Psychologie: Nachahmung des Gegenübers erhöht die Beliebtheit beim Kennenlernen

Alfred Domke

„Soziale Chamäleons“ machen sich bei anderen beliebt

Wenn wir jemanden zum ersten Mal treffen, braucht es oft nicht lange, bis wir wissen, ob wir den anderen mögen oder nicht. Ist einem der erste Eindruck des Gegenübers sympathisch, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir diese spezifische Person nachahmen. Das haben deutsche Forscher nun herausgefunden.

Der erste Eindruck des Gegenübers

Wissenschaftler der renommierten Havard University berichteten im vergangenen Jahr über eine Studie die zeigte, dass zwei Fragen eine zentrale Rolle spielen, die sich jeder unterbewusst stelle, wenn er zum ersten Mal einen bislang fremden Menschen trifft: „Wie vertrauenswürdig wirkt mein Gegenüber?“ und „Wie kompetent schätze ich den anderen ein?“ Wenn der erste Eindruck des Gegenübers positiv ausfällt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir diese spezifische Person nachahmen. Das haben Forscher der Universität Leipzig und der Freien Universität Berlin in einer gemeinsamen Studie herausgefunden.

Ist einem der erste Eindruck des Gegenübers sympathisch, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir diese spezifische Person nachahmen. Diese Nachahmung führt zu größerer Beliebtheit beim Kennenlernen. (Bild: Minerva Studio/fotolia.com)

Effekte auf die gegenseitigen Sympathie-Einschätzungen

Heutzutage lernen sich zwar auch viele Menschen über Dating-Apps wie Tinder kennen, doch der erste persönliche Kontakt ist meist von herausragender Bedeutung. Dabei hilft es offenbar, sich ähnlich wie sein Gegenüber zu geben.

Denn Personen, die andere beim Kennenlernen nachahmen, machen sich beliebt – zumindest innerhalb des eigenen Geschlechts.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin und der Uni Leipzig, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Psychological Science“ veröffentlicht wurde.

Im Rahmen der wissenschaftlichen Arbeit analysierten die Forscher das Nachahmungsverhalten beim Kennenlernen. Hierzu wurden 139 Personen, die sich zuvor nicht kannten, in gleichgeschlechtlichen Gruppen von vier bis sechs Teilnehmern ins Labor eingeladen.

Jeder führte dann nacheinander mit jeweils allen anderen Gruppenmitgliedern fünfminütige Kennenlerngespräche. Davor und danach gab jede Person an, wie sympathisch er oder sie die andere Person fand.

Auf Basis der Videoaufzeichnungen dieser Gespräche wurden dann Unterschiede im Nachahmungsverhalten und dessen Effekte auf die gegenseitigen Sympathie-Einschätzungen analysiert.

„Soziale Chamäleons“

Die Ergebnisse zeigen, dass sich Personen in ihrer Tendenz, ihre Interaktionspartner nachzuahmen, unterscheiden. So gibt es Menschen, die kaum Nachahmverhalten zeigen, während andere Menschen besonders häufig das Gegenüber nachahmen.

Sie werden in der Forschungsliteratur als sogenannte „soziale Chamäleons“ bezeichnet.

„In unserer Studie können wir zeigen, dass dieses Nachahmungsverhalten zu einer höheren Beliebtheit dieser sozialen Chamäleons führte“, erläutert die Psychologin Helén Liebermann von der Freien Universität Berlin in einer Mitteilung.

Nachahmung gibt dem Gegenüber das Gefühl gemocht zu werden

Hingegen fanden sich kaum Hinweise dafür, dass Personen sich darin unterscheiden, generell Mimikry bei anderen auszulösen. Vielmehr zeigte die Studie, dass Mimikry vor allem von der einzigartigen Beziehung zwischen zwei Personen abhängt.

Ist einem der erste Eindruck des Gegenübers sympathisch, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir diese spezifische Person nachahmen.

Diese Nachahmung oder Mimikry gibt der imitierten Person das Gefühl, gemocht zu werden, und führt dazu, dass die nachahmende Person als sympathischer wahrgenommen wird.

„Die Ergebnisse weisen demnach auf einen Bindungsmechanismus durch Mimikry hin. Durch Mimikry teilen wir unbewusst mit, dass wir jemanden mögen und können damit unsere eigene Beliebtheit steigern“, erklärt Maike Salazar Kämpf von der Universität Leipzig.

Strategie mit Kehrseiten

Wer also ohnehin schon Sympathie empfindet, lässt sich stärker auf den anderen ein. Die spontane Nachahmung des verbalen und nonverbalen Verhaltens des Gegenübers – soziales Mimikry – ist eine unbewusste Strategie, um Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen.

Allerdings hat dies auch Kehrseiten, wie Forscher der Uni Leiden im niederländischen Enschede 2009 in einem Versuch herausfanden. In ihrer Studie mit 92 Teilnehmern zeigte sich, dass Menschen, die andere nachahmen, von anderen leichter getäuscht werden können.

„Mimikry erleichtert die Fähigkeit zu verstehen, was andere fühlen“, schrieben die Wissenschaftler um die Psychologin Marielle Stel damals. Doch „Im Falle von betrügerischen Botschaften behindert Mimikry dieses emotionale Verständnis.“ (ad)