Stiftung Warentest: Kaum gesunde Multivitaminsäfte

Sebastian

Stiftung Warentest: Nur ein Multivitaminsaft konnte bei einer Vergleichsuntersuchung die Note "sehr gut" erreichen

25.02.2012

Eltern wollen ihren Kindern etwas gutes tun und dafür sorgen, dass sie ausreichend mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt sind. Daher greifen viele zum Multivitaminsaft, denn die Werbung suggeriert, die Säfte seien „ein Beitrag zur Gesundheit“. Die Verbraucherorganisation „Stiftung Warentest“ hat insgesamt 22 Fruchtsäfte getestet. Nur ein Vitaminsaft erreichte das Prädikat „sehr gut“. Nur in seltenen Fällen war tatsächlich hochwertiger Fruchtsaft enthalten.

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Die Multivitaminsäfte sollen „die Gesundheit von Groß und Klein stärken“, so oder so ähnlich preisen die Hersteller ihre Säfte an. Auf den Verpackungen glänzen viele bunte Fruchtsorten und Slogans wie „mit lebenswichtigen Vitaminen“ vermitteln, Verbraucher trinken ein gesundes Produkt, um die Immunabwehr zu stärken. Die Stiftung Warentest hat 22 handelsübliche Vitaminsäfte genauer analysiert und die Ergebnisse im Labor ausgewertet. Nur ein Getränk konnte bei der Testung die Note „sehr gut“ erreichen. Dafür bekamen acht die Zensur „ausreichend“ oder „mangelhaft“. Demnach sieht die Realität bei den meisten Fruchtsaftgetränken ziemlich enttäuschend aus.

Ergebnisse bei der Untersuchung „Multi-enttäuschend“
„Multi-Enttäuschend“, resümieren die Experten der Stiftung die Fruchtsaft-Bewertung. Obwohl die Verpackungen appetitlich aussehen und wohlschmeckende frische Früchte abgebildet sind, sind die meisten nicht so gesund, wie sie suggerieren. Von den untersuchten Säften konnten nur drei überzeugen. Testsieger war das teure Bioprodukt „11 plus 11“ des Herstellers „Rabenhorst“. Die Säfte werden vorzugsweise nur in Bioläden und Reformhäusern vertrieben und kosten 3,99 Euro je Saftflasche. Der Rabenhorst-Saft ist der einzige, der aus Direktsäften produziert wird und daher zu einem „besonders fruchtigen Geschmack“ führt. Der Multi-Saft bekam als einziges Produkt die Note „sehr gut“. Auf Platz Zwei und Drei schafften es die Säfte „Amecke intense Multivitamin“ für 1,69 Euro und der Fruchtstern „Multivitaminsaft von Netto Marken-Discount“ für nur 95 Cent pro Flasche.

Kaum Frucht, dafür Aromen
Das Hauptaugenmerk richteten die Tester auf die Inhaltsstoffen und den speziellen Zusammensetzungen. Vermittelt wird, dass die Säfte voller exotischer Früchte sind. Bei den meisten Sorten wurden aber nur sehr geringe Mengen beim Herstellungsprozess verwendet. Als Hauptbestandteile sind jeweils Äpfel und Apfelsinnen angegeben. Sechs Multisäfte wiesen laut der Auswertungen der Stiftung nicht ausreichende Mengen auf. Folgende Produkte erreichten deshalb nur ein „mangelhaft“: Albi, Rauch, Kaiser’s Tengelmann, Bauer, Bari sowie der Rote Multi von Edeka. Bei dem Saft von Bari konnten die Experten fast keine Fruchtaromen im Labor nachweisen. Auch beim Geschmackstest konnte Bari nicht überzeugen: Er schmeckte den Testern weder „fruchtig-exotisch“, sondern fiel durch einen muffigen Geschmack gepaart mit einem Malzgeschack von „alten Früchten“ auf. Einige Saftkonzerne verwenden nur Fruchtsaftkonzentrate und fügen bei der Rückverdünnung nicht die erforderlichen Aromen hinzu. Die Bezeichnung „Fruchtsaft“ ist unter diesen Umständen irreführend und laut Lebensmittelverordnung nicht rechtens.

Übermäßig viel synthetisch hergestellte Vitamine
Überhaupt nicht gesund sind synthetisch hergestellte Vitamine. Viele Studien wiesen in letzter Zeit daraufhin, dass die künstlichen Vitamine in hohen Dosen sogar der Gesundheit schaden. Die Produzenten setzten hingegen den Säften in großen Mengen Kunstvitamine hinzu. Teilweise waren die Mengen sogar höher, als auf den Etiketten verzeichnet war. Bei einigen Produkten überstieg der Anteil das Dreifache, als beschrieben war. Nach Meinung der Stiftung Warentest können sich Konsumenten kaum auf die Deklarationen der Hersteller verlassen. Weil eine überhöhte Vitaminzufuhr den Körper schädigen kann, raten die Fachleute zu höchstens einem Glas, denn den meisten Nahrungsmitteln sind bereits Vitamine in reichlicher Menge bereits beigemengt. Aus diesem Grund eignen sich diese Säfte wohl kaum als Durstlöscher, es sei den sie werden mit Wasser zur Schorle gemixt. Bleibt als Fazit: Wer sich gesund ernähren will, greift am Besten gleich zu frischen Früchten oder presst sich daraus einen eigenen Fruchtsaft. Eine ungesunde Grundernährung kann mit künstlich beigemengten Vitaminen nicht erreicht werden. Alle Ergebnisse in der Übersicht sind in der Zeitschrift „Test“ in der Ausgabe 3/2012 der Verbraucherinitiative erschienen. (sb)