Passivrauchen verursacht bei Kindern Bluthochdruck

Fabian Peters

Passivrauchen verursacht bei Kindern Bluthochdruck

11.01.2011

Passivrauchen schädigt die Gesundheit, das ist seit langem bekannt. Wie eine neue Studie feststellte, sind Kinder aus verschiedenen Gründen durch das Einatmen der Zigarettenrauchs besonders gefährdet. Wissenschaftler der Uniklinik Heidelberg haben herausgefunden, dass Passivrauchen bei Kindern nicht nur zu Lungen- und Bronchialleiden oder Allergien führen kann, sondern auch das Risiko der Hypertonie (Bluthochdruck) deutlich erhöht.

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Passivrauchen lässt Blutdruck der Kinder ansteigen
Georg Hoffmann, Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Kinder und Jugendmedizin an der Universitätsklinik Heidelberg, und seine Kollegen hatten in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Rhein-Neckar für ihre Studie rund 4.200 Kindergartenkinder in Heidelberg und Umgebung untersucht, die zu Hause regelmäßig dem Zigarettenrauch ihrer Eltern ausgesetzt waren. Ihre Ergebnisse haben die Forscher nun in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Circulation: Journal of the American Heart Association” veröffentlicht. Demnach unterlagen, die fünf- bis sechsjährigen Kindern, welche zu Hause den Zigarettenrauch einatmeten, einem um 21 Prozent erhöhten Risiko, an Bluthochdruck zu erkranken. Dabei bestehe die erhöhte Gefährdung für eine Erkrankung an Hypertonie bis ins Erwachsenenalter hinein, womit ein ebenfalls deutlich erhöhtes Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkt einhergehe, so die Wissenschaftler der Uniklinik Heidelberg weiter. „Mit dieser Studie haben wir erstmals gezeigt, dass Passivrauchen bei Kindern den Blutdruck deutlich ansteigen lässt“, betonte Georg Hoffmann.

Passivrauchen eindeutiger Risikofaktor für Bluthochdruck
Die Wissenschaftler des Zentrums für Kinder und Jugendmedizin stellten außerdem fest, dass 28,5 Prozent der Väter und 20,7 Prozent der Mütter rauchten, wobei ihre Kinder schon im Kindergartenalter überdurchschnittlich häufig unter erhöhtem Blutdruck litten. Zwar ist Bluthochdruck auch durch andere Risikofaktoren wie die genetische Prädisposition (Vererbung), ein zu niedriges Geburtsgewicht oder Übergewicht im späteren Lebensverlauf bedingt. Doch trat Hypertonie auch bei normalgewichtigen Kindern ohne weitere erkennbare Risikofaktoren häufiger auf, wenn ihre Eltern rauchten, berichten die Forscher um Georg Hoffmann. Daraus lasse sich ableiten, dass Passivrauchen zusätzlich zu den bekannten Faktoren, das Risiko an Bluthochdruck zu erkranken, deutlich erhöht, so die Wissenschaftler weiter. Dabei sei es besonders kritisch für die Gesundheit der Kinder, wenn Mütter rauchten, da sie eher zu Hause zur Zigarette griffen als Väter, welche eher am Arbeitsplatz rauchten, so die Forscher der Universitätsklinik Heidelberg bei der Veröffentlichung ihrer Studie. Dass der Blutdruck der Eltern ebenfalls eine Rolle spielt, das heißt wenn Mutter oder Vater unter einem erhöhten Blutdruck leiden, die Wahrscheinlichkeit einer Hypertonie auch bei dem Nachwuchs hoch ist, sollte bei der Bewertung des Erkrankungsrisikos jedoch in jedem Fall berücksichtigt werden, erklärten die Wissenschaftler des Zentrums für Kinder und Jugendmedizin.

Hypertonie ist in Deutschland weit verbreitet
In den Industrieländern ist die Verbreitung von Bluthochdruck seit den 1980er Jahren konstant hoch und in Deutschland, dem Staat mit der höchste Hypertonie-Prävalenz in Europa, leiden nach Angaben der Gesundheitsbehörden derzeit rund 20 Mio. Menschen an Bluthochdruck. Während in jungen Jahren nur relativ wenige Menschen eine Hypertonie aufweisen, steige die Häufigkeit mit dem Lebensalter stetig an und bei den über 60-Jährigen habe nur noch etwa jeder Vierte normale Blutdruckwerte. Bluthochdruck ist hierzulande einer der häufigsten Beratungsanlässe in der allgemeinmedizinischen Praxis. Welchen Beitrag die Erkenntnisse der Heidelberger Forscher zu dem Gefährdungspotenzial des Passivrauchens bei Kindern nun im Rahmen der Bekämpfung von Bluthochdruck leisten können, bleibt indes abzuwarten. Denn eigentlich erschien es aufgrund des erheblichen gesundheitlichen Risikos, das vom Passivrauchen ausgeht, auch bisher schon selbstverständlich, dass Eltern sich in Gegenwart ihrer Kindern und dabei insbesondere in geschlossen Räumen keine Zigarette anzünden.

Risikofaktoren: Passivrauchen und Rauchen in der Schwangerschaft
Passivrauchen erhöht nicht nur das Bluthochdruck-Risiko, sondern fördert laut einer Studie der Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums und der Ludwig-Maximilians-Universität München die Entwicklung von Hyperaktivität. Die Forscher stellten fest, dass Kinder, die vor wie nach der Geburt in einer Raucherumgebung aufwuchsen, einem doppelt so hohe Risiko unterliegen, hyperaktives Verhalten zu entwickeln, wie Kinder von Nichtrauchern. Außerdem kam eine Studie vom Institut für Gesundheitswesen der Harvard Universität, in deren Rahmen das Vorstrafenregister von 4.000 Erwachsenen sowie der Tabakkonsum ihrer Mütter untersucht wurde, zum dem Ergebnis, dass das Rauchen der Mütter kriminelles Verhalten ihrer Kinder fördere. Das Risiko, dass ihre Kinder später straffällig werden, habe sich bei Müttern die täglich eine Packung Zigaretten in der Schwangerschaft rauchten, um 30 Prozent erhöht. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit einer frühen Asthmaerkrankung bei Kindern und Enkeln rauchender Frauen deutlich erhöht, wie Forscher der University of Southern California im Rahmen einer umfassenden Untersuchung ermittelten. Eine im „British Medical Journal“ veröffentlichte Langzeitstudie ergab darüber hinaus, dass Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft geraucht hatten, im späteren Lebensverlauf deutlich öfter an Diabetes oder krankhaftem Übergewicht litten als die Kinder von Nichtrauchern. (fp)