Studien: Smartphones setzen Kinder und Jugendliche unter Dauer- Stress

Sebastian
Verbreitete Handynutzung wirkt sich stark auf das Alltagsleben junger Menschen aus
Knapp zwei Drittel der 8- bis 14-Jährigen können mittlerweile über das Smartphone auf das Internet zugreifen. Das eröffnet viele Möglichkeiten und Freiheiten – birgt aber auch eine Menge Gefahren und Risiken. Denn wie eine aktuelle Studie der Universität Mannheim zeigt, leiden viele jugendliche User unter Kommunikationsstress und Gruppenzwang. Zudem sind Cybermobbing und das Versenden von Gewaltvideos oder sexualisierten Selbstaufnahmen offenbar längst keine Seltenheit mehr.

Knapp zwei Drittel der 8- bis 14-Jährigen gehen über das Handy ins Internet
Sind Jugendliche heute „always on“? Der Begriff ist mittlerweile weit verbreitet und beschreibt die ständige Verbindung mit dem Internet über Smartphone, Tablet &. Co. Und tatsächlich scheint mobile (Online-)Kommunikation eine starke Präsenz im Leben von Kindern und Jugendlichen zu haben. Denn wie eine aktuelle Untersuchung der Universität Mannheim im Auftrag der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) zeigt, können 64 Prozent der 8- bis 14-Jährigen sowie 86 Prozent der 13- und 14-Jährigen über das Handy bzw. Smartphone auf das Internet zugreifen.

Jugendliche und Kinder leiden unter täglichem Kommunikationsstress. Bild: benschonewille - fotolia
Jugendliche und Kinder leiden unter täglichem Kommunikationsstress. Bild: benschonewille – fotolia

Doch das ständige „on“ sein hat offenbar nicht nur Vorteile. Stattdessen würden viele jugendliche User laut der Studie unter Kommunikationsstress und Gruppenzwang leiden, jeder vierte 8- bis 14-Jährige empfindet den ständigen Austausch per Smartphone als Stress. Doch dies halte viele Betroffene nicht von der Nutzung ab – denn auf der anderen Seite hätten die Kids Angst, etwas zu verpassen und ausgeschlossen zu werden.

Jeder Zehnte gilt als „suchtgefährdet“
„Viele sind in der Lage, auch längere Zeit ohne das Handy oder Smartphone auszukommen“, so Prof. Dr. Peter Vorderer von der Uni Mannheim laut einer Pressemitteilung der LfM. „Etwa 21 Prozent der Kinder und Jugendlichen weisen jedoch eine sehr starke Bindung auf“, erklärt der Experte weiter. In diesen Fällen würde z.B. ständig an das Mobiltelefon gedacht oder ständig geprüft, ob eine neue Nachricht eingegangen ist. Die „Bindung“ an das Smartphone kann dabei extreme Züge annehmen – acht Prozent müssten der Studie nach als „suchtgefährdet“ eingestuft werden.

Cybermobbing und Sexting stellen großes Risiko für Heranwachsende dar
Die weit verbreitete Nutzung von Smartphones wirkt sich auch deutlich auf die Beziehung zu Gleichaltrigen aus, so die Mitteilung. Hier gäbe es auf der einen Seite eine Reihe positiver Effekte, wie z. B. das Anschauen von Fotos und Videos in der Gruppe oder das gemeinsame Spielen von Online-Games. Vor allem spiele das Handy aber als Kommunikationsmittel eine zentrale Rolle, durch welches die Bindungen untereinander gestärkt würden, erklärt Dr. Dorothée Hefner von der Uni Mannheim.

Doch hier sei auch die dunkle Seite der immer stärker werdenden Handynutzung zu finden. Hierzu zählen z.B. Cybermobbing oder „Sexting“, womit der Austausch über sexuelle Themen und das Versenden von erotischen Selbstaufnahme bezeichnet wird. Auch das sogenannte „Happy Slapping“ könne dem LfM nach besonders weitreichende Folgen für die Heranwachsenden haben. Bei diesem werden Gewaltszenen gefilmt und anschließend im Internet veröffentlicht oder per Mobiltelefon weiterverbreitet. Etwa zehn Prozent hätten Cybermobbing bereits als Täter oder Opfer erlebt sowie zwischen 4 und 6 Prozent der Kinder und Jugendlichen Happy Slapping und Sexting erfahren bzw. selbst Bilder von sich verschickt, so die Mitteilung.

Angst etwas zu verpassen bei Jugendlichen besonders auffällig
Ein wichtiger Treiber für die intensive Smartphone-Nutzung sei laut Dr. Karin Knop von der Uni Mannheim auch die Angst, etwas zu verpassen und dadurch aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden (Fear of missing out, FoMO).

„Dies ist der stärkste Erklärungsfaktor für unkontrollierte, exzessive und risikobetonte Handynutzung. Wenn Kinder und Jugendliche zusätzlich einen hohen Anpassungsdruck an ihren Freundeskreis verspüren und dieser Freundeskreis eine ‚Always-on‘-Mentalität lebt, lassen sie sich besonders stark durch ihr Handy ablenken.“

Kommunikation innerhalb der Familie wird vereinfacht
Innerhalb der Familie bringen Handys und mobiles Internet laut der Studie ebenfalls sowohl Vorteile als auch Anlass für Konflikte mit sich. Ein großer Pluspunkt sei demnach, dass die Kommunikation und Organisation des Alttags einfacher und unkomplizierter geregelt werden könne. Reibungspunkte gäbe es hingegen in erster Linie in Hinblick auf die Nutzungsdauer.

„Die Studie zeigt, dass beim Großteil dessen, was mit dem Handy und mobilen Internet betrieben wird, es um Kommunikation und menschliches Miteinander geht. Hier haben Erziehende wiederum einen Vorsprung, der sie dazu ermuntern sollte, mit Kindern und Jugendlichen über die Nutzung ins Gespräch zu kommen“, so LfM-Direktor Dr. Jürgen Brautmeier. (nr)