Reiche Schüler trinken mehr Alkohol

Astrid Goldmayer

Reiche Schüler trinken mehr Alkohol

28.02.2012

Eine neue Studie der Universität Bielefeld zeigt, dass Schüler aus wohlhabenden Familien häufiger zu Alkohol greifen als Kinder aus sozial schwachen Familien. Die Geschlechterverteilung ist ebenso eindeutig: Doppelt so viele Jungen wie Mädchen konsumieren wöchentlich Bier, Alkopops & Co.

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Schüler mit Migrationshintergrund konsumieren weniger Alkohol
Entgegen vieler Vorurteile trinken Kinder aus sozial schwachen Familien weniger Alkohol als reiche Schüler. Dies ergab eine Studie der Bielerfelder Universität, die im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durchgeführt wurde. Bundesweit wurden 5860 Jungen und Mädchen im fünften, siebten und neunten Schuljahr an 108 allgemeinbildenden Schulen von Professorin Petra Kolip und ihrem Team befragt.

Ein interessantes Ergebnis lieferte auch die Auswertung des Trinkverhaltens nach der Herkunft: Kinder von deren Eltern, die beide einen Migrationshintergrund haben, trinken deutlich weniger. „Wir erklären uns das so, dass die meisten von ihnen einen muslimischen Hintergrund haben. Da gelten bestimmte kulturelle Regeln“, erklärt die Koordinatorin der Studie. Die Untersuchung ergab, dass 8,5 Prozent der Jungen im Alter von 11 und 15 Jahren jede Woche Alkohol zu sich nimmt, während dies nur auf die Hälfte der Jungen mit beiderseitigem Migrationshintergrund zu trifft.

Mädchen trinken weniger Alkohol als Jungen
Bei den Mädchen von Eltern mit Migrationshintergrund sieht es ähnlich aus. Wenn dennoch getrunken wird, würde die Wahl häufiger auf Sekt und Wein fallen. Hier sei die Datengrundlage jedoch geringer gewesen, so dass ein statistischer Ausreißer durchaus möglich wäre, erläutern die Wissenschaftler. Bei Kindern aus Haushalten mit nur einem migrantischen Elternteil ist die Verteilung jedoch genauso wie unter deutschstämmigen Schülern. „Diese Gruppe steht ein bisschen zwischen den Welten“, vermutet Kolip. Die Gesundheitswissenschaftlerin erklärt weiter, dass diese Schüler in punkto Alkohol eher dem Beispiel der deutschen Kinder folgen.

Die Studie ergab, dass Jungen grundsätzlich doppelt so oft Alkohol konsumieren wie ihre weiblichen Mitschüler: während mehr als elf Prozent der Jungen mindestens einmal in der Woche zur Flasche greifen, sind es unter den Mädchen nur gute sechs Prozent. „Die beliebtesten Getränke sind Biermixgetränke und Bier, gefolgt von Alkopops, während Wein und Sekt nur selten konsumiert werden“, sagt die Leiterin des WHO Collaborating Centre an der Universität Bielefeld.

Wohlhabende Jungen trinken mehr
Jungen aus reichen Familien trinken mehr als ihre wirtschaftlich schlechter gestellten Mitschüler. „Interessanterweise ist der Alkoholkonsum in wohlhabenden Familien von Jungen deutlich häufiger und auch das rauschhafte Trinken tritt in diesen Familien häufiger auf“, erklärt die Wissenschaftlerin. „Anders als das übliche Vorurteil, das riskanten Alkoholkonsum in sozial benachteiligten Familien verortet, zeigen unsere Daten, dass riskanter Konsum in allen Sozialschichten auftritt und in höheren Schichten zumindest bei Jungen ausgeprägter ist.“

Gegen Alkoholmissbrauch individuelle Interventionsprogramme
Die Bielerfelder Wissenschaftler raten auf Grundlage der Studienergebnisse zu individuell ausgerichteten Interventionsprogrammen, in denen je nach Zielgruppe ein maßvoller Umgang mit Alkohol gelehrt werden sollte. Auch Gesellschaft und Politik seien gefordert. So solle Werbung für alkoholische Getränke eingeschränkt der Zugang zu derartigen Produkten erschwert werden.

Bereits Anfang letzten Jahres veröffentlichte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden besorgniserregende Zahlen zum Thema Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen. Auf 100.000 Jugendliche kommen demnach etwa 319 Fälle von akuter Alkoholvergiftung. Die Gesamtzahl der durch Alkohol verursachten Behandlungsfälle stieg um 2,6 Prozent. (ag)