Schockierender Lebensmittelskandal: Große Mengen gefälschter Produkte sichergestellt

Europol berichtet von der Sicherstellung einer Rekordmenge gefälschter Lebensmittel im vergangenen Jahr. Was tatsächlich in dem Essen auf unserem Teller stecken kann, ist schockierend. (Bild: Jonathan Stutz/fotolia.com)
Nina Reese
Europäische Polizeibehörden finden Affenfleisch und Dünger im Zucker
Interpol und Europol haben bei verschiedenen Razzien tonnenweise gefälschte Lebensmitteln und Getränke sichergestellt. Wie die europäische Polizeibehörde in Den Haag mitteilte, zählen zu den konfiszierten Produkten unter anderem gefärbte Oliven, gepanschter Wein und mit Kunstdünger verlängerter Zucker. Letzterer könnte möglicherweise aus dem Sudan auch nach Deutschland importiert worden sein.

Fake-Produkte stellen ernste Gesundheitsgefahr dar
Es könnte ein Skandal mit verheerendem Ausmaß werden: Polizei und Zoll haben bei Razzien in 57 Ländern eine Rekordmenge an gefälschten Lebensmitteln und Getränken sicher gestellt. Dies berichtet die europäische Polizeibehörde „Europol“ in einer aktuellen Pressemitteilung. Demnach wurden bei der von Europol und Interpol koordinierten „Operation Opson V“ im Zeitraum von November 2015 bis Februar 2016 mehr als 10.000 Tonnen gefälschte Lebensmittel sowie eine Million Liter gefälschter Getränke beschlagnahmt. „Gefälschtes und gefährliches Essen und Trinken bedrohen die Gesundheit und Sicherheit von Menschen auf der ganzen Welt, die oft arglos diese potenziell sehr gefährlichen Güter kaufen“, wird Michael Ellis von der Interpol in der Mitteilung zitiert.

Europol berichtet von der Sicherstellung einer Rekordmenge gefälschter Lebensmittel im vergangenen Jahr. Was tatsächlich in dem Essen auf unserem Teller stecken kann, ist schockierend. (Bild: Jonathan Stutz/fotolia.com)
Europol berichtet von der Sicherstellung einer Rekordmenge gefälschter Lebensmittel im vergangenen Jahr. Was tatsächlich in dem Essen auf unserem Teller stecken kann, ist schockierend. (Bild: Jonathan Stutz/fotolia.com)

85 Tonnen Oliven mit Kupfersulfat
Bei den konfiszierten Waren handelte es sich demnach unter anderem um 85 Tonnen Oliven, die von italienischen Ermittlern entdeckt wurden. Fälscher hatten die Oliven mit einer Kupfer-Sulfat-Lösung behandelt, um die Farbe zu intensivieren. Eine gefährliche Angelegenheit, denn Kupfersulfat ist giftig und kann nach der Einnahme ein Brennen bzw. Schmerzen hinter dem Brustbein sowie Übelkeit und Erbrechen hervorrufen. In Griechenland und Großbritannien entdeckten Beamte den Angaben zufolge mehrere illegale Fabriken, in denen alkoholische Getränke wie Wein, Whiskey und Wodka gefälscht wurden. Neben den 10.000 Litern gefälschten bzw. gepanschten Alkoholika beschlagnahmte die Polizei in UK zudem nachgemachte Etiketten von Markenprodukten.

Gefälschte Schokolade und gefährliche Nahrungsergänzungsmittel entdeckt
In einigen Fällen konnten durch die Kontrollen an Flughäfen internationale Reisende identifiziert werden, die illegale Produkte importieren wollten. So entdeckten beispielsweise Zollbeamte am Flughafen Zaventem in Belgien mehrere Kilo Affenfleisch, französische Offiziere konfiszierten und vernichteten 11 Kilo Heuschrecken und 20 Kilo Raupen. Die Polizei in Südkorea verhaftete laut dem Bericht einen Mann, der Nahrungsergänzungsmittel geschmuggelt hatte, welche online als Naturprodukt verkauft wurden. Tatsächlich enthielten sie jedoch schädliche Inhaltsstoffe. Durch den Verkauf der gefälschten Produkte zur Gewichtsabnahme waren Schätzungen zufolge innerhalb von 10 Monaten rund 170.000 US-Dollar erwirtschaftet worden.

In Ungarn, Italien, Litauen und Rumänien, fanden die Zoll- und Polizeibehörden zudem gefälschte Schokolade, Süßigkeiten und alkoholfreien Sekt, welcher an Kinder adressiert und für den Export nach Westafrika bestimmt war. Im Sudan stellten die Behörden fast neun Tonnen mit Kunstdünger gestreckten Zucker sicher. Ein für deutsche Konsumenten besonders brisanter Fund, denn auch hierzulande wird in der Industrie aus dem Sudan importierter Zucker verwendet. Dies ist durch die Zuckermarktordnung der Europäischen Union geregelt, nach welcher 15 Prozent des EU-weiten Verbrauchs vornehmlich aus Entwicklungsländern gedeckt werden müssen. „Die heutigen steigenden Lebensmittelpreise und die globale Nahrungskette bieten Kriminellen die Möglichkeit gefälschte und minderwertige Lebensmittel in einer kriminellen Multi-Milliarden-Industrie zu verkaufen, welche ernsthafte potenzielle Gesundheitsrisiken für die ahnungslosen Kunden darstellen“, so Chris Vansteenkiste von Europol. (nr)

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