Rückenleiden: Das lindert Rückenschmerzen

Nina Reese

Immer mehr Menschen leiden unter Rückenschmerzen

aktualisiert, 17.05.2013

Rückenschmerzen – nach Angaben des Robert-Koch-Instituts machen bis zu 85 Prozent der Deutschen im Laufe ihres Lebens mit diesen Beschwerden Bekanntschaft, bei mehr als zwei Dritteln bleibt es glücklicherweise bei einen Mal. Ob plötzlich oder langsam, stechend oder ziehend – die Schmerzen treten auf ganz unterschiedliche Art und in unterschiedlicher Intensität auf und können viele verschiedene Ursachen haben. Dementsprechend gibt es vielfältige Behandlungsmöglichkeiten, wobei längst nicht alle Methoden eine sinnvolle Hilfe darstellen.

Auch Kinder schon häufig betroffen
Immer mehr Menschen sind mindestens ein Mal im Leben von Rückenschmerzen betroffen – was laut Prof. Ingo Froböse vom Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln jedoch nicht nur an Verschleißerscheinungen in Folge des Älterwerdens liegt – stattdessen kommen ganz andere Faktoren zum Tragen: "Die Ursachen sind bei fast allen Betroffenen gleich: zu wenig Bewegung, untrainierte Muskeln, Stress und andere psychische Belastungen", so der Experte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Diese Problematik ließe sich auch schon bei Kindern und Jugendlichen beobachten, was nach Froböse jedoch keine Überraschung sei, denn in Hinblick auf Bewegungsmangel und zu viel Fernseh- bzw. Computerzeit seien Rückenschmerzen vorprogrammiert. Die Kinder würden hier laut Prof. Dietrich Grönemeyer von der Universität Witten-Herdecke im Grunde die immobile Lebensart ihrer Eltern übernehmen, so der Rückenexperte und Autor im Vorwort einer Infobroschüre („Der Rücken“) der Techniker Krankenkasse: „Die trägen Erwachsenen sind für die Kinder ein schlechtes Vorbild, und die fehlende Anleitung zur Bewegungsfreude hat schlimme Folgen: Verschleißerscheinungen, die bisher meistens nur ältere Menschen betrafen, werden bei immer jüngeren Menschen diagnostiziert.“

Moderner Lebensstil häufig Ursache von Rückenbeschwerden
Die Ursache für die Volkskrankheit Rückenschmerzen sehen Experten demnach vor allem im modernen Lebensstil: Denn durch stundenlange sitzende Tätigkeiten, wenig Bewegung bzw. Sport und Übergewicht wird dem Körper viel abverlangt – denn werden die entsprechenden Muskeln, Sehnen, Bänder, Bandscheiben und beweglichen Wirbelknochen nicht auf gesundem Wege ausreichend bewegt und belastet, verkümmern elementare Bereiche des Rückens und es entstehen Schmerzen.

Optimale Vorbeugung: Bewegung
Um dem vorzubeugen, hilft vor allem Bewegung, „denn Sport und ein systematisches Rückentraining stärken gezielt die Muskeln, die den Rücken stützen, und bewahren ihn damit vor Schäden und Schmerzen“, so Prof. Dietrich Grönemeyer. Hier gelte laut Grönemeyer das Motto „Turne bis zur Urne!“, wobei insbesondere Radfahren, Schwimmen, Nordic Walking, Langlaufen, aber auch lange Spaziergänge ideale rückenschonende Sportarten seien – welche Form von Übungen bei Rückenschmerzen gewählt werden würde, sollte aber in erster Linie von den persönlichen Vorlieben abhängen, denn „Sport soll vor allem Spaß machen“, so der Rückenspezialist weiter. Grundsätzlich sei es nach Grönemeyer empfehlenswert, in ganz normalen alltäglichen Situationen umzudenken und die Möglichkeiten zur Bewegung zu nutzen: „Es ist schon förderlich, wenn man Rolltreppen links liegen lässt und stattdessen Treppen steigt, zu Fuß ins Büro geht oder mit dem Fahrrad einkaufen fährt.“

