Psyche: Menschen mit Geldsorgen haben vermehrte Suizidgedanken

Volker Blasek

Geldprobleme bergen starke Gesundheitsrisiken

Stress, Angst, Wut, Depression, Isolation – Geldprobleme gehen oft mit gesundheitlichen Risiken einher. Eine englische repräsentative Umfrage zeigte kürzlich, dass einer von sechs Menschen mit Geldproblemen sogar Selbstmordgedanken hat.


Die englische Hilfsorganisation „Mental Health UK“ veröffentlichte kürzlich die Ergebnisse einer Umfrage des Marktforschungsinstitutes „YouGov“, an der über 2.000 britische Erwachsene teilnahmen. In der Umfrage ging es um gesundheitliche Konsequenzen von Geldproblemen. „Die Ergebnisse zeigen, wie bösartig der Kreislauf von psychischer Gesundheit und Geldproblemen sein kann“, berichtet Brian Dow, der Direktor von „Mental Health UK“ in einer Pressemitteilung zu der Umfrage.

Geldsorgen können die Grundlage zahlreicher psychischer Probleme sein, die Menschen im schlimmsten Fall bis in den Selbstmord treiben. (Bild: marcus_hofmann/fotolia.com)

Schuld und Scham – Über Geldprobleme wird selten geredet

Den Ergebnissen zufolge haben 25 Prozent der Erwachsenen mit Geldproblemen Schuldgefühle. 41 Prozent der Befragten schämen sich für ihre Schulden. Nur etwa jeder Dritte (28 Prozent) spricht über diese Probleme und 50 Prozent aller Befragten mit Geldproblemen wussten nicht, wo sie Hilfe bekommen können.

Gesteigerter Alkoholkonsum und Depressionen

15 Prozent der Teilnehmer gaben an, bei Geldprobleme mehr Alkohol zu trinken und mehr zu rauchen (13 Prozent), um besser mit der Problematik klarzukommen. Des Weiteren berichteten 65 Prozent der Probanden über mehr Stress im Alltag, 62 Prozent empfinden gesteigerte Angst, bei 20 Prozent äußerten sich erhöhte Reizbarkeit und Wut.

Isolation, Depression und Selbstmordgedanken

23 Prozent der Umfragebeteiligten haben sich aufgrund der Geldsorgen zunehmend isoliert. 44 Prozent zeigten Symptome einer Depression. Einer von sechs Menschen (16 Prozent) dachte sogar über einen Suizid nach.

Geldschwierigkeiten sind kein seltenes Problem

Die Gruppe der Menschen mit Geldproblemen ist alles andere als klein. Fast drei von zehn Personen (27 Prozent) hatten den Ergebnissen der Umfrage zufolge schon mal Geldsorgen. „Mental Health UK“ schätzt, dass vier Millionen Menschen in Großbritannien von psychischen Gesundheitsproblemen aufgrund finanzieller Schwierigkeiten bedroht sind.

Gefährliches Gesamtpaket

„Menschen fühlen sich peinlich berührt und isoliert und wissen nicht, wo sie Hilfe bekommen können“, erläutert Brian Dow. Stress, Wut und Depression würden zu ungesundem Verhalten wie Rauchen und Alkoholismus führen. Dies mache das Problem natürlich nur noch schlimmer und so könnten sich die Dinge nach unten schrauben. Wie die Ergebnisse zeigen, kann dies sogar in Selbstmordgedanken enden, so Dow.

Fehlende Aufklärung über das Thema

„Wir möchten, dass sich mehr Menschen der Verbindung zwischen Geldsorgen und psychischen Problemen bewusst werden“, erklärt Dow. Mehr Personen, die unter solchen Problemen leiden, sollten diese erkennen und in der Lage sein, Hilfe zu beanspruchen, wenn sie diese benötigen, resümiert der Experte. (vb)