Passivrauchen tötet jährlich 600.000 Menschen

Sebastian

Globale Studie der WHO: Passivrauchen tötet jährlich über 600.000 Menschen. Über fünf Millionen Menschen sterben jährlich durch das aktive Rauchen.

26.11.2010

Laut internationalen Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich rund 600.000 Menschen an den Folgen von Passivrauchen. Raucher wissen von den Gefahren des Zigarettenqualms, Nichtraucher sind allerdings den gesundheitlichen Gefahren ebenso ausgesetzt, wie Raucher. In der öffentlichen Debatte werden die Folgen für Nichtraucher immer wieder herunter gespielt. Die neuen Daten der WHO zeigen auf, dass vor allem Kinder übermäßig stark vom Zigarettenkonsum der Eltern betroffen sind.

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Über fünf Millionen Menschen sterben jährlich durch den Zigarettenkonsum
Laut einer WHO-Studie sterben jedes Jahr weltweit rund fünf Millionen Menschen am täglichen Zigarettenqualm. Etwa 600.000 Menschen sind unter den Todesopfern zu beklagen, obwohl sie selbst zu den Nicht-Rauchern gehörten, aber den schädlichen Qualm von Rauchern mit einatmen. Besonders erschreckend in die diesem Zusammenhang sind die Auswirkungen des unbeabsichtigten Einatmen von Zigarettenrauch bei Kindern. Laut der Studie sterben jedes Jahr etwa 165.000 Kinder durch Passivrauchen. Kinder können sich dem Qualm der Eltern besonders schlecht entziehen, wenn ihre Eltern auch zu Hause rauchen. In den westlichen Industriestaaten Europas kommen laut Gesundheitsstudie jedes Jahr 71 Kinder ums Leben, weil ihr engeres soziales Umfeld raucht. Kinder können nun mal nicht dem blauen Dunst entrinnen, weil sie noch über zu wenig Möglichkeiten verfügen, sich dem schädlichen Rauch zu entziehen. Erstmals erstellte die WHO in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Karolinska-Institut in Stockholm eine globale Studie zu den gesundheitlichen Auswirkungen zum Rauchen- und Passivrauchen.

Kinder sind besonders schwer betroffen
Die Wissenschaftler der WHO stützen ihre Erkenntnisse aus Datenerhebungen von insgesamt 192 Länder. Die Daten stammen aus dem Jahre 2004. Der Analyse zufolge waren in dem Jahr 2004 weltweit 40 Prozent der Kinder, 33 der männlichen Nichtraucher und 35 Prozent der Nichtraucherinnen dem Tabakkonsum anderer Menschen ausgesetzt. Durch den passiven Qualm starben fast 379.000 Menschen an Herzerkrankungen wie dem Herzinfarkt, 165.000 an Atemwegserkrankungen, 36.900 an Asthma und 21.400 Menschen an Lungenkrebs. Nach Ansicht der WHO sollten die Sterbefälle der passiven Raucher mit zu den geschätzten 5,1 Millionen Rauchern hinzu gezählt werden, die jedes Jahr an den Folgen der Giftstoffe sterben. Demnach sind 40 Prozent der Kinder und rund ein Drittel der Erwachsenen, die nicht rauchen, ständig von dem gefährlichen Zigaretten-Dunst umgeben.

Ein gravierender Unterschied zwischen den Todesfolgen der Erwachsenen in den reichen Industrieländern und der ärmeren sogenannten „Dritten Welt“ konnten die Wissenschaftler nicht feststellen. Einen Unterschied konnten die Experten allerdings bei den Kinder ausmachen. Besonders in den Entwicklungsländern Afrikas und Asien sind Kinder gesundheitlich besonders gefährdet. Das liege laut Studienautoren daran, dass in diesen Regionen Atemwegsinfektionen und Tabak eine schwerwiegende „tödliche Kombination“ bilden. Umweltverschmutzungen und Zigarettenkonsum potenzieren sich in einer gefährlichen Weise. Die Gesundheitsexperten fordern angesichts dieser dramatischen Auswirkungen schnellst möglich die WHO-Konventionen im Kampf gegen den Tabakkonsum weltweit umzusetzen. Zu solchen Maßnahmen gehöre es, beispielsweise deutlich höhere Tabaksteuern zu erheben, ein gänzliches Werbeverbot zu erlassen und Anti-Rauch-Kampagnen offensiver zu betreiben.

