Rote Stellen können auf hellen Hautkrebs hinweisen

Astrid Goldmayer

Rote Flecken auf der Haut können auf hellen Hautkrebs hinweisen

05.09.2012

Obwohl heller Hautkrebs die häufigste Krebsart ist, kennt kaum jemand die Erkrankung. Zwar ist sie weniger gefährlich als der bekanntere schwarze Hautkrebs, jedoch wird sie oftmals von Betroffenen erst spät wahrgenommen. Der Tag des hellen Hautkrebses am 13. September soll rund um das Thema aufklären. Wird ein Tumor rechtzeitig wird, bestehen sehr gute Heilungschancen.

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Immer mehr Neuerkrankungen an hellem Hautkrebs
Heller Hautkrebs tritt etwa zehnmal so häufig auf wie der gefährlichere schwarze Hautkrebs. „Jährlich gibt es allein in Deutschland rund 200.000 Neuerkrankungen", berichtet Professor Eggert Stockfleth vom Hauttumorcentrum an der Charité in Berlin. Der Vorsitzende der European Skin Cancer Foundation (ESCF) geht von fünf bis sieben Prozent Zuwachs pro Jahr aus. Dennoch ist die Erkrankung weitgehend unbekannt. Die ESCF hat aus diesem Grund den Tag des hellen Hautkrebses am 13. September ins Leben gerufen, der erstmal 2011 stattgefunden hat. „Die Europäische Hautkrebsstiftung möchte das Bewusstsein bezüglich der Hautkrebserkrankungen in der Öffentlichkeit steigern, ohne panische Angst zu verbreiten“, teilt die ESCF auf ihrer Internetseite mit. „Wenn man ihn rechtzeitig erkennt, ist der helle Hautkrebs zu 100 Prozent heilbar", erklärt Stockfleth.

Professor Uwe Reinhold, Vorsitzender von Onkoderm, einem bundesweiten Netzwerk von Hautärzten, die sich auf Krebs spezialisiert haben, rät: „Wer eine komische Stelle auf seiner Haut bemerkt, sollte deswegen sofort zum Hautarzt gehen." Je früher die Behandlung erfolgt, desto größer sind die Heilungschancen. Meistens reiche die chirurgische Entfernung des Tumors aus, erklärt der Experte weiter. Alternativ könnten beispielsweise Strahlen- oder Kältetherapie zum Einsatz kommen. Auch die photodynamische Therapie sei eine Möglichkeit, bei der die Tumore zunächst mit wirkstoffhaltigen Cremes oder Gelen behandelt und anschließend mit speziellen Lichtquellen bestrahlt werden. „Welche Therapie die richtige ist, kann aber nur der Hautarzt entscheiden", erklärt Reinhold.

Heller Hautkrebs durch UV-Strahlung
Heller Hautkrebs wird vor allem durch ultraviolette (UV-)Strahlung verursacht. Sonnenbaden und regelmäßige Besuche im Solarium erhöhen das Risiko für Hautkrebs demnach signifikant. Durch die UV-Strahlen wird das Erbgut der Hautzellen geschädigt. Der Körper kann diese Schädigung bis zu einem gewissen Grad reparieren, jedoch beeinträchtigt zu intensive Strahlung das Abwehrsystem. Durch die Freisetzung von Botenstoffen wie Histamin kommt es zu einer Erweiterung der Gefäße, Hautrötungen und Juckender Hautausschlag. Durch diese Überlastung der Haut kann es zur Entartung von Hautzellen kommen. Hornzellen bilden dann warzenähnliche Strukturen, sogenannte Keratosen, die zu weißem Hautkrebs entarten können.

Professor Claus Garbe vom Universitätsklinikum Tübingen, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, erläutert, dass die häufigste Form des hellen Hautkrebses der Basalzellkrebs ist: „Rund vier von fünf Patienten leiden unter dieser Form. Häufig tritt der Basalzellkrebs im höheren Alter ab etwa 50 Jahren auf.“ Basalzellkarzionome treten überwiegend auf den sogenannten Sonnenterrassen im Gesicht auf. Dazu gehören Glatze, Stirn, Nase, Wangen und Ohren. Diese Art der Tumore wächst normalerweise langsam. „Im Anfangsstadium sehen sie aus wie ein leicht geröteter Fleck, der erhaben oder auch eben sein kann", erklärt Garbe. „Mit der Zeit verkrustet der Tumor dann und kann auch bluten." Bei Basalzellkarzinome treten in der Regel keine Metastasen auf, jedoch sind sie in der Lage, das umliegende Gewebe zu zerstören.

Seltener tritt der sogenannte Stachelzellkrebs auf, der auch als Plattenzellkarzinom oder Spinaliom bezeichnet wird. Diese Form des hellen Hautkrebses ist in erster Linie an sonnenexponierten Körperstellen zu finden, kann jedoch auch an anderen Stellen auftreten. Zu den gefährdetsten Personen gehören Senioren um die 70 mit sonnengegerbter Haut. „Ein Plattenzellkarzinom beginnt in der Regel als roter Knoten, der so verhornt, dass sich seine Oberfläche wie Sandpapier anfühlt", erläutert Garbe. Der Stachelzellkrebs kann Metastasen bilden.

Frühformen des hellen Hautkrebses sind sogenannten aktinische Keratosen, von denen sich rund zehn Prozent im weiteren Verlauf zu Plattenzellkarzinomen entwickeln. Die oftmals nur mehrere Millimeter großen Stellen treten ebenfalls vor allem auf den Sonnenterrassen im Gesicht und auf der Glatze auf. Ihre raue Oberfläche ähnelt dem Plattenzellkarzionom. Aktinische Keratosen betreffen jedoch im Gegensatz zu Karzinomen nur die oberste Hautschicht und streuen nicht.

Effektiver Sonnenschutz beugt hellem Hautkrebs vor
Wer sich vor Hautkrebs schützen will, sollte auf effektiven Sonnenschutz achten. Arme, Beine und Kopf können durch leichte Kleidung geschützt werden. Sonnencremes sind darüber hinaus unverzichtbar. Produkte mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF) wie LSF 30 oder für hellere Hauttypen LSF 40 werden von Hautärzten für die Sommermonate empfohlen. Besonders im Badeurlaub ist mehrmaliges Eincremen am Tag zwingend notwendig. Da die Sonneneinstrahlung in der Mittagszeit am stärksten ist, sollte sie in dieser Zeit gemieden werden. Besonders Menschen mit heller Haut sollten auf ausreichenden Sonnenschutz achten und sich möglichst im Schatten aufhalten. Auch Kinder und Kranke, deren Immunsystem geschwächt ist, seien besonders Hautkrebs gefährdet, erklärt Reinhold. „Gleiches trifft auf Patienten zu, die sich einer Organtransplantation unterziehen mussten."

Die Deutsche Krebshilfe rät zudem dringend von Solariumbesuchen ab. Das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, werde durch die künstliche Strahlung deutlich erhöht. Laut einer aktuellen Studie des Internationalen Instituts für Vorsorgeforschung in Lyon und dem Europäischen Krebsinstitut gehen jährlich mehr als 3.400 neue Hautkrebsfälle in Europa auf das Konto der künstlichen Bräune.

Neben den vorbeugenden Maßnahmen haben gesetzlich Krankenversicherte in Deutschland ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre Anspruch auf eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung im Rahmen des Hautkrebsscreening. (ag)