Rückenschmerzen können auch psychosomatisch sein
Für Rückenschmerzen gibt es vielfältige Ursachen: So kann das Problem zum einen rein körperlicher Natur sein, beispielsweise aufgrund von Verschleißerscheinungen der Bandscheiben oder Muskel- bzw. Knochenschwächen. Neben dem können die Beschwerden aber auch psychisch bedingt sein und zum Beispiel durch Stress ausgelöst werden, der zu Verspannungen führt und in der Folge das Zusammenspiel von Wirbelsäule und stützender Muskulatur durcheinander bringt. Laut Prof. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel könnten tatsächlich schätzungsweise nur in 10 bis 20 Prozent der Fälle von Rückenschmerzen strukturelle körperliche Ursachen festgestellt werden. Dementsprechend lautet die Empfehlung der Experten der Techniker Krankenkasse: Alle Umstände, die möglicherweise Rückenschmerzen begünstigen könnten, sollten genau überprüft und dabei insbesondere auch emotionale und soziale Aspekte wie Kummer, Depressionen oder auch Stress am Arbeitsplatz, familiäre Probleme oder finanzielle Sorgen berücksichtigt werden. Denn generell gelte: „Wenn Probleme drücken, sind Ausgleich und Auswege nötig. Wenn auf Anspannung keine Entspannung folgt, gerät man leicht aus der Balance – schmerzhafte Verspannungen sind dann eine häufige Antwort des Körpers“, so die TK in ihrer Informations-Broschüre.

Wärme schafft bei akuten Schmerzen Linderung
Wer plötzlich von Rückenschmerzen heimgesucht wird, kann zum Beispiel mit einer Wärmflasche oder in schlimmeren Fällen mit Hilfe von Schmerzmitteln schnell für eine Linderung sorgen, denn in den meisten unproblematischen Fällen klingen die Beschwerden nach wenigen Tagen wieder ab, im Laufe von sechs Wochen würden laut der Deutschen Rheuma-Liga sogar bis zu 90 Prozent aller Rückenschmerzen wieder verschwinden. Während früher bei Rückenbeschwerden meist Ruhe verordnet wurde, wird heute genau das Gegenteil empfohlen – so wird demnach davon ausgegangen, dass Sport nicht nur der Vorbeugung dient, sondern die Wirbelsäule samt Muskeln, Bändern und Gelenken auch im akuten Fall Bewegung braucht.

Alternative Heilmethoden immer beliebter
Im Rahmen der Behandlung von Rückenschmerzen kommen nicht nur regelmäßig Massagen und Medikamente bzw. Spritzen zum Einsatz, sondern nach Angaben der Krankenkassen immer häufiger auch Krankengymnastik. Zudem wird bei Rückenbeschwerden auch Akupunktur immer beliebter, sodass Prof. Dietrich Grönemeyer Betroffenen verschiedene Angebote nutzen sollten: "Von der Massage über Akupunktur, Yoga, Tai Chi und Qigong bis hin zuSelbstbewusstseinsschulungen, Feldenkrais und guten Fitnessstudios", so der Rat des Experten: "Der Patient muss auch eigenverantwortlich seine Möglichkeiten nutzen, um muskuläre Verspannungen zu lösen. Also nicht zur Ruhe kommen, sondern sich wirklich bewegen, sich dehnen und Körperwahrnehmung schaffen."

Vor Operationen sollte immer zweite Meinung eingeholt werden
Von übereilten Operationen wird hingegen aus Expertensicht meist abgeraten, denn gerade nach Bandscheiben-OPs würden laut dem Münchner Rückenspezialist Martin Marianowicz die Beschwerden in vielen Fällen schnell wieder zurückkehren. So habe er durch langjährige Erfahrung und tausende behandelte Betroffene von Bandscheibenschäden beobachten können, dass 80 Prozent der Operationen unnötig gewesen wären, stattdessen sogar viele Patienten auch nach zahlreichen Ärzte-Besuchen immer noch nicht wüssten, was der Auslöser für ihre Beschwerden sei. Nach Marianowicz wäre es gerade bei Bandscheibenvorfälle wichtig, Geduld aufzubringen, denn 90 Prozent dieser Fälle würden folgenlos abheilen. Daher sein Tipp: „Wir raten Patienten deshalb grundsätzlich zum Einholen einer zweiten Meinung von einem Spezialisten, um unnötige Operationen zu vermeiden." (nr)