Ökotest: Bestnoten für Naturarzneimittel

Sebastian

Die meisten getesteten pflanzlichen Arzneimittel der Naturheilkunde schnitten bei Ökotest in Wirksamkeit und Verträglichkeit "sehr gut" oder "gut" ab

02.05.2011

Immer mehr Menschen vertrauen auf natürliche Arzneimittel und befinden diese als wirksam und beinahe frei von Nebenwirkungen. Diese Einschätzung bestätigt nun auch eine aktuelle Analyse der alternativen Verbraucherzeitschrift „Ökotest“. Insgesamt 115 Arzneien gegen Schlafstörungen, Schmerzen und Verdauungsbeschwerden wurden untersucht. Nach Angaben des Untersuchungsleiters Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz waren die meisten Präparate wirksam und für den Menschen gut verträglich.

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Natürliche Abführmittel bei Verdauungsproblemen
Insgesamt 16 natürliche Abführmittel testete die Zeitschrift, acht der pflanzlichen Mittel erhielten das Prädikat „sehr gut“, zwei weitere Arzneien wurden mit „gut“ bewertet. Natürliche Abführhilfen enthalten beispielsweise quellend wirkende indische Flohsamen. Solche Mittel haben sich bei den Analysen laut Ökotest am effektivsten erwiesen und gelten somit als das „Mittel der Wahl“. Mittel die die Darmwand anreizen hätten sich in Studien ebenfalls als wirkungsvoll erwiesen. Darunter sind Mittel die Inhaltsstoffe des Sennesblätter oder Cascararinde enthalten.

Bei fünf Mitteln wurde das Prädikat „befriedigend“ erteilt. Hier waren kritische Hilfsstoffe wie Paraffine für eine abwertende Bewertung verantwortlich. Mit „ungenügend“ wurde „Chol-Kugeletten Neu“ (Dolorgiet) bewertet. Neben Aloe (zu stark Darm-reizend) enthielt das Mittel Schöllkraut. Das Kraut soll den Fluss der Galle und somit die Verdauung anregen. Nach Meinung der Ökotester sei dieser Pflanzenstoff nicht nur „überflüssig“ sondern steht auch unter dem Verdacht, die Leber zu schädigen. Dieser Umstand ist auch im Beipackzettel des benannten Naturarzneimittels vermerkt.

Pflanzliche Einschlafhilfen bei Schlafstörungen
Die pflanzlichen Schlafmittel wurden in der Mehrheit von Ökotest als gut bewertet. Hierbei handelt es sich um Schlafarzneien, die Kombinationen aus Baldrian, Melisse, Passionsblumenkraut oder Hopfen enthielten. Durchleuchtet wurden insgesamt 18 Präparate, von denen die Hälfte (9) die Note „sehr gut“ erhielt. Ein Mittel bekam die Note „gut“. Unter den Beachtenswertesten waren beispielsweise „Allunapret/Bionorica“, „Baldrian-Ratiopharm 450 mg“, „Baldriparan/Pfizer/Whitehall-Much“ und „Klosterfrau Nervenruh Baldrian Forte 600“. Bei drei Schlafarzneien wurde die Bewertung „befriedigend“ vergeben. Fünf Schlafmittel erhielten die Note „mangelhaft“. Zur Abwertung kam es, weil einzelne Arzneien einen zu geringen Baldrian Anteil aufwiesen oder bedenkliche Inhaltsstoffe wie synthetische Lebensmittelfarbstoffe oder Alkohol enthalten waren.

Natürliche Schmerzmittel im Test
Die Schmerzmittel konnten die Tester von Ökotest weniger überzeugen. Von den 15 untersuchten Schmerzarzneien wurden nur zwei Präparate mit „gut“ bewertet. Gut schnitten laut Ökotest „Doloteffin Filmtabletten/Ardeypharm“ und „Rivoltan Teufelskralle 480 mg Filmtabletten/Krewel Meuselbach“ ab. Insgesamt elf der Mittel enthielten den Pflanzenstoff Teufelskrallenwurzel. Die meisten analysierten Schmerzmittel bekamen die Note „befriedigend“. Ein Mittel schaffte noch die Bewertung „ausreichend“. Kritisiert wurde vor allem, dass die meisten Mittel keine ausreichenden Studien vorlegen konnten, die eine Schmerzlinderung oder Entzündungshemmende Wirkung bestätigten. Überzeugen konnte die Tester nur das Produkt „Phytodolor Tinktur aus dem Hause Steigerwald“. Hier konnte der Hersteller eine überzeugende Datenlage erbringen.

Wirksames Schmerzmittel, dennoch Note „befriedigend“
Das kombinierte Präparat aus Eschenrinde, Zitterpappelrinde und -blättern sowie „Echtem Goldrutenkraut“ erwies sich in Studien bei der Behandlung von degenerativer Gelenkerkrankungen gegenüber dem Placebo als überlegen und verglichen mit schulmedizinisch konventionellen Schmerzmitteln als gleichwertig. Trotzdem bekam das Mittel nur die Note „befriedigend“, weil der Beipackzettel nur unzureichende Hinweise enthielt und z.B. nicht darauf aufmerksam machte, dass die Arzneien nicht bei Magen oder Darmgeschwüren eingenommen werden darf. Zudem fehlten Hinweise bezüglich der Einnahmevorschriften für Kinder, obwohl das Präparate einen Alkoholgehalt von 45,6 Prozent aufwies.

Im Mai-Heft von Ökotest werden die Ergebnisse für Abführmittel, Schlafmittel und Schmerzmittel vorgestellt. In der Juni Ausgabe werden pflanzliche Hustenmittel, Venenmittel, Johanniskraut-Präparate und Naturarzneien bei Prostata-Beschwerden vorgestellt. (sb)