Stiftung Warentest: Schmerzmittel ein Risiko

Heilpraxisnet

Nebenwirkungen von Schmerzmitteln werden oft unterschätzt

29.08.2014

Wer Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen hat, greift schnell zu Schmerzmitteln wie Paracetamol, ASS oder Ibuprofen. Häufig werden dabei jedoch die Risiken der rezeptfreien Präparate unterschätzt. Dementsprechend warnt die Stiftung Warentest in der aktuellen Ausgabe ihres „test“-Magazins vor den Nebenwirkungen und rät zur Vorsicht bei der Einnahme.

142 Millionen Packungen wurden 2013 abgegeben
Ob Paracetamol, Aspirin, Ibuprofen oder Diclofenac (Voltaren): Schmerzmittel sind in nahezu jedem Haushalt vorrätig und werden bei Beschwerden oft schnell und ohne großes Nachdenken eingenommen. Rund 142 Millionen – größtenteils rezeptfreie – Packungen gaben Apotheken in Deutschland allein 2013 ab, so die Stiftung Warentest mit Bezug auf aktuelle Daten vom Marktforschungsunternehmen IMS Health. Die preiswerten und freiverkäuflichen Mittel wirken in den meisten Fällen gut. Dennoch warnen Gesundheitsexperten immer wieder vor den gesundheitlichen Risiken, die durch eine hohe Dosierung oder langanhaltende Anwendung entstehen können.

Aspirin und Co. haben „mehr Nebenwirkungen, als viele denken“
Doch wie gefährlich sind die gängigen Mittel gegen Schmerzen nun wirklich? Dieser Frage hat sich auch die Stiftung Warentest angenommen und die aktuellen Untersuchungen zu diesem Thema gesichtet. Das Fazit: Die bislang als geeignet bewerteten rezeptfreien Wirkstoffe (ASS, Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen, Parazetamol) seien auch weiterhin geeignet, um Schmerzen und Fieber zu lindern, denn ihr Nutzen würde auch dem aktuellen Forschungsstand das Risiko überwiegen. Voraussetzung sei dabei allerdings, dass diese von den Patienten achtsam eingesetzt werden, denn ungefährlich seien Paracetamol und Co. nicht: „Sie wirken meist gut – haben aber mehr Nebenwirkungen, als viele denken“, warnt die Stiftung daher in ihrem aktuellen „test“- Magazin (09/2014 ).

Schwere Leberschäden und Herzinfarkt möglich
Dementsprechend sei laut der Stiftung vor allem eine achtsame Verwendung der Schmerzmittel wichtig, denn werden diese in maßvoller Dosis eingenommen, bestehe normalerweise keine Gefahr für die Gesundheit. Im Übermaß konsumiert, könnten diese jedoch schwere Nebenwirkungen verursachen, wodurch nach Schätzungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte jedes Jahr mehrere tausend Deutsche im Krankenhaus behandelt werden müssten. Möglich sind hier beispielsweise relativ „harmlose“ Beschwerden wie Kopfschmerzen, Müdigkeit und Nervosität, in selteneren Fällen aber auch sehr ernste Folgen wie Leberschäden durch Paracetamol und Magenschäden durch Azetylsalizylsäure sowie verwandte Stoffe wie Diclofenac und Ibuprofen. Letztere könnten laut aktueller Studien sogar das Risiko für einen Herzinfarkt erhöhen.

Verschiedene Schmerzmittel besser nicht kombinieren
Um kein Risiko einzugehen, sollten Schmerzmittel daher auf Empfehlung der Stiftung Warentest ohne ärztlichen Rat maximal vier Tage hintereinander und zehn Tage im Monat eingenommen werden. Dabei sei es außerdem wichtig, den Beipackzettel inklusive der Dosieranleitung gründlich zu lesen und bei Bedarf weitere Auskunft in der Apotheke einzuholen. Denn auch bei der Wahl des „richtigen“ Mittels ist Vorsicht geboten, da nicht jedes Produkt für jeden gleichermaßen geeignet ist. Gleiches gelte für Kombinationsmittel wie „Doppel Spalt compact“ oder „Neuralgin“, denn diese würden oft neben ein bis zwei Wirkstoffen auch Koffein beinhalten. Da dieses eine belebende Wirkung hat, bestehe jedoch die Gefahr, dass das Mittel zu oft und zu lange eingenommen werde und Nebenwirkungen auftreten. Dementsprechend sollten laut der Stiftung verschiedene Schmerzmittel generell nicht kombiniert werden, denn „die therapeutische Wirkung verbessert sich nicht zuverlässig, unerwünschte Effekte aber können sich häufen.“

Kopfschmerzen natürlich mit Pfefferminzöl lindern
Um gesundheitliche Risiken durch Medikamente ganz zu vermeiden, kann aber auch versucht werden, die Beschwerden auf natürlichem Wege zu lindern. Hier bieten sich beispielsweise vielfältige Hausmittel bei Kopfschmerzen an, die alternativ zu Aspirin und Paracetamol eingesetzt werden können. Ein bewährtes Mittel ist hier zum Beispiel "ätherisches Pfefferminzöl aus der Apotheke, welches bei Spannungskopfschmerzen großflächig auf Stirn, Schläfen, Nacken und Schultern aufgetragen wird". So kann die Minze auf zweierlei Weise wirken, indem sie zum einen die Weiterleitung bzw. Verarbeitung von Schmerzimpulsen hemmt und zum anderen einen muskelentspannenden Effekt hat, was gerade bei Kopfschmerzen vom Nacken ausgehend von zentraler Bedeutung ist. (nr)

Bild: Sara Hegewald / pixelio.de