenüber künstlicher Verhütung von einer Anwendung der Pille absehen könnten. 1968 lehnte Pabst Paul VI offiziell mit der Enzyklika „Humanae vitae“ eine künstliche Geburtenkontrolle ab. Aus dem Dokument geht aber auch hervor, dass die Kirche „therapeutische Maßnahmen, die zur Heilung körperlicher Krankheiten notwendig sind, nicht für unerlaubt“ halte „auch wenn daraus aller Voraussicht nach eine Zeugungsverhinderung eintritt.“

Hormonelle Verhütungsmittel haben Risiken
Obwohl in der Studie Evidenz basiert nachgewiesen wurde, dass Nonnen und andere kinderlose Frauen ein deutlich höheres Risiko für Eierstock- oder Gebärmutterkrebs hätten, da sie in ihrem Leben mehr Menstruationszyklen haben, dürfe nicht übersehen werden, dass auch die Einnahme von Hormonpräparaten risikobehaftet sei, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt „The Lacet“.

Zu den möglichen Nebenwirkungen der Antibabypille gehören Migräne, Übelkeit und Erbrechen, Gewichtszunahme, Spannungsgefühl in den Brüsten, Stimmungsveränderungen und Abnahme sexueller Lust. Es können auch Thrombosen, Bluthochdruck und Funktionsstörungen der Leber auftreten. Frauen mit Vorerkrankungen sollten unbedingt ärztlich abklären, ob die Antibabypille für sie geeignet ist. Immer wieder wird die Pille hoch riskant verschrieben. Erst kürzlich wurde bekannt, dass zwei Präparate des Pharmakonzern „Bayer“ im Verdacht stehen, das Risiko für die Entstehung von Thrombosen zu erhöhen. Es handelt sich um die Antibabypillen „Yasmin“ und „Yaz“. Die us-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA kündigte an, dies eindringlich zu prüfen.

Es bleibt Frauen auch weiterhin nur die Möglichkeit abzuwägen, ob die Vor- oder Nachteile der Antibabypille für sie persönlich überwiegen. Entscheidet sich eine Frau für die Pille, ist eine Beratung beim Facharzt unerlässlich zumal die Pille in Deutschland verschreibungspflichtig ist. In der Naturheilkunde werden hingegen hormonelle Mittel als Eingriff in den Hormonhaushalt des Körpers abgelehnt. Als Alternative empfehlen einige Heilpraktiker die mexikanische wilde Yamswurzel an. Der Pflanzenwirkstoff spielte bereits bei der Erfindung der konventionellen Antibabypille eine tragende Rolle. (ag)

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Bild: Paul-Georg Meister / pixelio.de