Pilzvergiftungen: „2014 toppt alles“

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Heilpraxisnet

Lecker und gefährlich: Zahl der Pilzvergiftungen steigt

15.09.2014

In diesem Jahr sind Deutschlands Wälder wegen der Witterung ein regelrechtes Paradies für Pilzsammler. Problematisch ist jedoch, dass auch immer mehr giftige Exemplare gesammelt und verzehrt werden. Die Zahl der Pilzvergiftungen steigt. Daher raten Experten, die gesammelten Pilze von Fachleuten begutachten zu lassen.

Steigende Zahl der Pilzvergiftungen
Auch wenn dieses Jahr die Pilze wieder prächtig gedeihen, ist Vorsicht angebracht. Denn was im Wald und auf den Wiesen so lecker und harmlos aussieht, kann giftig und gesundheitsgefährdend sein. Dies mussten auch in diesem Jahr bereits viele Menschen hierzulande am eigenen Leib erfahren: Die Zahl der Pilzvergiftungen steigt. „2014 toppt alles, so viele Anrufe hatten wir in den letzten Jahren nie“, erklärte etwa Dagmar Eckart von der Giftnotrufzentrale in Mainz, die für Rheinland-Pfalz und Hessen zuständig ist, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Bereits "über 300 Fälle wurden dieses Jahr bislang registriert. Das sind mehr als doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum der Vorjahre".

Früher Start der Pilzsaison dieses Jahr
Auch Peter Karasch von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) in Berlin bestätigte: „Die Tendenz ist steigend.“ Er findet das auch nicht verwunderlich: „Das ist ja auch logisch: Je mehr Pilze es gibt, desto höher ist die Gefahr von Vergiftungen.“ Es gab zwar auch im vergangenen Jahr viele Champignons, Pfifferlinge, Steinpilze & Co., jedoch erst zum Ende der Saison. In vielen Gegenden lohnte sich die Pilzsuche wegen des nassen Sommers schon im Juni. Nur etwa alle zehn bis 15 Jahre komme ein solcher Frühstart vor.

Angst vor radioaktiv belasteten Pilzen schwindet
Noch einen weiteren Grund für den Anstieg sieht die Krankenkasse DAK in Hamburg, die bereits im letzten Jahr über eine deutlichen Zunahme von schweren Pilzvergiftungen berichtet hatte. So erläuterte die DAK-Ärztin Elisabeth Thomas: „Vor allem in Süddeutschland hatten viele Menschen lange Zeit Angst, dass Pilze radioaktiv belastet sein könnten – eine Nachwirkung der Tschernobyl-Katastrophe.“ Nach der Kernschmelze in dem ukrainischen Atomkraftwerk vor mittlerweile 28 Jahren, wurde auch hierzulande teilweise bis zuletzt vor radioaktiv verseuchter Nahrung gewarnt. Doch diese Sorgen schwinden langsam.

Sehnsucht nach Natur
Der Pilzsachverständige Thomas Lehr aus dem hessischen Hofheim vermutet zudem "eine steigende Sehnsucht nach Natur" als einen weiteren Grund für die Lust am Pilze sammeln. Der Experte bietet etwa Lehrwanderungen an, die Teilnehmerzahl steigt stetig. Zudem lassen immer mehr Pilzsucher ihre Ausbeute vorsichtshalber von dem Fachmann begutachten. Seinen Angaben zufolge findet Lehr nur äußerst selten Giftiges. So seien in den vielen hundert von ihm begutachteten Körben erst einmal giftige Knollenblätterpilze dabei gewesen. „Aber ich weiß von Kollegen, dass sie öfters was Giftiges haben.“

Viele harmlose Pilze haben giftige Doppelgänger
Pilzsuchern wird geraten, ihre Fundstücke von Experten begutachten zu lassen, bevor sie sie in die Pfanne geben. In Deutschland gibt es mehrere tausend Pilzarten, von denen rund 200 giftig sind. Viele der leckeren Pilze haben giftige Doppelgänger. Beispielsweise sieht der weit verbreitete Knollenblätterpilz mit seinen hochtoxischen Lebergiften dem harmlosen Champignon zum Verwechseln ähnlich. Von den tödlich verlaufenden Pilzvergiftungen in Mitteleuropa gehen die meisten auf diesen Pilz zurück.

Bei Verdacht auf Pilzvergiftung Notarzt rufen
Auf ihrer Homepage hat die DGfM eine Liste mit Sachverständigen veröffentlicht, diese arbeiten meistens kostenlos oder gegen ein geringes Honorar. Kommt es nach dem Verzehr einer Pilzmahlzeit zu Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen oder Akute Bauchschmerzen, besteht der Verdacht auf eine Pilzvergiftung. In diesem Fall sollte sofort der Notarzt (112) gerufen oder der Giftnotruf des betreffenden Bundeslandes kontaktiert werden. Mediziner warnen davor, Medikamente in Eigenregie einzunehmen. Betroffene sollten viel Wasser trinken und idealerweise Pilzreste zur ärztlichen Behandlung mitnehmen. (ad)

Bild: I-vista / pixelio.de