SpongeBob Schwammkopf führt zu Lerndefiziten

Sebastian

Die Kinderserie "SpongeBob Schwammkopf" führt laut einer Studie zu Lernproblemen

12.09.2011

Laut einer US-Amerikanischen Studie kann die bei Kindern sehr beliebte Zeichentricksendung "SpongeBob Schwammkopf" zu zeitnahen aber kurzfristigen Aufmerksamkeitsstörungen und Lernproblemen führen. Schon nach einem Fernsehkonsum von neun Minuten zeigten sich erste Anzeichen von Beeinträchtigungen bei kleinen Kindern.

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Die Fernsehserie "Sponge-Bob-Schwammkopf" kann bei Kindern zu Lerndefiziten und Aufmerksamkeitsproblemen führen. Zu diesem Ergebnis gelangte eine wissenschaftliche Studie der Universität von Seattle. Die Studienergebnisse wurden am Montag in dem Wissenschaftsmagazin "Pediatrics" veröffentlicht und vorgestellt.

Schrille Töne, schnell aneinander folgende Filmsequenzen mit grellen Farben und eine Kindgerechte Story. Das ist der Mix der Kinderserie "Sponge-Bob-Schwammkopf", dem viele Kinder erliegen sind. Doch der Konsum kann zu Symptomen führen, die sich bereits wenige Minuten nach dem Zuschauen ergeben, wie eine Studie mit 60 kindlichen Probanden ergab.

Im Verlauf der Untersuchung mussten sich die Kinder entweder die benannte Serie anschauen oder eine im Vergleich ruhigere Zeichentricksendung namens „Caillou“ ansehen. Danach mussten die jungen Teilnehmer ein paar psychologische Funktionstests durchlaufen. Im Ergebnis schnitten die "SpongeBob"-Probanden durchschnittlich deutlich schlechter ab, als die Vergleichsgruppe, wie das Forscherteam berichtete. Bereits im Vorfeld hatten die Wissenschaftler vermutet, dass sie zu einer solchen Datenlage gelangen könnten. Allerdings sollten die Testergebnisse verhaltend kommentiert werden, da die Teilnehmerzahl für konkrete Aussagen noch zu gering sei. Hier müssten weitere Forschungsarbeiten folgen, so das Wissenschaftsteam.

Es spielt eine Rolle, was Kinder sehen
In einem Vorwort schrieb der Psychologie-Professor für frühkindliche Entwicklung an der Universität von Seattle Dimitri Christakis, Eltern müssten sich bewusst sein, dass Fernsehkonsum mit schnellen Schnitten für kleine Kinder völlig ungeeignet sind. „Es spielt eine Rolle, was Kinder sehen und nicht nur, wie viel sie sehen“. In den USA, Dänemark und auch vereinzelt hierzulande werden spezielle Kinder-DVDs angeboten, die die Entwicklung des Kindes fördern soll. Die zum Teil in den USA sehr aggressiv beworbenen Filme finden in vielen Haushalten Anklang. Es könnte auch so einfach sein: „Einfach den Fernseher anstellen, DVD reinlegen und schon bilden sich die Kinder weiter und fördern damit ihre Fähigkeiten“. Aber auch diese ominösen Filme „beeinträchtigen die kognitive Entwicklung des Kindes“, wie der Kinderpsychologe eindringlich warnt. Insgesamt 80 internationale Studien zu diesem Thema wurden durch den Experten bereits ausgewertet. Alle kamen zu ähnlichen Ergebnissen.

Hoher Fernsehkonsum bei Kindern
In den USA aber auch in Deutschland ist der Fernsehkonsum der Kleinen sehr hoch. In den Vereinigten Staaten schauen neun von zehn Kleinkinder regelmäßig TV. Aufgrund der massiven Werbung der Produzenten von „speziellen Kinder-Förderung-DVDs“ denken viele Eltern, sie würden die Hirnentwicklung der Kleinen durch das Anschauen der Fernsehbilder fördern. Doch genau das Gegenteil ist der Fall, wie Dimitri Christakis vom Kinderforschungszentrum betont. "Keine Studie hat bisher gezeigt, dass das Fernsehen kleiner Kinder irgendeinen Nutzen bietet." Die Serien würden eher die sprachlichen Fähigkeiten beeinträchtigen und die Leistung des Gehirns mindern. Das schädige dauerhaft die Konzentrationsfähigkeit. Der Experte vermutet, dass eine permanente Reizüberflutung bei Zusehen stattfindet. Diese würde durch schnelle und flackernde Bilder erzeugt. Durch die schnellen Veränderungen der Perspektive und wechselnden Fimschnitte werde das noch nicht vollends entwickelte Kindergehirn überfordert. „Viele Eltern sind vor allem bei Kleinkindern schnell überfordert und machen den Fernseher an“, berichtet die Sozialarbeiterin Gritli Bertram. Fernsehen ersetzt aber nicht das Spielen oder emotionale Zuwendungen, mahnt die angehende Psychotherapeutin. „Die Interaktion mit den Eltern, das gemeinsame Singen von Kinderliedern und das gemeinsame Spiel sind geeignete Fördermöglichkeiten und nicht der Griff zur Fernbedingung“ mahnt die Expertin. Die US-Experten äußern gar, die Eltern verfolgen bei dem Kauf solcher speziellen DVD´s ganz eigene Interessen, wenn sie ihre Kinder vor den Fernsehapparat setzen. Manche wollen anscheinend das Kind Ruhigstellen, um andere Dinge wie Hausarbeit oder Telefonieren zu erledigen.

Der Kinderfernsehsender „Nickelodeon“ kritisierte die Studienergebnisse. So sagte David Bittler, die Serie richte sich nicht an Kleinkinder sondern an sechs bis Elfjährige. Zudem haben die Forscher „fragwürdige Methoden“ zur Ermittlung der Studiendaten verwandt. "SpongeBob Schwammkopf" wurde bereits mit dem beliebten Fernsehpreis „Emmy“ als beste Zeichentricksendung ausgezeichnet.

Nicht nur „Sponge Bob“ für Kleinkinder gefährlich
Doch nicht allein die „Sponge Bob Serie“ ist hauptverantwortlich, sagt die Psychologie-Professorin Angeline Lillard. Die Studienleiterin verwies darauf, dass die Forscher auch bei anderen temporeichen Zeichentrickfilmen ähnliche Beobachtungen gemacht hatten. Die Eltern sollten aber wissen, dass solche Serien nach dem Konsum die Selbstkontrolle der Kinder beeinträchtige. Daher würde die Psychologin den Eltern nicht dazu raten, die Kinder diese „Sendungen auf dem Weg zur Schule anzuschauen zu lassen oder zu einer Zeit, in der sie sich konzentrieren und lernen sollen". Den Kindern falle es dann schwerer, sich zu konzentrieren und Lerninhalte aufzunehmen. (sb)