Norovirus in Lübecker Sana-Kliniken

Fabian Peters

Mehrere Stationen Sana-Kliniken in Lübeck wegen Noroviren gesperrt

08.12.2012

In den Lübecker Sana-Kliniken sind mehrere Patienten an einer Norovirus-Infektion erkrankt. Drei Stationen wurden aufgrund des Nachweises der hochansteckenden Erreger gesperrt. Als zweite Klinik in Schleswig-Holstein hat derzeit auch die Herzklinik am Kurpark in Bad Segeberg mit Norovirus-Infektionen zu kämpfen. In beiden Krankenhäusern wurden Gegenmaßnahmen eingeleitet, die eine weitere Ausbreitung der Noroviren verhindern sollen.

Bei zehn Patienten der Sana-Kliniken in Lübeck wurde die Norovirus-Infektion bereits bestätigt, neun weitere Verdachtsfälle werden aktuell noch überprüft. Den Angaben des Klinikums zufolge gelangten die Erreger vermutlich mit bereits infizierten Patienten in das Krankenhaus und breiteten sich hier anschließend aus. Die betroffenen Patienten wurden isoliert, drei Stationen gesperrt und umfassende Desinfektionsmaßnahmen eingeleitet. Der Rettungsdienst gab die Anweisung, das Klinikum vorerst nicht länger anzufahren, sondern stattdessen auf die Notaufnahme der Universitätsklinik auszuweichen. Der Aufnahmestopp ist die wichtigste Maßnahme in einem Krankenhaus, um neue Patienten keiner Ansteckungsgefahr auszusetzen, erläuterte der Professor Dr. Johannes Knobloch vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein die aktuellen Maßnahmen. Dem Experten zufolge ist aktuell die klassische Jahreszeit für Norovirus-Infektionen.

Norovirus-Infektionen für Immungeschwächte ein erhebliches Gesundheitsrisiko
Norovirus-Infektionen verlaufen in der Regel relativ kurz und heftig. Die Betroffenen leiden typischerweise unter Beschwerden wie Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen – oftmals begleitet von Kopfschmerzen und Muskelschmerzen. Aufgrund des massiven Flüssigkeitsverlustes sind Norovirus-Infektionen für Säuglinge, Kleinkinder und ohnehin immungeschwächte Patienten ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsrisiko. Die Ausbreitung der Erreger in einem Krankenhaus ist auch aus diesem Grund äußerst kritisch zu bewerten. In den Lübecker Sana-Kliniken ist die Patientenzahl mit einer Norovirus-Infektion jedoch bereits wieder stark rückläufig, so dass laut Aussage des Geschäftsführer Klaus Abel kein besonderer Anlass zur Beunruhigung besteht. Ab Montag soll der Klinikbetrieb wieder seinen gewohnten Gang nehmen.

Norovirus-Infektionen in der Herzklinik Bad Segeberg
Von den Norovirus-Infektionen in der Herzklinik in Bad Segeberg sind deutlich weniger Patienten betroffen, doch auch hier wurden umfassenden Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt. „Bei einem Patienten ist das Virus nachgewiesen, bei weiteren vier bis fünf Fällen besteht ein Verdacht“, erläuterte der Kliniksprecher, Robert Quentin. Die betroffenen Patienten wurden ebenfalls isoliert und das Personal angewiesen, spezielle Hygienemaßnahmen zu treffen. So ist zum Beispiel vorübergehend die Nutzung von Einmalkitteln vorgeschrieben und zur Reinigung wird derzeit ein etwas aggressiveres Hautdesinfektionsmittel benutzt, berichtet das Klinikum. Die betroffenen Patienten sollten sich in der Klinik Bad Segeberg von einem Eingriff am Herzen zu erholen.

Hohes Infektionsrisiko bei Noroviren
Noroviren sind extrem ansteckend und entsprechend schwierig ist die Ausbreitung nach einem Ausbruch unter Kontrolle zu bringen. Die hochpathogenen Erreger werden meist auf fäkal-oralem Weg per Schmierinfektion übertragen. Noroviren, die mit dem Stuhl, Speichel oder Erbrochenem ausgeschieden werden, infizieren die Mitmenschen. Auch mit Viren kontaminierte Getränke, Speisen und Gegenstände können dabei als Infektionsquelle fungieren. In Gemeinschaftseinrichtungen, wie Pflegeheimen, Krankenhäusern, Jugendherbergen oder Schulen, ist das Übertragungsrisiko aufgrund des engen Kontakts der Bewohner untereinander und der gemeinschaftlich genutzten Toiletten besonders hoch. Die Inkubationszeit bei einer Norovirus-Infektion beträgt normalerweise nicht länger als zwei Tage, die Erkrankung an sich dauert höchsten drei Tage. (fp)

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Bild: Aka / pixelio.de