Nicht-Raucher-Schutzgesetze zeigen erste Wirkungen
Die WHO-Experten haben im Zuge der Datenauswertung herausgefunden, dass in den Ländern, in denen Nichtraucher-Schutzgesetze erlassen wurden, positive Auswirkungen deutlich zu bemessen sind. In einigen europäischen Ländern wurden Nichtraucher-Schutzzonen erlassen. Beispielsweise dürfen Menschen nicht öffentlichen Gebäuden, am Arbeitsplatz oder Restaurants rauchen. Die gesundheitlichen Schädigungen in diesen Ländern ist wesentlich geringer, als in Ländern, in denen solche Regelungen nicht gelten. Besonders wirksam zeige sich das allgemeine Rauchverbot in Kneipen, Restaurants und Bars. Ursprünglich wurde in eben jenen Lokalen besonders viel geraucht. Durch das Verbot konnte die Belastung für Nichtraucher um satte 90 Prozent gemindert werden. Die Gesetzesregelungen wirken sich auch auf die Raucher positiv aus. Sie selbst sind ebenfalls weniger dem Qualm ausgesetzt und rauchen automatisch weniger. In Deutschland gelten solche Regelungen seit dem Jahr 2007.

Nichtraucher-Schutzgesetze können Ausgaben im Gesundheitssystem senken
Doch im weltweiten Kontext werden solche Regelungen eher selten getroffen. Gerade einmal 7,4 Prozent der Weltbevölkerung profitieren von den Schutzgesetzen. Alle andere Menschen sind weiterhin dem giftigen Rauch überall ausgesetzt. Die Politik müsse endlich handeln, so die eindringliche Forderung der WHO. Die Mächtigen dieser Welt sollten bedenken, dass die Anzahl der Todesfälle deutlich gemindert werden kann, wenn Nichtraucher-Gesetze geschaffen werden. Die Experten vermuten, dass sich diese Neuregelungen schon nach nur einem Jahr bemerkbar machen. Die Sterberate kann gesenkt werden, die Ausgaben für die Sozial- und Gesundheitssysteme werden deutlich gemindert.

Vor allem Kinder müssen vor den gesundheitlichen Gefahren geschützt werden
Im besonderen Fokus stehen bei der WHO die Kinder. Sie können sich nicht erwehren und benötigen deshalb auch den Schutz der Gesellschaft. Aus diesem Grund fordern die WHO-Forscher, weitere Anstrengungen im Kampf gegen den Qualm zu unternehmen. Eltern müssen zunehmend aufgeklärt werden, dass auch Passivrauchen vor allem in den eigenen vier Wänden den Kindern großen Schaden zufügt. Rauchverbote im öffentlichen Raum können nicht verhindern, dass Kinder täglich dem schädlichen Rauch ausgesetzt sind. Aus diesem Grund müssten ständig neue Aufklärungskampagnen gestartet werden, um die Gesundheit der Kinder zu schützen. Am besten wäre es, wenn Eltern sofort mit dem Rauchen aufhören. Um den Ehrgeiz zum Aufhören zu wecken, sind deutlich höhere Tabaksteuern ein guter Anfang. Die Auswertungen der Studie wurden in der Fachzeitschrift “The Lancet” veröffentlicht.

Indirekter Zusammenhang kaum untersucht
In zahlreichen weiteren Gesundheitsstudien wurde sich mit dem Thema des Passivrauchens bereits angenommen. So fanden Forscher des Deutschen Zentrums heraus, das das Risiko an Diabetes Typ II zu erkranken, deutlich erhöht wird, wenn Menschen dauernd dem Zigarettendunst eines Rauchers ausgesetzt sind. Eine amerikanische Studie hat zudem festgestellt, das vor allem Kinder häufiger an einer Mittelohrentzündung erkranken, wenn sie in einem Raucherhaushalt groß werden. So ist anzunehmen, dass Folgen des passiven Rauchens weitaus höher sind, als in dem WHO Bericht erwähnt werden. Es ist zumeist schwierig nachzuweisen, dass die Erkrankungen durch das Mitrauchen ausgelöst wurden, weil kein direkter Zusammenhang erkennbar ist.

4000 Giftstoffe in einer Zigarette
Wird eine Zigarette geraucht, so entsteht an der Glut bei einer Temperatur von etwa 950 Grad ein Hauptstromrauch, bei dem etwa 4000 Substanzen freigesetzt werden. Eine Vielzahl der Stoffe sind nachgewiesenermaßen krebserregend oder stehen zumindestens in dem Verdacht Krebs auszulösen. Der Nebenstromrauch, also der Rauch zwischen zwei Zügen gilt allerdings als noch gefährlicher, weil durch die etwas niedrigere Verbrennungstemperatur der Giftstoff-Anteil noch höher ist. Aus diesem Grund sind vor allem Passivraucher einer erhöhten Gefahr für die Gesundheit ausgesetzt. (sb)