Studie: Forscher entdecken Beweise für Statin-Intoleranz

Viele Menschen mit Fettwechselstörungen nehmen Statine, um ihr Cholesterin zu senken. Oft klagen Betroffene über starke Muskelschmerzen und Krämpfe. Jahrelang wurden diese Nebenwirkungen auf psychologische Gründe zurückgeführt. Jetzt entdeckten Wissenschaftler Beweise für eine Statin-Intoleranz. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)
Alexander Stindt
Statine können starke Krämpfe und Muskelschmerzen auslösen
Statine sind Arzneistoffe, die hauptsächlich bei Fettwechselstörungen als Cholesterinsenker eingesetzt werden. Lipizot gehört beispielsweise zu diesen sogenannten Statinen und hat fast zwei Jahrzehnte lang geholfen, auf eine effektive und kostengünstige Weise das LDL-Cholesterin zu senken. Aber nicht jeder kann das Medikament nehmen, viele Menschen klagen über Nebenwirkungen. Wissenschaftler belegen dies in einer aktuellen Studie und wiesen nach, dass es tatsächlich eine Intoleranz gegenüber Statinen bei solchen Betroffenen gibt.

Schon seit langer Zeit nutzen viele Menschen mit Fettwechselstörungen Statine, um das ungesunde LDL-Cholesterin zu senken. Viele Betroffene klagten über sehr starke Muskelschmerzen und Krämpfe. Aus diesen Gründen beendeten solche Menschen oft ihre Therapie. Da es aber in den meisten Fällen keine Biomarker für die Muskelprobleme gab, war eine Intoleranz gegenüber Statinen lange Zeit äußerst umstritten. Wissenschaftler von der Cleveland Clinic stellten jetzt bei einer Untersuchung fest, dass es eine Statinintoleranz durchaus gibt und Betroffene mit alternativen Medikamenten behandelt werden müssen. Die Mediziner veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Journal of the American Medical Association“ (JAMA).

Viele Menschen mit Fettwechselstörungen nehmen Statine, um ihr Cholesterin zu senken. Oft klagen Betroffene über starke Muskelschmerzen und Krämpfe. Jahrelang wurden diese Nebenwirkungen auf psychologische Gründe zurückgeführt. Jetzt entdeckten Wissenschaftler Beweise für eine Statin-Intoleranz. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)
Viele Menschen mit Fettwechselstörungen nehmen Statine, um ihr Cholesterin zu senken. Oft klagen Betroffene über starke Muskelschmerzen und Krämpfe. Jahrelang wurden diese Nebenwirkungen auf psychologische Gründe zurückgeführt. Jetzt entdeckten Wissenschaftler Beweise für eine Statin-Intoleranz. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)

Fast 43 Prozent aller Nutzer von Statinen leiden unter Muskelschmerzen
Statine werden seit zweit Jahrzehnten eingesetzt, um hohe Cholesterin-Werte zu senken. Leider klagten viele Betroffene über starke Muskelschmerzen und Krämpfe. Solche Patienten müssen ihre Behandlung einstellen und ggf. steigt hierdurch ihre Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall, erklärt der Hauptautor Dr. Steven Nissen. Da es nie Biomarker für eine solche Intoleranz gab, war diese unter Medizinern umstritten. Einige Forscher hatten spekuliert, dass das Problem eine psychologische Ursache haben könnte. Die neue Studie zeigte zum ersten Mal, dass es sehr wohl eine Intoleranz gegen Statin gibt, sagen die Experten. Betroffene sollten laut Aussage der Forscher eine andere Art von Medikamenten einnehmen, um ihre Cholesterin-Werte zu senken. Etwa 42,6 Prozent der Menschen bemerkten Muskelschmerzen, wenn sie bestimmte Statine einnahmen. Nutzten die selben Personen ein bestimmtes anderes Statin oder ein Placebo, waren keine negativen Auswirkungen festzustellen, erläutern die Forscher. Die Patienten reduzierten ihren LDL-Cholesterinspiegel, um mehr als die Hälfte, wenn sie über einen Zeitraum von 24 Wochen den PCSK9-Inhibator Evolocumab verwendeten. Nutzten Betroffene das Medikament Ezetimib, reduzierte sich der LDL-Cholesterinspiegel nur um 16,7 Prozent, fügen die Wissenschaftler hinzu.

73 Millionen Menschen in den USA haben einen zu hohen LDL-Cholesterinspiegel
Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) genehmigte PCSK9-Inhibitoren bereits im letzten Jahr, aber nur für kleine Gruppen von Menschen, wie beispielsweise Patienten mit einer Erbkrankheit, die ihren LDL-Cholesterinspiegel dramatisch erhöht, sagen die Forscher. Die neue Untersuchung bietet Hoffnung für alle Menschen, die bisher nicht in der Lage waren, Statine einzunehmen, erklären die Mediziner. Herz-Erkrankungen seien bei Amerikanern die häufigste Todesursache. Etwa 73 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten hätten zudem einen hohen LDL-Cholesterinspiegel. Dieser erhöhe das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen erheblich, warnen die Wissenschaftler. Millionen von Menschen nehmen Statine, um dieses Risiko zu senken. Im Jahr 2013 veröffentlichte das American College of Cardiology und die American Heart Association neue Behandlungsrichtlinien, in deren Folge sich die Zahl der Statin nutzenden Menschen noch weiter erhöhte. Die festgestellte Statin-Intoleranz stelle hier ein großes Problem für die kardiovaskuläre Medizin dar.

Alternative Medikamente leider noch sehr teuer
PCSK9-Inhibitoren könnten möglicherweise eine Option für Patienten sein, die intolerant gegenüber Statinen sind. Allerdings sind diese Medikamente sehr teuer, sagen die Mediziner. Und weil die Beweise für eine vorhandene Statin-Intoleranz bislang weitgehend subjektiv waren, sträuben sich viele Krankenkassen, solche teuren Medikamente zu unterstützen, wenn Patienten nicht beweisen können, dass sie nicht in der Lage sind billigere Medikamente einzunehmen, erklären die Autoren. Die Wirkungsweisen dieser teureren Medikamente seien relativ einfach zu beschreiben. PCSK9-Inhibitoren blockieren eine Substanz, welche die Fähigkeit der Leber hemmt, Cholesterin aus dem Blut zu entfernen. Ezetemibe beispielsweise wirke anders und nehme eine Cholesterinabsorption im Dünndarm vor, erläutern die Wissenschaftler. (as)

Advertising